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Aktuell Welt

Irakische Armee erobert Tikrit zurück, Kurden-Kräfte kontrollieren Kirkuk

Nach den überraschenden Vorstößen der islamistischen ISIS-Kämpfer ist nun auch von militärischen Erfolgen ihrer Gegner zu hören. Nur eine Verschnaufpause oder schon die Wende?

ISIS-Kämpfer in Tikrit (Foto: Reuters)

Kämpfer der Terrorgruppe ISIS in der Stadt Tikrit

Im Irak hat die Armee die von der Terrorgruppe ISIS (Islamischer Staat im Irak und in Syrien) eroberte Stadt Tikrit nach Medienberichten zurückerobert. Das staatliche Fernsehen meldete, das Militär habe wieder die volle Kontrolle über die zentralirakische Stadt, die am Mittwoch von ISIS-Kämpfern gestürmt worden war. Auch die Nachrichtenseite "Al-Sumaria News" meldete unter Berufung auf die Polizei, die gesamte Stadt sei nach gewalttätigen Auseinandersetzungen wieder unter Kontrolle der Armee.

Die irakische Luftwaffe hat damit begonnen, Ziele in und um Mossul zu bombardieren, wie das staatliche Fernsehen meldete. Die Millionenstadt war als erste von den ISIS-Dschihadisten eingenommen worden.

Kurdische Sicherheitskräfte konnnten zudem die Stadt Kirkuk unter ihre Kontrolle bringen, wie einer ihrer Sprecher mitteilte. Die irakische Armee hatte zuvor die Öl-Stadt im Norden des Landes aufgegeben. Kein irakischer Soldat befinde sich mehr in Kirkuk, so der Sprecher weiter.

Der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki (Foto: AFP/Getty Images)

Der Hauptfeind der ISIS-Kämpfer: der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki

Aufständische umgehen Samarra

Dagegen gelang es den aufständischen Dschihadisten, die 90 Kilometer nördlich von Bagdad gelegene Stadt Dhuluijah zu erobern, wie übereinstimmend ein Stadtrat, die Polizei und Augenzeugen berichteten. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen kontrollieren die sunnitischen Kämpfer auch Teile der Kleinstadt Udhaim. ISIS-Sprecher Abu Mohammed al-Adnani kündigte an, die Aufständischen würden weiter auf Kerbela und nach Bagdad vorrücken.

Die ISIS-Einheiten umgingen bei ihrem Vormarsch die Stadt Samarra, nachdem sie am Mittwoch mit dem Versuch gescheitert waren, die Stadt zu erobern. Zwar leben in Samarra vorwiegend Sunniten, aber in der Stadt befindet sich eine heilige Stätte der Schiiten. Als Fundamentalisten 2006 einen Anschlag auf diesen Schrein verübten, entwickelte sich daraus ein blutiger Konflikt zwischen Schiiten und Sunniten, in dessen Verlauf zehntausende Iraker getötet wurden.

Türkei erwägt Militäreinsatz gegen Islamisten im Irak

Iraks Regierungschef Nuri al-Maliki ist am Donnerstag vorerst mit dem Versuch gescheitert, zur Bekämpfung des Dschihadisten-Aufstands den Ausnahmezustand ausrufen zu lassen. Zur angesetzten Parlamentssitzung zur Abstimmung über die Maßnahme erschienen einem hohen Regierungsmitglied zufolge nur 128 von 325 Abgeordneten. Damit sei das notwendige Quorum nicht erreicht worden, sagte ein weiterer Offizieller. Die Sitzung sei abgebrochen worden.

Der UN-Sicherheitsrat will nach Diplomatenangaben um 17.30 Uhr MESZ hinter verschlossenen Türen über die Lage im Irak beraten. Der UN-Gesandte Nickolay Mladenow soll das Gremium demnach über die Entwicklung informieren.

Bei ihrer Blitzoffensive hatten die Dschihadisten in den vergangenen Tagen die Millionenstadt Mossul eingenommen. Hunderttausende Iraker flohen vor den Kämpfen. Die Türkei prüft die rechtlichen Voraussetzungen für einen Militäreinsatz im Nachbarland nach der Geiselnahme von etlichen Staatsbürgern. Das Parlament hat die Regierung in Ankara dazu ermächtigt, das Militär gegen kurdische Rebellen im irakischen Grenzgebiet einzusetzen.

Die Türken waren in den vergangenen Tagen von Kämpfern der Islamistengruppe ISIS verschleppt worden. Bei einem Angriff auf das türkische Konsulat in Mossul wurden am Mittwoch 49 Menschen verschleppt, darunter der Konsul mit seiner Familie sowie Spezialeinsatzkräfte der Armee. Bereits am Dienstag hatten die Islamisten 31 türkische Lastwagenfahrer in der zweitgrößten irakischen Stadt entführt, diese aber bereits wieder freigelassen. Außenminister Ahmet Davutoglu drohte mit Vergeltung, sollte den Geiseln etwas zustoßen. Die NATO hatte auf Antrag der Türkei über die Entwicklung im Irak beraten.

sti/pg (afp, dpa)