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Nahost

Iraks Präsident will sich für Geisel einsetzen

Der irakische Präsident Dschalal Talabani hat die Entführung der deutschen Archäologin Susanne Osthoff scharf verurteilt und will sich persönlich für ihre Befreiung einsetzen. Neue Erkenntnisse gibt es indes nicht.

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Die entführte Archäologin Susanne Osthoff

Dschalal Talabani Präsident von Irak

Der irakische Präsident Dschalal Talabani

Talabani verurteilte die Entführung der deutschen Archäologin auf das Schärfste. "Ich verabscheue diesen terroristischen Akt zutiefst und möchte mein tiefes Mitgefühl und meine Solidarität mit der Familie und den Angehörigen der Entführten zum Ausdruck bringen", sagte der Präsident der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Diese Tat zeige das wahre Gesicht des Terrors. Deutschland habe weder am Krieg teilgenommen, noch handele es sich bei der Geisel um eine Militärangehörige. Ziel der Extremisten sei, den Wiederaufbau des Landes und den Demokratisierungsprozess im Irak zu zerstören.

In Deutschland wird indessen weiter gerätselt, ob es sich bei den Entführern der 43-Jährigen und ihres Fahrers um El-Kaida-Terroristen oder um eine kriminelle Bande handelt. Im Auswärtigen Amt traf am Donnerstagmorgen erneut der Krisenstab unter Vorsitz von Staatssekretär Klaus Scharioth zusammen. Neue Erkenntnisse wurden nicht veröffentlicht.

"Untypisch für Extremisten"

Frank-Walter Steinmeier Krisenreaktionszentrum Irak

Außenminister Steinmeier im Berliner Krisenreaktionszentrum

Außenminister Frank-Walter Steinmeier sagte der ARD, man sei noch nicht sehr viel weiter, unternehme aber weiterhin alle Anstrengungen, um Kontakte zu knüpfen. Zugleich lasse man das nötige Augenmaß walten, um das Leben der Geiseln nicht zu gefährden. Am Vortag hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel klargestellt, dass sich die Bundesregierung nicht erpressen lasse und der Forderung der Entführer, die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Irak einzustellen, nicht nachkommen werde.

Das der ARD übermittelte Video sei völlig untypisch für ein Bekennervideo von Extremisten, erklärten Udo Steinbach vom Hamburger Orient-Institut und andere Irak-Kenner. Nach zwei Tagen Prüfung hätten Sicherheitsexperten das Band als "improvisiert" und "eher schlicht" charakterisiert Es enthalte auch keine Kennungen, die islamistische Terroristen sonst verwendeten. Im Irak versuchten viele Kriminelle, durch Aufsehen erregende Aktionen in den Kreis des mutmaßlichen Terroristen Abu Mussab al-Sarkawi zu kommen, auch um Geld und Waffen gegen westliche Geiseln zu tauschen.

Schicksal "in Allahs Hand"

Bundeskanzlerin Angela Merkel gibt eine Erklärung zur Geiselnahme der deutschen Archäologin Susanne Osthoff im Irak im Bundeskanzleramt in Berlin

Bundeskanzlerin Angela Merkel: Die Bundesrepublik lässt sich nicht erpressen

Der Islam-Experte Peter Scholl-Latour sagte, niemand wisse, ob es den Entführern wirklich um Politik geht oder ob es sich um Kriminelle handele. Das Schicksal Osthoffs liege "in Allahs Hand". Notfalls sollte auch Geld gezahlt werden. Dagegen warnte der frühere Generalinspekteur der Bundeswehr, Klaus Naumann, vor Lösegeldzahlungen oder anderen Zugeständnissen an die Entführer. Auf der einen Seite sei zwar das Leben eines Menschen ein unschätzbares Gut, auf der anderen Seite dürfe der Staat gegenüber Terroristen nicht einlenken.

Nach Informationen des "Tagesspiegel" haben die Entführer möglicherweise Hinweise von Terrorsympathisanten in den irakischen Sicherheitskräften erhalten. Osthoff habe den Behörden mitgeteilt, wann und wohin sie fahren wollte, berichtete das Blatt unter Berufung auf deutsche Sicherheitskreise. Das Ziel sei eine Ausgrabungsstätte gewesen, die etwa 300 Kilometer von Bagdad entfernt liegt.

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