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Welt

Iran arbeitete laut IAEA an Atomwaffen

Klartext von den Atomwächtern: Der Iran hat nach Erkenntnissen der Internationalen Atomenergiebehörde zumindest bis zum Vorjahr an Atomwaffen gearbeitet. Droht nun ein Krieg im Nahen Osten?

Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad beim Gang durch die Atomanlage Natans (Foto: AP)

IAEA bescheinigt Irans Präsident Ahmadinedschad alles andere als eine weiße Weste

Es ist der bislang umfangreichste Iran-Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), der am Dienstag (08.11.2011) vorgelegt wurde: Akribisch listet die Behörde in Wien neue Details zu Irans Atomwaffen auf. Demnach hat das Land zumindest bis zum vergangenen Jahr an der Entwicklung einer Atombombe gearbeitet. Entsprechende Forschungen könnten noch andauern, heißt es warnend in dem 25-seitigen Bericht.

Israel schlägt Alarm

Zipi Livni applaudierend (Foto: picture-alliance/abaca)

Zipi Livni will die Welt gegen den Iran mobilisieren

Die israelische Oppositionsführerin Zipi Livni zeigte sich alarmiert. "Jetzt, wo die Wahrheit vor den Augen der Welt aufgedeckt wurde, muss Israel die freie Welt mobilisieren, um den Iran zu stoppen". In israelischen Medienberichten war über einen möglichen Militärschlag gegen iranische Atomanlagen spekuliert worden, sollte es neue Hinweise auf ein Atomwaffenprogramm geben. Israels Präsident Schimon Peres hatte am Wochenende erklärt, ein Angriff Israels und anderer Länder auf iranische Atomanlagen werde "immer wahrscheinlicher".

Israels Verteidigungsminister Ehud Barak bemühte sich aber am Dienstag, Sorgen vor einem unmittelbar bevorstehenden Krieg mit dem Iran zu zerstreuen. "Ein Krieg ist kein Picknick, und wir wollen keinen Krieg", sagte Barak dem israelischen Rundfunk. "Israel hat sich noch nicht für einen militärischen Einsatz entschieden." Großbritannien hatte nach Medienberichten seine Bereitschaft signalisiert, eine Militäraktion der USA zu unterstützen. Doch ein Krieg hätte irreparable Folgen, warnten umgehend Frankreich, Russland und Deutschland.

Iran bereitet Atomtests vor

Der Behörde liegen dem Bericht zufolge Belege vor, wonach der Iran an der Entwicklung einer Nuklearwaffe gearbeitet habe und dazu bereits Tests einzelner Komponenten für einen atomaren Sprengkopf vorgenommen habe. Zudem gebe es Hinweise auf die Vorbereitung von Atomtests, für die der Iran spezielle Zünder unterirdisch ausprobierte.

In vorangegangenen Berichten hatte die Behörde bereits über die Bemühungen des Iran zur Herstellung von Uran und Plutonium berichtet. Im neuesten Bericht konzentrierte sie sich auf mutmaßliche Bemühungen, radioaktives Material in Nuklearsprengköpfe zu füllen und Raketen zu entwickeln.

IAEA stützt sich auf vielfältige Quellen

Yukiya Amano (Foto: AP)

IAEA-Chef Amano bestätigt, dass der Iran an nuklearen Sprengköpfen gearbeitet hat

Immer wieder betont die IAEA, aus welch vielfältigen Quellen sie ihre Erkenntnisse schöpft: "Die Informationen, die die Basis der Sorgen und der Analyse der Behörde bilden, werden von der IAEA als glaubwürdig beurteilt." Sie kämen von einer breiten Vielfalt von unabhängigen Quellen, wie Mitgliedsstaaten, eigenen IAEA-Erkenntnissen - vor allem Satellitenbildern - und von vom Iran selbst bereitgestellten Informationen.

"Die Informationen weisen darauf hin, dass der Iran Arbeiten zur Entwicklung eines nuklearen Sprengkörpers durchgeführt hat", schreibt IAEA-Chef Yukiya Amano. Der Bericht zählt detailliert eine Reihe von Nuklearexperimenten auf. "Während einige im Anhang beschriebene Aktivitäten zivile wie militärische Zwecke haben könnten, sind andere speziell für Nuklearwaffen", heißt es.

Russland setzt immer noch auf Diplomatie

Russland, das dem Iran deutlich weniger kritisch gegenüber steht und dem Land sein erstes Atomkraftwerk lieferte, setzt weiter auf einen diplomatischen Weg. Russland sei "tief enttäuscht und befremdet" von dem Bericht, so das Außenministerium in Moskau. Durch die Veröffentlichung könne die Chance zur Wiederaufnahme der Gespräche zwischen den Weltmächten und dem Iran sinken.

Doch diplomatische Bemühungen hatten im Streit um das iranische Atomprogramm bislang eben so wenig bewegt wie das Druckmittel der Sanktionen. Aufgrund seiner Mitgliedschaft in der IAEA und der Unterzeichnung des Atomwaffensperrvertrags von 1979 ist der Iran verpflichtet, seine nuklearen Programme der IAEA offen zu legen. Doch das Land hatte es den Atomwächtern stets schwer gemacht, glaubwürdige Informationen zu erhalten.

Lieferte Pakistan die Pläne für Atomwaffen?

Ein Demonstrant hält vor der IAEA-Zentrale ein Plakat mit der Aufschrift 'Keine Atomwaffen für die Mullahs' hoch (Foto: AP)

Demonstration iranischer Oppositioneller vor der IAEA-Zentrale im August 2005

Nach der Analyse des Berichts erhielt die Regierung in Teheran die Konstruktionspläne für Atomwaffen von einem Schmuggel-Netzwerk um den pakistanischen Atomwissenschaftler Abdul Qadeer Khan. Er habe auch Libyens geheimes Atomprogramm beliefert, schreibt die IAEA.

Viele Länder der Welt vermuten seit Jahren, dass der Iran heimlich an der Atombombe baut. Die Regierung in Teheran bestreitet das und pocht auf ihr Recht der friedlichen Nutzung der Nuklearenergie. Die Dementis der Regierung klingen nach der genauen Auflistung von Experimenten und Arbeiten nun wie Hohn.

Iran streitet weiterhin alles ab

Dennoch hat der Iran nach Vorlage des IAEA-Berichts erneut betont, dass er kein geheimes Atomwaffenprogramm habe. Auch zeigte es sich von Drohungen unbeeindruckt. Teheran werde seinen Kurs fortsetzen, sagte Präsident Mahmud Ahmadinedschad. Er warnte gleichzeitig Israel und die USA vor schwerwiegenden Konsequenzen im Falle eines Angriffs auf den Iran.

Die USA und ihre Verbündeten dürften nach Vorlage des Berichts auf härtere Sanktionen gegen den fünftgrößten Öl-Exporteur der Welt drängen.

Autorin: Julia Elvers-Guyot (dpa, afp, rtr)
Redaktion: Hans Ziegler

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