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Aktuell Welt

Iran baut Atomprogramm mit neuer Technik aus

Der Iran entwickelt seine Urananreicherung konsequent weiter: 700 neue Zentrifugen seit Jahresbeginn, warnt die UN-Atombehörde.

Die Islamische Republik treibt ungeachtet der permanenten internationalen Kritik ihr Atomprogramm eilig voran und weitet es immer mehr aus. Aus dem nun in Wien bekanntgewordenen jüngsten Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) geht  hervor, dass die Führung unter Präsident Mahmud Ahmadinedschad neue und vor allem auch effizientere Zentrifugen für die Urananreicherung in seiner wichtigsten Atomanlage in Natans installiert. Seien diese erst einmal in Betrieb, könne Uran um ein Vielfaches schneller angereichert werden als bisher, meinen die Experten. Seit Jahresbeginn habe der Iran 700 neue Zentrifugen installiert.

Seit dem letzten IAEA-Bericht im Februar habe das Land seinen Bestand von auf fünf Prozent angereichertem Uran um 689 Kilogramm auf insgesamt 8960 Kilogramm erhöht, berichten die Atomwächter. Der Bestand an höher auf rund 20 Prozent angereichertem Uran stieg um 44 auf 324 Kilogramm. Davon wandelte das Land aber 142 Kilogramm in Brennstoff für einen Forschungsreaktor um. Diese Menge könnte damit nur noch schwer für Atomwaffen verwendet werden.

Die iranische Atomforschungsanlage Natans (Archiv :dpa)

Wichtigste Atomanlage des Iran in Natans

Mullahs auf dem Weg zur Atombombe?

Mehr Sorge bereitet das höher angereicherte Uran, da es unverhältnismäßig leichter als niedrig angereichertes Uran für Waffenbrennstoff weiterverarbeitet werden kann. Irritationen haben bei der UN-Behörde auch laufende Arbeiten an einem Reaktor in Arak ausgelöst, der im dritten Quartal des nächsten Jahres in Betrieb gehen soll: Über diesen Reaktor fällt dann Plutonium an, was dem Iran neben Uran einen zweiten Weg zum Bau einer Atombombe eröffnen könnte. Teheran habe sich geweigert, ausreichende Informationen zu Arak zur Verfügung zu stellen, kritisierten die Inspekteure der Vereinten Nationen im Bericht. Dies habe zunehmend einen nachteiligen Effekt auf die Fähigkeit der Atombehörde, die Anlage aussagekräftig zu kontrollieren.

Die IAEA fordert auch weiterhin Informationen und Zugang zu einer Militäranlage in Parchin, wo der Iran vor einigen Jahren Nuklearexperimente durchgeführt haben könnte. In den vergangenen Monaten sollen wichtige Teile der Anlage asphaltiert, und damit mögliche Spuren verwischt worden sein. "Diese umfangreichen Umbauarbeiten machen die UN noch besorgter", sagte ein Diplomat in Wien.

Keine Wende nach der Wahl 

Der Ausbau des Atomprogramms solle auch nach den iranischen Präsidentschaftswahlen am 14. Juni so weitergehen - egal wer dann regiere, ließ Teheran bereits verkünden. Erneute Gespräche zwischen dem islamischen Land, den UN-Kontrolleuren und den fünf UN-Vetomächten sowie Deutschland hatten in der vergangenen Woche keine Annäherung gebracht.

Weder diplomatische Bemühungen noch vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verhängte Sanktionen brachten bisher einen Sinneswandel in Teheran. Das Atomprogramm sei eine Staatsangelegenheit und als solche überparteilich, warnte der iranische Chefunterhändler Said Dschalili vergangene Woche vor falschen Hoffnungen auf einen Kurswechsel nach den Wahlen.

SC/gmf (dpa, APE, rtre)