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Aktuell Europa

Irak: Aus britischer Sicht ein voreiliger Krieg

Politiker haben in Großbritannien gerade ohnehin keinen leichten Stand. Nun kommt eine Kommission in London zu dem Ergebnis, dass der vieldiskutierte Feldzug im Irak eine Fehlentscheidung war. Am Pranger: Tony Blair.

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Irak-Krieg: Blair in Bedrängnis

Eine voreilige Entscheidung und nicht die ultimativ letzte Möglichkeit - so lautet das Urteil der sogenannten Chilcot-Kommission, die sich mit der britischen Rolle im Irak-Krieg beschäftigt hat. Das nach dem Karriere-Diplomaten John Chilcot benannte Gremium, das vor sieben Jahren eingesetzt worden war, legte in London seinen Bericht vor. Darin wird unter anderem die Entscheidung der damaligen Regierung unter Premierminister Tony Blair zur Beteiligung an der US-geführten Invasion 2003 als übereilt kritisiert.

Die politische Weichen seien gestellt worden, noch bevor alle "friedlichen Optionen für eine Entwaffnung" des Irak unter Machthaber Saddam Hussein ausgeschöpft worden seien, sagte der Kommissionsvorsitzende Chilcot. Blair habe dem damaligen US-Präsident George W. Bush bereits 2002 unter allen Umständen die Unterstützung Großbritanniens zugesichert. Zudem seien die Pläne für die Nachkriegszeit "völlig unzureichend" gewesen.

Die Invasion in den Irak 2003 war heftig umstritten, weil sie nicht durch ein klares Mandat des UN-Sicherheitsrats gedeckt war. Angebliche Massenvernichtungswaffen des damaligen irakischen Machthabers Saddam Hussein wurden nie gefunden. Bereits 2004 kam ein britischer Bericht zu dem Schluss, dass Blair die "Beweise" der Geheimdienste für angebliche Massenvernichtungswaffen im Parlament aufbauschte.

Sir John Chilcot, Untersuchungsausschuss zum Irak

Der Aufklärer: Sir John Chilcot

Blair: "In gutem Glauben"

Der ehemalige britische Premierminister Tony Blair verteidigte die britische Beteiligung am Irak-Krieg. Er habe die Entscheidung "in gutem Glauben" getroffen, erklärte Blair. Er sei überzeugt gewesen, im "besten Interesse des Landes" zu handeln. "Dieser Bericht sollte Vorwürfe der Böswilligkeit, Lügen oder Täuschung endgültig ausräumen", schrieb der frühere Labour-Politiker in einer Erklärung. "Ich werde für alle Fehler die volle Verantwortung übernehmen, ausnahmslos und ohne Ausrede."
Der scheidende Premierminister David Cameron erklärte, es müssten Lehren aus den Fehlern gezogen werden. Soldaten dürften nur als "letztes Mittel" und nach ausführlicher Beratung in den Krieg geschickt werden. Es sei "inakzeptabel" gewesen, britische Truppen 2003 ohne angemessene Ausrüstung in den Irak zu entsenden.
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Welche Verantwortung trägt Blair? Birgit Maaß berichtet aus London

Um die Frage der Rechtmäßigkeit ging es in dem Kommissionsbericht nicht, er gilt allerdings als eine Art Ohrfeige für die britische Politik. Mehr als 120 Zeugen hörte das Gremium seit 2009 an, darunter Ex-Premierminister Blair und seinen Nachfolger Gordon Brown, außerdem Minister, Geheimdienst- und Armeechefs.

179 gefallene britische Soldaten

Von rund 46.000 britischen Soldaten, die im Irak eingesetzt waren, starben 179. Während des Krieges und der anschließenden Konflikte wurden darüber hinaus zehntausende Iraker getötet.

Bis heute wird der Irak von Gewalt erschüttert. Die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) konnte seit dem Sommer 2014 weite Teile des Landes unter ihre Kontrolle bringen. Zwar wurde sie zuletzt militärisch stark zurückgedrängt, mit Anschlägen verbreitet sie dennoch weiterhin Angst und Schrecken. Erst in der Nacht zum Sonntag waren bei einem Selbstmordanschlag in der irakischen Hauptstadt mehr als 200 Menschen getötet und mindestens ebenso viele Menschen verletzt worden.

ml/nin/kle (afp, ap)

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