Irak verhängt Todesstrafe gegen Türkinnen wegen IS-Mitgliedschaft | NRS-Import | DW | 25.02.2018
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Justiz im Irak

Irak verhängt Todesstrafe gegen Türkinnen wegen IS-Mitgliedschaft

Seitdem der Irak den "Islamischen Staat" für besiegt erklärt hat, werden ehemalige IS-Kämpfer verurteilt. Auch deren Frauen sind im Visier der Justiz. Jetzt wurden erneut Urteile gesprochen.

Ein Strafgericht in der irakischen Hauptstadt Bagdad hat etliche türkische Frauen wegen Mitgliedschaft in der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) zum Tode verurteilt. Die Nachrichtenagentur AFP spricht von 15, die Agentur Reuters von 16 verurteilten Frauen. Eine weitere türkische Angeklagte wurde zu lebenslanger Haft verurteilt, wie ein Justizsprecher mitteilte. Alle Angeklagten hätten gestanden. Vier der schwarz gekleideten Frauen seien von kleinen Kindern begleitet gewesen.

Berufung innerhalb eines Monats möglich

Die zwischen 20 und 50 Jahre alten Frauen gestanden demnach, illegal in den Irak gekommen zu sein, um sich dort ihren Männern, IS-Kämpfern, anzuschließen. Eine Frau habe ausgesagt, an der Seite der Dschihadisten gegen irakische Einheiten gekämpft zu haben. Die Frauen haben nach Gerichtsangaben einen Monat Zeit, um gegen die Urteile in Berufung zu gehen.

In der vergangenen Woche hatte eine andere Gruppe ausländischer Witwen von IS-Kämpfern vor Gericht angegeben, ihre Männer hätten sie getäuscht oder bedroht, damit sie in den Irak kommen.

Syrien Frau und Kind eines vermeintlichen IS Kämpfers in Rakka (Getty Images/AFP/B. Kilic)

Viele Frauen ehemaliger IS-Kämpfer geben an, angeblich getäuscht worden zu sein (Archivbild)

Auch Deutsche verurteilt

Vergangenes Jahr wurden im Irak 106 Menschen hingerichtet, die meisten von ihnen wegen "Terrorismus". Laut Artikel 4 des Anti-Terror-Gesetzes droht jedem die Todesstrafe, der Terrorakte verübt, plant, finanziert, unterstützt oder dazu anstachelt.

Nicht nur Iraker werden verurteilt, sondern auch Ausländer. So wurde im Januar eine Deutsche aus Mannheim mit marokkanischen Wurzeln wegen IS-Mitgliedschaft zum Tod durch Erhängen verurteilt. Ein weiteres Todesurteil wurde im Februar gegen eine Türkin ausgesprochen. Nach Expertenschätzungen sitzen im Irak derzeit rund 20.000 Menschen wegen angeblicher IS-Mitgliedschaft im Gefängnis. Unter ihnen sollen auch rund 560 Frauen sein.

Die IS-Miliz hatte im Juni 2014 ein "Kalifat" in großen Teilen Syriens und des Irak ausgerufen, nachdem sie in einer Blitzoffensive die irakische Armee und kurdische Einheiten bis vor Erbil und Bagdad zurückgedrängt hatte. Seit 2015 befanden sich die Dschihadisten aber auf dem Rückzug, nacheinander wurden sie aus den von ihnen eingenommenen Städten vertrieben. Im vergangenen Dezember erklärte der irakische Ministerpräsident Haider al-Abadi den IS für militärisch besiegt. Einzelne IS-Zellen sind jedoch weiter im Land aktiv.

as/jj (afp, rtre)