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Sport

IOC trauert um Ex-Präsident Samaranch

Der frühere Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, Juan Antonio Samaranch, ist im Alter von 89 Jahren gestorben. Der Spanier galt als herausragende Führungspersönlichkeit, war aber auch umstritten.

Porträt Ex-IOC-Chef Juan Antonio Samaranch. Foto: AP

Juan Antonio Samaranch

Olympische Flagge am IOC-Sitz in Lausanne auf Halbmast. Foto: AP

Olympische Flagge am IOC-Sitz in Lausanne auf Halbmast

"Mein Vater ging von uns, ohne zu leiden", sagte Juan Antonio Samaranch junior, der mit seiner Schwester dabei war, als der frühere IOC-Chef in einem Krankenhaus in Barcelona starb. Der 89-Jährige habe sich am Sonntag plötzlich unwohl gefühlt. 20 Minuten nach Eintreffen im Krankenhaus, so sein Sohn, habe Samaranch einen Atem- und Herzstillstand erlitten. Die Ärzte hätten ihn zwar am Leben halten können. Er habe aber bis zu seinem Tod an diesem Mittwoch (21.04.2010) das Bewusstsein nicht mehr zurückerlangt.

Rollhockey-Torwart und Franco-Anhänger

Juan Antonio Samaranch gilt als eine der größten Führungspersönlichkeiten in der Geschichte des Internationalen Olympischen Komitees, der allerdings auch umstritten war. Samaranch wurde am 17. Juli 1920 in Barcelona als Sohn eines reichen Textilunternehmers geboren. Er besuchte in der katalanischen Metropole die Deutsche Schule und studierte in England und den USA Betriebswirtschaft. Samaranch schaffte es als Rollhockey-Torhüter bis in die Nationalmannschaft des Landes und wurde später auch Rollhockey-Nationaltrainer. Schon während des Studiums engagierte sich Samaranch auch politisch. Er war ein Anhänger des spanischen Diktators Francisco Franco (1892-1975), der sowohl die politische als auch die Sportfunktionärs-Karriere des Katalanen förderte. So berief Franco Samaranch zum Leiter der Behörde für Sport und Körpererziehung.

Gegner des Olympiaboykotts

1966 wurde Samaranch Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees. In den folgenden Jahren baute er seine Stellung in der Organisation immer weiter aus, stieg zum stellvertretenden IOC-Chef auf und wurde schließlich 1980 in Moskau zum Vorsitzenden gewählt. Der Spanier hatte sich im IOC als Gegner des Olympiaboykotts profiliert, während andere Kandidaten wie z.B. der Deutsche Willi Daume durch die Abwesenheit ihrer Länder bei den Spielen ihre Chancen eingebüßt hatten. 64 Staaten boykottierten wegen des Einmarsches der Sowjets in Afghanistan die Sommerspiele in Moskau.

Samaranch auf einer Großbildleinwand beim IOC-Kongress 1999. Foto: AP

21 Jahre lang ging im Internationalen Olympischen Komitee nichts ohne Juan Antonio Samaranch

Vermarkter der Spiele

Als IOC-Präsident gelang es Juan Antonio Samaranch, die Olympischen Spiele zu modernisieren. In den 21 Jahren, in denen der Spanier an der Spitze der Organisation stand, öffnete sich die olympische Bewegung für Profisportler. Die Spiele wurden nun gezielt und erfolgreich vermarktet. Das IOC wandelte sich zu einem gewinnorientierten Führungsgremium. Allein rund elf Milliarden Dollar kassierte die Organisation unter Samaranch für den Verkauf von Fernseh- und Marketingrechten. "Man kann Samaranch nicht vorwerfen, dass er die Spiele vermarktet hat. Vorwerfen kann man ihm, in welcher Geschwindigkeit er das tat, für was er das Geld ausgegeben und welchen Wert er ihm beigemessen hat", sagte einmal Willi Daume.

Korruptionsskandal überdauert

In die Ära Samaranch fiel auch die schwerste Krise des IOC, der Korruptionsskandal um die Vergabe der Winterspiele 2002 an Salt Lake City in den USA. Sechs IOC-Mitglieder wurden wegen Bestechlichkeit ausgeschlossen. Samaranch selbst wurde heftig kritisiert, führte das IOC aber auch anschließend weiter. Erst am 16. Juli 2001, einen Tag vor seinem 81. Geburtstag, gab er nach Ablauf seiner vierten Amtszeit den Vorsitz an den Belgier Jacques Rogge ab. Nur der Franzose Pierre de Coubertin, der Begründer der Olympischen Spiele der Neuzeit, war länger IOC-Präsident als Samaranch.

"Herausragende Persönlichkeit"

IOC-Chef Rogge bei einer Pressekonferenz. Foto: AP

Rogge: Samaranch hat mich persönlich inspiriert

"Wir finden keine Worte, um das Leid der Olympischen Familie auszudrücken", erklärte IOC-Chef Rogge. "Ich bin persönlich sehr traurig über den Tod des Mannes, der die neue Ära der Olympischen Spiele einleitete, mich persönlich inspiriert hat und solche unglaublichen Kenntnisse über den Sport hatte." Vizepräsident Thomas Bach, dem gute Chancen eingeräumt werden, nächster IOC-Präsident zu werden, bezeichnete Samaranch als "herausragende Führungspersönlichkeit des Sports". Er habe die olympische Bewegung "konsequent modernisiert und zu neuen Höhen geführt". Ein großer Wunsch Samaranchs aus seinen letzten Lebensjahren erfüllte sich übrigens nicht: Madrid scheiterte bei den Bewerbungen um die Ausrichtung der Sommerspiele 2012 und 2016.

Autor: Stefan Nestler
Redaktion: Calle Kops

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