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Politik

Invasion von AU-Truppen auf besetzter Komoren-Insel

Auf den Komoren haben Regierungssoldaten und Truppen der Afrikanischen Union (AU) die Rebellen-Insel Anjouan eingenommen. Dort hält ein abtrünniger Oberst mit seiner Miliz die Insel besetzt.

Bewohner der Komoreninsel Anjouan bejubelten die Ankunft der AU-Truppen (Quelle: AP)

Bewohner der Komoreninsel Anjouan bejubelten die Ankunft der AU-Truppen

Explosionen im Morgengrauen, Landungstruppen stürmen über Palmenstrände: Die Afrikanische Union (AU) hat am Dienstag rund 1500 Soldaten auf die Komoren entsandt, einen aus drei Inseln bestehenden Bundesstaat im Indischen Ozean. Von See aus griffen sie die gerade mal 424 Quadratkilometer große Insel Anjouan (Nzwani) an. Ihr Ziel: Den dortigen Machthaber, Oberst Mohammed Bacar, zu stürzen. Der hatte sich 2007 in einer als illegal angesehen Wahl zum Präsidenten küren lassen und die Insel faktisch vom Rest der Komoren abgetrennt.

Die Hauptstadt der Insel Anjouan, Mutsamudu, der wichtigste Hafen und der Flughafen seien unter Kontrolle der Koalitionstruppen, erklärte die komorische Regierung am Dienstagmittag Die Truppen der komorischen Armee und der Afrikanischen Union (AU) seien bei ihrem Einmarsch auf keinen Widerstand gestoßen.

Auch Soldaten aus Tansania sind unter den AU-Streitkräften. Die Lage ist unübersichtlich. (Quelle: AP)

Auch Soldaten aus Tansania sind unter den AU-Streitkräften. Die Lage ist unübersichtlich

An der AU-Intervention sind Tansania, Senegal, Sudan und Libyen beteiligt. Insgesamt stellt die AU 1500 Soldaten, während die Komoren ein Kontingent von rund 400 Soldaten haben. Den ganzen Morgen schon waren im Umkreis von Anjouan Explosionen und Schüsse zu hören. Die Detonationen erfolgten im Abstand von etwa zehn Minuten, sporadisch erschütterte auch Maschinengewehrfeuer die Region, wie Augenzeugen berichteten. Erst am Montag hatte Präsident Ahmed Abdallah Sambi mit einem Militäreinsatz gegen den abtrünnigen Oberst Mohamed Bacar gedroht.

Anjouan ist die südlichste der aus drei Komoreninseln. Der abtrünnige Militäroberst Mohammed Bacar hatte sich 2001 an die Macht geputscht und war 2002 zum Präsidenten der Insel gewählt worden. Seine Wiederwahl 2007 wurde weder von der Komorischen Föderation noch von der AU anerkannt. Bacar hatte sich für mehr Autonomie von der Zentralregierung ausgesprochen, während der komorische Präsident Achmed Abdallah Sambi die Teilautonomie der Inseln aufheben will.

Südafrika hat Vorbehalte

Über derzeitigen Verbleib Bacars gab es zunächst keine Informationen. Der Amtssitz Bacars in der Ortschaft Ouani war verlassen, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Auch über mögliche Opfer lagen keine Angaben vor.

Vorbehalte gegenüber der Militäraktion hatte Südafrika. Dort verstand man nicht so recht, warum man die Muskeln spielen lassen müsse, solange nicht alle diplomatischen Wege erschöpft seien. "Es gibt keine Gewalt, es sind keine Menschenleben zu beklagen, es gibt keine sozialen Spannungen - zu einem gewissen Grad ist es ungewöhnlich, dort militärisch vorzugehen", hatte Tage zuvor Südafrikas Außenministerin Nkosazana Dlamini-Zuma erklärt. Kritiker erhoben den Einwand, wieso die AU im Sudan so zurückhaltend sei, auf dem Mini-Eiland im Indischen Ozean aber auftrumpfe.

Die Lage auf den Komoren ist seit der Unabhängigkeit von der Kolonialmacht Frankreich 1975 von Instabilität und wirtschaftlichem Niedergang geprägt. Mehr als 20 Putschversuche wurden gezählt, vier von ihnen führten zum Sturz der Regierung. Die Inselkette mit rund 630.000 Einwohnern liegt vor Ostafrika zwischen Mosambik und Madagaskar. (stl)

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