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Fokus Osteuropa

Investoren geben Kroatien schlechte Noten

Für Kroatien ist Österreich der wichtigste ausländische Anleger. Einer Umfrage zufolge sind jedoch die österreichischen Firmen vor Ort äußerst unzufrieden mit den Rahmenbedingungen für ihre Geschäftstätigkeit.

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Aufwendige Bürokratie schreckt Anleger

Seit 1993 hat die österreichische Wirtschaft drei Milliarden Euro in Kroatien investiert. Mit einem Anteil von 22 Prozent an Auslandsinvestitionen ist Österreich der größte Anleger in diesem Land. Rund 600 österreichische Unternehmen sind in Kroatien tätig. Jedes Dritte hat an der Umfrage teilgenommen, die kürzlich die österreichische Wirtschaftskammer durchführte. Die befragten Unternehmen sollten Kroatien zu den Geschäftsbedingungen beurteilen und entsprechende Schulnoten vergeben.

Zahlungsmoral bemängelt

Besonders unzufrieden sind die österreichischen Unternehmen wegen der Korruption, der Lage in der Justiz, aufwendiger Bürokratie mit langwierigen und komplizierten Genehmigungsverfahren und der unzureichenden Zahlungsmoral der kroatischen Geschäftspartner. In diesen Bereichen hat Kroatien nur die Note ausreichend erhalten. Schlechte Noten sind umso schlimmer, weil Investoren und Geschäftsleute diese Felder für ausgenommen wichtig erachten. Im Vergleich zu früheren Umfragen hat zudem die Zahl der Unternehmen stark abgenommen, die mit einer Veränderung der Rahmenbedingungen für die Geschäftstätigkeit und Investitionen in Kroatien rechnen.

Schlechte Prognosen für Wirtschaftsstandort

Nahezu die Hälfte der Befragten gibt Kroatien als Wirtschaftsstandort ein befriedigend. 40 Prozent der Unternehmen beurteilt die Lage dagegen als schlecht oder ungenügend. Betrachte man Kroatien als EU-Kandidatenland, sei es im Vergleich zu den übrigen osteuropäischen Ländern stark zurückgefallen, erklärt der Vertreter der österreichischen Wirtschaftskammer in Zagreb, Peter Haslacher. "Wir hatten eine EU-Erweiterung 2004 und noch eine weitere 2007. Dieses Ereignis hat die betroffenen Länder in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gestellt. Dies hat zu enormen Vorteilen für die neuen Mitglieder geführt – sei es in der Gesetzgebung oder in praktischen Fragen – es ist einfacher geworden, in diesen Ländern zu arbeiten, rechtlichen Schutz und auch Recht zu bekommen." Zudem hätten sich die Märkte in den neuen Mitgliedsländern sehr dynamisch entwickelt. "So haben wir in der Slowakei ein Wirtschaftswachstum von acht Prozent, ähnlich verhält es sich in Rumänien und Bulgarien. Das sind sehr starke Argumente dafür, in diesen Ländern zu investieren", erklärt Haslacher. Das Wirtschaftswachstum in Kroatien beträgt dagegen rund vier Prozent.

Besserung nicht in Sicht

Dessen ungeachtet hat die Umfrage ergeben, dass inländische Unternehmen in Kroatien einen sehr guten Umsatz verzeichnen. Schließlich beurteilen auch mehr als 80 Prozent der Unternehmen ihre Lage in Kroatien als gut bis sehr gut. Im Vergleich zum Vorjahr ist indes der Reingewinn gesunken. "Der Umsatz steigt, der Gewinn ebenso, aber auch die Kosten steigen. Somit bleibt bleibt dem Unternehmen am Ende weniger übrig. Die Schere klafft immer weiter auseinander, und die Lage auf dem Markt verschärft sich. Außerdem haben sich die Rahmenbedingungen für eine Geschäftstätigkeit in Kroatien in den vergangen Jahren nicht wesentlich verändert", meint Haslacher. Eine Verbesserung sei auch nicht zu erwarten. Im Herbst finden Parlamentswahlen in Kroatien statt. Und bekanntermaßen ist ein Wahljahr – nicht nur in Kroatien – kein günstiger Zeitpunkt, um schmerzhafte Reformen durchzuführen.

Alen Legovic
DW-RADIO/Kroatisch, 15.3.2007, Fokus Ost-Südost

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