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Nahost

Irak: Trauer um die Opfer, Suche nach Verantwortung

Fast 1000 Menschen sind am 31. August bei einer Massenpanik in Bagdad getötet worden. Schiiten und Sunniten schieben sich gegenseitig die Verantwortung für die Katastrophe zu.

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Verzweiflung in Bagdad

Unglück über dem Tigris, Bagdad, Irak

Mindestens 953 Menschen ums Leben gekommen und 815 weitere verletzt worden, gab das Innenministerium am Morgen nach der Tragödie bekannt. Es wird jedoch damit gerechnet, dass die Zahl der Opfer auf über 1000 steigt, denn zahlreiche Verletzte befinden sich in kritischem Zustand.

Die Menschen waren auf dem Weg zu einem Fest in einer Moschee im Norden von Bagdad, als Gerüchte aufkamen, es habe sich ein Selbstmordattentäter unter die Menge gemischt. Krankenhausärzte und Augenzeugen berichteten, die meisten Menschen seien im Gedränge erstickt oder zu Tode gequetscht worden. Viele Menschen wurden auf einer Tigris-Brücke zu Tode getrampelt. Zahlreiche der schiitischen Pilger versuchten, sich durch einen Sprung in den Tigris zu retten und ertranken.

Drohende Eskalation

Bagdad Irak trauert um Tote der Massenpanik

Bagdad trauert um Tote der Massenpanik

Der irakische Ministerpräsident Ibrahim al Dschaafari, selbst ein Schiit, ordnete eine dreitägige Staatstrauer an. Nach dem Vorfall droht jedoch eine Eskalation der ohnehin großen Spannungen zwischen Sunniten und Schiiten im Irak. Die Regierung und ranghohe Schiiten lasteten das Unglück irakischen Rebellen an, die gezielt Gerüchte über ein bevorstehendes Selbstmordattentat und damit die Panik verbreitet hätten. Der schiitische Innenminister Bajan Dschabor warf sunnitischen Aufständischen vor, das Gerücht über die Selbstmordattentäter gestreut zu haben. Dagegen sagte der sunnitische Verteidigungsminister Saadun al-Dulaimi, die Panik habe nichts mit dem Volksgruppen-Konflikt zu tun.

Die Suche nach den Verantwortlichen

Einige Augenzeugen machten eine schlechte Organisation für die hohe Totenzahl verantwortlich. Gesundheitsminister Ali forderte die Minister für Inneres und Verteidigung wegen der mangelhaften Sicherheitsvorkehrungen bei der Wallfahrt auf, "die volle Verantwortung zu übernehmen, selbst wenn dies den Rücktritt bedeuten sollte".

Am Morgen des 31. August waren hunderttausende Gläubige zur Grabmoschee des Imams Mussa al Kadim gepilgert, dessen Todestag im Jahre 799 alljährlich begangen wird. Die Lage war äußerst gespannt, weil die Umgebung des Heiligtums kurz zuvor mit Mörsern und Raketen beschossen worden war. Dabei wurden mindestens sieben Menschen getötet und etwa 40 verletzt.

In der Vergangenheit wurden schiitische Feste im Irak mehrfach von sunnitischen Extremisten angegriffen. Der bislang schwerste Zwischenfall ereignete sich am 2. März 2004: Bei Bombenanschlägen auf schiitische Moscheen in Kerbela und Bagdad kamen an einem Tag mindestens 181 Menschen ums Leben. (sams)