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Irak und die Kurden

Iraks Regierungschef Al-Abadi lehnt Kompromissangebot der Kurden ab

Im Konflikt mit den Kurden im Norden des Irak fährt Ministerpräsident Al-Abadi weiter eine harte Linie: Er will offenbar mit aller Macht das Unabhängigkeitsreferendum vom September ungeschehen machen.

Er werde nur eine Annullierung der Volksabstimmung akzeptieren, erklärte der irakische Regierungschef Haidar al-Abadi bei einem Besuch in der iranischen Hauptstadt Teheran. Die kurdische Führung hatte angeboten, die Ergebnisse des umstrittenen Referendums einzufrieren und mit Gesprächen zu beginnen. Die Kurden hatten sich im September bei einer Volksabstimmung mit überwältigender Mehrheit für einen eigenen Staat ausgesprochen. Die irakische Zentralregierung lehnt eine Abspaltung der Kurden strikt ab. Irakische Truppen waren in der vergangenen Woche in zahlreiche Gebiete vorgerückt, die unter Kontrolle kurdischer Peschmerga waren. Insbesondere der Verlust der ölreichen Region Kirkuk ist für die Kurden ein harter Schlag.

Auch Teheran gegen Abspaltung der irakischen Kurden 

Al-Abadi wird auch mit dem iranischen Präsidenten Hassan Rohani über den Konflikt um das kurdischen Unabhängigkeitsreferendum sprechen. Die Führung in Teheran lehnt eine Abspaltung der Kurden genauso ab wie die Zentralregierung in Bagdad.

Irakische Truppen begannen unterdessen eine Offensive zur Befreiung der letzten Bastion der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) im Land. Armee und Verbündete wollten das Grenzgebiet zu Syrien im Westen des Iraks einnehmen, sagte Al-Abadi. Die IS-Anhänger hätten nur die Wahl, zu sterben oder sich zu ergeben. Zuvor hatte der Fernsehsender Al-Arabija berichtet, der Angriff auf die Grenzstädte Al-Kaim und Rawa erfolge von drei Seiten mit Unterstützung lokaler Milizen und internationaler Verbündeter Iraks.

 (Foto: Getty Images/AFP/A. Al-Rubaye)

Ein irakischer Militärkonvoi in einem Außenbezirk der Kurden-Metropole Kirkuk (Archivfoto vom 15. Oktober)

Die IS-Miliz hatte in den vergangenen Monaten bereits die größten Teile ihres Herrschaftsgebietes im Irak verloren, darunter die Millionenstadt Mossul im Norden des Landes. Im benachbarten Syrien sind die IS-Extremisten inzwischen auf ein Gebiet am Euphrat und die umliegende Wüste zurückgedrängt worden.

Kurden werfen Armee neue Attacken vor 

Die Kurden warfen dem irakischen Militär derweil vor, Stellungen von Peschmerga-Kämpfern angegriffen zu haben. Irakische Einheiten und vom Iran unterstützte Milizen hätten am Morgen Stellungen mit Artilleriebeschuss attackiert, teilte die Regionalregierung der Kurden mit. Eine Kolonne gepanzerter Fahrzeuge der Regierungstruppen nahm nach Korrespondentenberichten mehrere Dörfer nahe der Ölfelder bei Summar nordwestlich von Mossul ein. Aus anderen Dörfern wurden demnach heftige Gefechte gemeldet.

Ein AFP-Reporter berichtete, die Peschmerga hätten im Gegenzug Mörser und ferngesteuerte Panzerabwehrraketen eingesetzt, um einen Vorstoß der irakischen Armee und verbündeter Milizen auf den türkisch-irakischen Grenzposten Fischchapur zu verhindern. Über Fischchapur verläuft die wichtige Ölpipeline, durch die der Großteil des Öls aus Kirkuk zum türkischen Hafen von Ceyhan exportiert wird. 

sti/fab (afp, dpa, rtr)