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Aktuell Nahost

Iran erwägt Verlängerung der Atomgespräche

Bis Ende Juni wollen die fünf UN-Vetomächte und Deutschland mit Teheran ein umfassendes Atomabkommen schließen. Nun hat Teheran erstmals Einzelheiten des Entwurfs enthüllt. Und eine Verlängerung der Gespräche angedeutet.

Nach Angaben der iranischen Seite nimmt das angestrebte Abkommen über das iranische Atomprogramm allmählich Form an. Jedoch sei die selbst gesetzte Frist für den umfassenden Vertrag bis Ende Juni kein Selbstzweck, sagte Außenminister Mohammed Dschawad Sarif (Artikelbild) einheimischen Medien. Der Iran wolle den Vertrag bis dahin unter Dach und Fach haben, "aber nicht um jeden Preis". Ein guter Vertrag sei ihm wichtiger, als Fristen einzuhalten. Daher sei eine Verlängerung der Verhandlungen über Juni hinaus nicht ausgeschlossen. Aber das müsse mit den fünf UN-Vetomächten plus Deutschland abgesprochen werden.

Ab Montag will sich auch der Gouverneursrat der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien mit dem Stand der Inspektionen des iranischen Atomprogramms befassen. Dabei dürfte IAEA-Chef Yukiya Amano Teheran erneut zu voller Kooperation aufrufen. Die Inspektionen sind ein zentraler Bestandteil in den aktuellen politischen Gesprächen über einen Atomvertrag mit Teheran. Die Vereinbarung soll Gewissheit schaffen, dass der Iran keine Atombombe baut. Nach Abschluss des Abkommens ist eine schrittweise Aufhebung der internationalen Sanktionen geplant.

Vertragsentwurf mit Lücken

Am Samstag hatte Teheran zum ersten Mal Angaben dazu gemacht, wie die geplante Vereinbarung zur Beilegung des zwölfjährigen Konflikts aussehen könnte. "Das Abkommen selbst hat ungefähr 20 Seiten, hinzu kommt ein Anhang mit weiteren 40 bis 50 Seiten", sagte Vizeaußenminister Abbas Araghchi iranischen Medien am Ende einer zweitägigen Verhandlungsrunde in Wien. Der Entwurf sei aber noch nicht fertig und weise noch viele Lücken auf. In den Anhängen seien Vereinbarungen für technische Kontrollen des iranischen Atomprogramms sowie zur Aufhebung der Sanktionen gegen den Iran enthalten, meldete die Nachrichtenagentur Fars unter Berufung auf Araghchi weiter. Außerdem werde es dort auch Bestimmungen zu einem Kontrollgremium für die Umsetzung des Abkommens sowie zur internationalen Zusammenarbeit mit dem Iran bei seinen zivilen Atomprojekten geben.

Angesichts der Belastung durch die Sanktionen gab der Iran derweil bekannt, dass er mit Russland in Kürze das Tauschgeschäft Öl gegen Waren starten werde. "Russland wird diese Woche mit den Öleinfuhren aus dem Iran beginnen", zitierte die halbamtliche Nachrichtenagentur Fars Ölminister Bidschan Sanganeh nach dessen Rückkehr von einem OPEC-Treffen. Darauf habe er sich mit dem russischen Energieminister Alexander Nowak verständigt. Die Islamische Republik werde mit dem Erlös russische Produkte wie Stahl, Weizen und Ölprodukte erwerben. Seit 2012 sind die iranischen Ölexporte unter dem Druck der westlichen Sanktionen wegen des Atomstreits um mehr als die Hälfte auf rund 1,1 Millionen Barrel gesunken.

kle/chr (dpa, afp, rtre)