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Politik

Irakische Extremisten drohen mit Ermordung deutscher Geiseln

Die Entführer von zwei im Irak verschleppten Deutschen drohen mit der Hinrichtung ihrer Geiseln, sollte die Bundeswehr nicht binnen zehn Tagen aus Afghanistan abziehen. Ihre Botschaft verkündeten sie im Internet.

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Krisenstab des Auswärtigen Amtes arbeitet auf Hochtouren

Das Video zeigt eine Frau von etwa 60 Jahren, die ein blaues Kopftuch trägt und neben einem dunkelhaarigen jungen Mann sitzt. Beide schauen nicht direkt in die Kamera. Die Frau appelliert in deutscher Sprache an die Bundesregierung, den Forderungen der Geiselnehmer nachzugeben, um ihr Leben und das ihres Sohnes zu retten. Ihre Worte werden mit arabischen Untertiteln wiedergegeben.

Einer der Entführer, die sich "Brigade der Pfeile der Rechtschaffenheit" nennen, verliest in dem Videofilm eine Botschaft. Er fordert den vollständigen Abzug aller deutschen Soldaten aus Afghanistan binnen zehn Tagen. In arabischer Sprache erklärt er: "Wir Muslime sind eine einzige große Nation." Die Muslime in Afghanistan seien ihnen daher genauso nahe wie die Muslime im Irak. Zu Beginn des Videos zeigen die Entführer den Reisepass der Deutschen, auf dem ihr Name deutlich zu erkennen ist.

Das Video ist auf einer islamistischen Internetseite veröffentlicht worden und wurde am Samstag von den Satellitensendern Al Arabija und Al Dschasira ausgestrahlt.

Steinmeier geschockt

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat die Videoaufnahmen als "erschütterndes Dokument" bezeichnet. "Wir schauen natürlich mit Sorge auf das Schicksal der beiden entführten Deutschen", sagte Steinmeier am Samstag nach einer Sitzung des Krisenstabs im Auswärtigen Amt in Berlin unter seiner Leitung.

Der Krisenstab bemühe sich seit viereinhalb Wochen um die Aufklärung des Falles. Dies sei leider bisher nicht gelungen, aber die Bemühungen würden "intensiv fortgesetzt". Nach einer ersten Bewertung der Aufnahmen gingen Experten des Krisentstabs nun daran, "die Analyse des Videos zu verfeinern".

"Wir werden nichts unversucht lassen, um die beiden entführten Deutschen wieder gesund zu ihren Familien zurückzubringen", sagte Steinmeier. Zu Einzelheiten wollte er sich aus Sicherheitsgründen nicht äußern.

Deutsche seit 20 Jahren im Irak

Sechs Männer seien am 6. Februar in die Wohnung der Deutschen in einem überwiegend von Sunniten bewohnten Viertel eingedrungen und hätten die Familie in Schach gehalten, hieß es. Weil die bewaffneten Entführer sehr ruhig agiert und sich mit Anwohnern unterhalten hätten, gingen Sicherheitsexperten davon aus, dass es sich um eine Gruppe mit guten Beziehungen zu lokalen sunnitischen Milizen handele.

Den Mann der Deutschen, einen irakischen Professor, hätten die Kidnapper zurückgelassen. Die im Umland von Berlin geborene Frau lebe seit mehr als 20 Jahren im Irak. Die Entführten besäßen die deutsche und die irakische Staatsbürgerschaft.

Anschlagdrohungen für Deutschland und Österreich

Unterdessen verschärfte das österreichische Verteidigungsministerium nach einer Video-Drohung einer islamistischen Gruppe die Sicherheitsvorkehrungen für seine in Afghanistan stationierten Truppen. In der auf islamistischen Internetseiten verbreiteten Botschaft wurden Österreich und
Deutschland aufgefordert, ihre Soldaten aus Afghanistan abzuziehen.
Das Auswärtige Amt in Berlin wollte zu diesem Video zunächst keine
Stellungnahme abgeben.

Die Botschaft der Gruppe, die sich "Stimme des Kalifat Kanals"
nennt, werde von Experten ausgewertet, hieß es in Wien. Das
österreichische Innenministerium sprach von einer sehr "abstrakten"
Bedrohung, wie es sie "leider öfter" im Internet gebe. Die Videobotschaft sei den Behörden seit Freitagabend bekannt. (stl)

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