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Aktuell Welt

Irak: Verübten Soldaten Massaker an Häftlingen?

Im Irak häufen sich die Berichte über Gräueltaten. In den Fokus geraten auch Sicherheitskräfte der Regierung. Sie sollen Hunderte sunnitische Gefangene getötet haben, viele von ihnen auf grausame Weise.

So beschuldigt die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) irakische Sicherheitskräfte und mit ihnen verbündete Schiitenmilizen der Hinrichtung von mehr als 250 sunnitischen Gefangenen.

Racheakte für frühere Hinrichtungen

Die Massenexekutionen hätten seit dem 9. Juni offenbar aus Rache für Hinrichtungen von Soldaten durch sunnitische Dschihadisten stattgefunden, erklärte die in New York ansässige Organisation. Das Vorrücken der Dschihadisten habe die Täter schließlich in die Flucht geschlagen. Möglicherweise sei auch der Tatbestand der Kriegsverbrechen oder Verbrechen gegen die Menschlichkeit erfüllt.

Die "Gräueltaten" der radikalsunnitischen Gruppe Islamischer Staat (IS), die sich zum besagten Zeitpunkt noch Islamischer Staat im Irak und in Großsyrien (ISIS) nannte, dürften nicht die Massaker von Regierungskräften vergessen lassen, hieß es weiter. Human Rights Watch verfüge über Dokumente, denen zufolge im vergangenen Monat in Mossul, Tal Afar, Bakuba, Dschumarche und Rawa Gefangene massakriert wurden. In einem Fall hätten die Täter zahlreiche Gefangene bei lebendigem Leib verbrannt, in zwei weiteren Fällen hätten sie Granaten in Gefängniszellen geworfen. Die Organisation forderte eine internationale Untersuchung der Vorfälle.

Das Land droht in drei Teile zu zerbrechen

Die sunnitischen IS-Milizen haben in den vergangenen Wochen weite Gebiete unter ihre Kontrolle gebracht und das Land in eine schwere Krise gestürzt. So droht der Irak inzwischen in drei Gebiete zu zerfallen: Die autonome Kurdenregion im Norden, einen schiitischen Teil im Süden, der noch unter der Kontrolle der Zentralregierung ist, und das Gebiet des radikal-sunnitischen Islamischen Staates, der ein länderübergreifendes Kalifat im Irak und im benachbarten Syrien ausgerufen hat.

Nuri al-Maliki Ministerpräsident Irak, Foto: reuters

Er gewann zwar die Wahl, das Land droht ihm aber aus den Händen zu gleiten: Iraks Regierungschef al-Maliki

Kurdische, sunnitische aber auch schiitische Politiker werfen Regierungschef Nuri al-Maliki vor, den Konflikt durch die Diskriminierung von Sunniten erst möglich gemacht zu haben. Rücktrittsforderungen aus dem eigenen Land, aber auch von Seiten der USA werden lauter. Maliki, dessen Partei bei der Parlamentswahl im April stärkste Kraft wurde, beharrt jedoch auf einer dritten Amtszeit und lehnt einen Rücktritt kategorisch ab.

Kurden besetzen Ölfelder

Dabei hat sich zuletzt insbesondere der Machtkampf zwischen dem irakischen Ministerpräsidenten und den Kurden zugespitzt. In der Autonomieregion im Norden des Landes brachten die Kurden zwei weiter Ölfelder unter ihre Kontrolle. Nach Angaben des Ölministeriums in Bagdad übernahm die kurdische Peschmerga-Armee die Kontrolle über die Industrieanlagen in Bai Hassan sowie ein weiteres Ölfeld nahe der Stadt Kirkuk. In beiden Anlagen werden derzeit rund 400.000 Barrel (1 Barrel = 159 Liter) Rohöl pro Tag gefördert.

haz/re ( afp, dpa)