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Wirtschaft

Investieren in Afrika - warum nicht?

Afrika hat etwas, was der Rest der Welt dringend braucht: Rohstoffe. Die Wirtschaft boomt, aber auch die Armut. Was können deutsche Unternehmen leisten, damit das Wachstum bei den Menschen ankommt?

Fragt man Christine Nkulikiyinka, Botschafterin der Republik Ruanda in Deutschland, nach ihren Wünschen an die deutsche Wirtschaft, dann bekommt man eine ganz klare Antwort: "Ich glaube es ist kein Geheimnis, dass die deutsche Wirtschaft in Afrika noch sehr abwesend ist und wir wünschen uns natürlich ein viel stärkeres Engagement." Die Qualität der deutschen Wirtschaft und ihre Zuverlässigkeit seien groß und davon könnten die afrikanischen Staaten sehr profitieren. "Deutsche Unternehmen wären bei uns sehr willkommen, aber sie kommen nicht!", klagt Nkulikiyinka.

Es ist vor allem der schlechte Ruf Afrikas, der deutsche Unternehmer zögern lässt. Korrupte Regierungen und Verwaltungen, fehlende Rechtssicherheit – wer will in einem solchen Umfeld schon Geschäfte machen? So pauschal könne der afrikanische Kontinent inzwischen aber nicht mehr beurteilt werden, wendet Alt-Bundespräsident Horst Köhler ein, der sich sehr für Afrika engagiert. "In Afrika haben die Leute inzwischen begriffen, dass es auf sie selbst ankommt."

Die Wirtschaft boomt

Die politische Demokratisierung stabilisiere sich, die Regierungsführung werde eindeutig besser. "Korruption ist weiterhin ein riesiges Krebsgeschwür, aber das Bewusstsein, dass das mit der Korruption für Afrika und seine Menschen nicht gut ist, wächst in Afrika selber." Die Afrikaner, so bemerkt Köhler, seien auch sehr viel selbstbewusster geworden. "Die wissen, dass die anderen, die reichen Länder Afrika brauchen."

Denn Afrika hat etwas, was der Rest der Welt unbedingt haben will: Rohstoffe. China hat das schon lange erkannt und investiert fleißig auf dem schwarzen Kontinent. Bei den Afrikanern wächst inzwischen allerdings das Bewusstsein, dass ihre Zukunft nicht alleine darin liegen kann, dem Rest der Welt Zugang zu begehrten Bodenschätzen einzuräumen. Viel wichtiger ist die Umwandlung von Rohstoffen in Produkte, also der Herstellungsprozess, denn das ist die eigentliche Wertschöpfung. Das müsse in Afrika selbst geschehen, fordert Horst Köhler, denn nur so könnten Arbeitsplätze für die junge Bevölkerung entstehen. An diesem Punkt sieht der Alt-Bundespräsident durchaus Ansatzpunkte für die deutsche Wirtschaft. "Für diesen sich entwickelnden Wertschöpfungsprozess höherer Kategorie in Afrika ist eben die deutsche Fähigkeit zu organisieren, das Ingenieurwesen, Straßenbau und vieles andere überdurchschnittlich im Ruf und da haben wir eine große Chance."

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vor einer Afrika-Karte. Foto: Tim Brakemeier dpa/lbn +++(c) dpa - Report+++

Auch Deutschland ist an den afrikanischen Rohstoffen interessiert

Deutsche Unternehmer zu zögerlich?

Deutsche Investitionen in Afrika seien für beide Seiten ein Gewinn, so Köhler. Erst kürzlich hat der Alt-Bundespräsident ein Treffen von deutschen und afrikanischen Unternehmern organisiert. Auf dieser Ebene ließen sich Geschäftsbeziehungen am besten anbahnen, meint er. Bei dem Treffen habe ein afrikanischer Unternehmer gesagt, die Deutschen seien leider immer so zögerlich. Sie würden zu perfekte Rahmenbedingungen erwarten und dadurch Chancen versäumen.

Blickt man auf die Statistik, dann bietet Afrika auf lange Sicht tatsächlich mehr wirtschaftliches Potenzial als andere Regionen dieser Welt. Sieben Prozent Wachstum pro Jahr werden prognostiziert, das ist mehr, als für China angenommen wird. Vor allem in den Metropolen wächst eine junge, konsumbereite Bevölkerung heran, gut gebildet und international vernetzt. Von diesem Wachstum könne Deutschland aber nur profitieren, wenn es Afrika als gleichberechtigt akzeptiere, sagt der deutsche Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit, Dirk Niebel. Afrika sei nicht der Katastrophenkontinent, sondern ein enormer Chancenkontinent. "Er ist nicht nur derjenige, der von den Industrieländern mal so ein paar Brosamen in Form von Entwicklungshilfe hingeworfen bekommt. Nein, es ist unser Partner."

Ein deutscher Unternehmer, der das Potenzial bereits nutzt, ist Franz-Peter Falke. In Südafrika stellt sein im deutschen Schmallenberg beheimatetes Unternehmen seit 1974 Strumpfwaren her. Mit wachsendem Erfolg, wie Falke berichtet. Rund zwölf Prozent der Gesamtbevölkerung könnten inzwischen zur Mittelklasse gerechnet werden, die mit 37 Prozent zum Gesamtkonsum beitragen würden. "Diese Menschen haben den Wunsch nach persönlicher Lebensart und konsumieren kultivierte Produkte. Aufgrund dessen wächst ein entsprechendes Angebot und das nicht nur in den Metropolen."

Eine Kolonne mit Schrott beladener Lastwagen in Lagos. (Photo by Dan Kitwood/Getty Images)

Stau vor einer Anlage zur Schrottverwertung in Lagos

Vorreiter Südafrika

Etwa 600 deutsche Firmen haben sich bis heute in Südafrika niedergelassen, sie beschäftigen mehr als 90.000 Arbeitsnehmer. Nahezu alle größeren deutschen Unternehmen sind am Kap vertreten, aber auch diverse mittelständische Unternehmen. Einige zählen zu den wichtigsten und modernsten Produktionsbetrieben des Landes. Südafrika ist von strategischer Bedeutung für die Unternehmen, denn von hier aus lässt sich das gesamte südliche Afrika am besten erschließen.

Den Deutschen wird eine hohe Kompetenz vor allem in der Ausbildung beigemessen. Das sei auch in seinen Betrieben in der Nähe von Kapstadt und in Pretoria der Fall, sagt Franz-Peter Falke: "Für uns ist Aus- und Weiterbildung kein Kostenfaktor, sondern eine Investition in die Zukunft."

Dieser Ansatz kommt der deutschen Entwicklungspolitik sehr entgegen. Ein Land könne nicht von außen, sondern nur von innen entwickelt werden, sagt Bundesminister Dirk Niebel. Der Schlüssel dazu sind Aus- und Weiterbildung in Unternehmen, sowie Technologietransfer. Das Afrika-Konzept der Bundesregierung setzt daher auf eine bessere Verzahnung von Außenwirtschaftsförderung und Entwicklungszusammenarbeit. Es werden auch immer mehr Bildungspartnerschaften zwischen Deutschland und afrikanischen Staaten aufgelegt. Die, so sagt Niebel, würden von afrikanischer Seite aus zum Teil hart verhandelt. Das Selbstbewusstsein der Afrikaner sei gewachsen. Sie würden heute selbst formulieren, was sie brauchten und was nicht.

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