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Fokus Osteuropa

Iran baut seine Position in Tadschikistan aus

Teheran investiert zunehmend in Tadschikistan - in Kraftwerke und verschiedene Infrastrukturprojekte. Schon bald könnten die Iraner nach China zum zweitgrößten Investor aufsteigen und die Russen auf Rang drei verweisen.

Mautstelle einer gebührenpflichtigen Autobahn in Tadschikistan (Foto: DW)

Investitionen in den Straßenbau

Im vergangenen Jahr ist der Iran unter die fünf wichtigsten Handelspartner Tadschikistans aufgerückt. Bei den direkten Investitionen liegt das Land nach China und Russland inzwischen sogar auf Platz drei. Die iranischen Investitionen in die tadschikische Wirtschaft fielen im vergangenen Jahr mit 65 Millionen Dollar zwar relativ gering aus, aber Teheran plant, künftig deutlich mehr Geld in das Nachbarland zu investieren.

Investitionen in die Wasserkraft

Wasserkraftwerk Sangtuda (Foto: DW)

Sowohl Russen als auch Iraner bauen Kraftwerke

Derzeit fließen iranische Investitionen unter anderem in neue Wasserkraftwerke. So soll das Wasserkraftwerk Sangtuda-2 von einem iranischen Unternehmen im September dieses Jahres fertiggestellt werden. Das Wasserkraftwerk mit einer Kapazität von 220 MW entsteht am Fluss Wachsch, südlich des Wasserkraftwerks Sangtuda-1, das ein russisch-tadschikisches Bauprojekt war. An dem Wasserkraftwerk Sangtuda-2 ist Tadschikistan zu einem Fünftel beteiligt. Die Kosten des Bauprojekts belaufen sich auf 200 Millionen Euro.

"Der Iran wird das Wasserkraftwerk 12 Jahre lang betreiben", berichtet Hamidschon Arifow von der tadschikischen Staudamm-Kommission. Nur der im Sommer produzierte Strom solle in den Iran geliefert werden. Auf diese Weise wollen die Iraner ihre Investitionen wieder herausholen. Nach 12 Jahren solle das Kraftwerk dann ganz an Tadschikistan übergeben werden, sagte der Behördenvertreter.

Gleich nach der Inbetriebnahme von Sangtuda-2 wollen die Iraner mit Vorbereitungen zum Bau des Aini-Wasserkraftwerks beginnen. Es soll genug Strom für das ganze Serafschan-Tal mit den Bezirkszentren Aini und Pendschikent liefern. Es ist nicht ausgeschlossen, dass der Iran sich auch am Bau von zwei Wasserkraftwerken am Fluss Hingou beteiligen wird.

Iran verdrängt zunehmend Russland

Gasgewinnung in Tadschikistan durch den russischen Konzern Gasprom (Foto: DW)

Gasprom sucht in Tadschikistan nach neuen Vorkommen

Fast eine halbe Milliarde Dollar will Teheran zudem in den Bau des größten Zementwerks in der Region investieren. Die Fabrik wird in der Region Chatlon entstehen. Entsprechende Verträge sind bereits unterzeichnet. Damit wird der Iran seine Investitionen in Tadschikistan weiter deutlich steigern und möglicherweise Russland überholen. "Moskau hat nach der Inbetriebnahme des Wasserkraftwerks Sangtuda-1 nichts weiter erreicht. Ich schließe nicht aus, dass der Iran mit seinen Projekten Russland weiter verdrängt, wenn die Suche der Russen nach neuen Öl- und Gasvorkommen nicht erfolgreich sein wird", sagte der Leiter des tadschikischen Politologen-Verbandes, Abdugani Mamadasimow.

Ferner bauen die Iraner in Tadschikistan Straßen und Tunnel. Derzeit entsteht eine Autostraße von Schagon nach Sigar mit einer Verbindung zur Karakorum-Autobahn. "Die Arbeiten werden von der Islamischen Entwicklungsbank und der tadschikischen Regierung finanziert", erläuterte Ismonkul Schokulow, Geschäftsführer des Projekts. Ein weiteres iranisches Unternehmen erarbeitet derzeit eine Machbarkeitsstudie für den tadschikischen Abschnitt der Eisenbahnlinie Kaschgar-Herat, die das Land mit China, Afghanistan und dem Iran verbinden wird.

Gemeinsamer TV-Sender?

Teheran bietet Duschanbe ferner an, die Visumpflicht zwischen den Staaten abzuschaffen, tägliche Flugverbindungen einzurichten und einen gemeinsamen Fernsehkanal zu betreiben. Tadschikische Beobachter sehen aber vor allem die TV-Pläne mit Skepsis. "Ich denke nicht, dass es schnell einen solchen Sender geben wird. Ungelöst sind Standort, Sendesprache und letztlich auch die ideologische Herangehensweise, da Tadschikistan ein säkulares Land ist", betonte der tadschikische Politikwissenschaftler Vafo Nijatbekow. Aber alle diese offenen Fragen könnten schon bald auf höchster Ebene besprochen werden, denn am 21. März reist der tadschikische Präsident Emomali Rachmon zu einem Besuch in den Iran.

Autor: Galim Faschutdinow / Markian Ostaptschuk
Redaktion: Bernd Johann

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