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Wirtschaft

Investitionen am Hindukusch

Gelingt Afghanistan der Weg in die Marktwirtschaft? Nach über zwanzig Jahren Krieg und Misswirtschaft liegt die Ökonomie des Landes am Boden. Es müssen wirtschaftspolitische Weichen gestellt werden - mit deutscher Hilfe.

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Die Läden sind voll, doch die Geschäfte gehen schlecht

Der Wirtschaftsexperte Stephan Kinnemann berät seit Juli 2002 im Auftrag der deutschen Bundesregierung den afghanischen Präsidenten Hamid Karsai und dessen Regierung bei den drängenden wirtschaftspolitischen Entscheidungen. Wenn er nicht gerade im Flugzeug nach Kabul sitzt, geht er in den deutschen Großstädten auf Promotion-Tour. Das Ziel: deutsche Privatinvestoren für Afghanistan zu gewinnen.

Denn am Hindukusch, wo jahrelange Misswirtschaft und Krieg alles zerstört haben, lockt nun ein lukrativer Markt: Sei es im Energiebereich, im Straßenbau, in der Nachrichtentechnik oder im Gesundheitswesen - es fehlt an allem. Und tatsächlich: Die deutsche Unternehmerschaft ist neugierig geworden.

Instabilität als Risikofaktor

Viele Unternehmer wollen sich über die Investitionschancen und auch die Verkaufschancen in Afghanistan informieren. Die Chance für deutsche Unternehmen ist überproportional gut, meint Kinnemann, weil es eine traditionelle lang andauernde Freundschaft zwischen Deutschland und Afghanistan gibt und deutschen Unternehmen ein ungeheuer positives Vorverständnis entgegen gebracht wird.

Aber die politische Lage in Afghanistan bleibt instabil. Ein Risikofaktor, vor dem viele ausländische Investoren zurückschrecken. Zwar soll das militärische Sicherheitskorsett der UN-Streitkräfte die Stabilität im Lande sichern. Doch eigenwillige Provinzherren leisten Widerstand gegen die Regierung in Kabul.

Zwar versucht die afghanische Regierung, die sogenannten Warlords einzubinden. Aber es ist ein langer Weg bis Waffenschmuggel, Waffenverkauf, aber auch Drogenhandel kein Thema mehr sind. Trotzdem ist der Düsseldorfer Ökonom optimistisch, weil "in einigen Bereichen des Landes, nicht nur in Städten, sondern auch in den Provinzen, bereits Ruhe herrscht und insofern der Wiederaufbau sich vollziehen kann, während es in anderen Bereichen eben noch kritisch ist."

Selbstbewusste Eigeninitiative

Ob Afghanistans wirtschaftlicher Aufbau gelingt, hängt in großem Maße auch von der Stabilität in der gesamten Region ab. Ein Militärschlag gegen den Irak könnte den Frieden in den Nachbarländern und nicht zuletzt den Frieden in Afghanistan selbst bedrohen. Dies wäre ein Rückschlag für alle bisherigen Anstrengungen von Präsident Karsai, die Weichen auf Marktwirtschaft zu stellen.

Dabei hat die afghanische Regierung unter Stephan Kinnemanns Federführung ein attraktives Investitionsgesetz für ausländisches Kapital auf den Weg gebracht. Auch wird demnächst in Kabul eine Beratungsagentur für investitionsfreudige Unternehmer aus dem Ausland eröffnet. Gerade in dieser selbstbewussten Eigeninitiative sieht Kinnemann langfristig die Chance für Afghanistans wirtschaftliche Zukunft.

Gerade weil es voll auf die privatwirtschaftliche Karte setzt, unterscheidet Afghanistan sich von vielen anderen Entwicklungsländern. Außerdem sind die Afghanen nach Ansicht des Wirtschaftsexperten absolut aufbauwillig und kriegsmüde. Bleibt die Lage stabil, könnte Afghanistans Wirtschaft laut Kinnemann in zehn bis 15 Jahren auf eigenen Beinen stehen.

Um diesem Ziel näher zu kommen, wird der Düsseldorfer Unternehmensberater in den kommenden Monaten noch viele Gespräche führen müssen - in Deutschland und in Kabul.