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Schauspieler im Gespräch

Interview mit Senta Berger - Februar 2008

"Das Drehbuchschreiben ist zu einer amerikanischen Kunst geworden" - Senta Berger über den Zustand des US-amerikanischen Kinos

Senta Berger am 14.02.96 in Berlin

Senta Berger am 14.02.96 in Berlin

Im April 2011 bekam sie ihren Stern auf dem Berliner "Boulevard der Stars", doch die erste Auszeichnung, mit der die Schauspielerin geehrt wurde, wurde ihr 1965 zuteil. Dazwischen liegen über zwei Dutzend weitere Preise, mit denen die Leistungen von Senta Berger ausgezeichnet wurden – gehört sie doch in die Reihe der beliebtesten Schauspielerinnen Deutschlands.

Der Rausschmiss

Senta Berger in dem Film Die Moral der Ruth Halbfass (1972)

Senta Berger in dem Film "Die Moral der Ruth Halbfass" (1972)

Senta Berger erblickte das Licht der Welt am 13.05.41 in Wien. Sie wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf, jedoch erhielt sie bereist mit sechs Jahren Ballettunterricht bei Rosalia Chladek an der Akademie für Darstellende Kunst in Wien. Mit 16 Jahren wurde sie am Max-Reinhardt-Seminar angenommen und bekam dort Schauspielunterricht. Diese Ausbildung wurde jedoch vorzeitig abgebrochen, denn die junge Adeptin der Schauspielkunst verstieß gegen eine der Regeln der Schule: Senta Berger nahm ein Rollenangebot in dem Film von Anatol Litvak "Die Reise" an – was während der Ausbildung verboten war - und musste nun 1958 das Seminar verlassen. Wohl bemerkt, es war nicht ihre erste Filmrolle. Ein Drei-Jahres-Vertrag am Theater der Josefstadt in Wien folgte noch im gleichen Jahr. Später folgten auch Engagements unter anderem bei den Salzburger Festspielen und am Bugtheater in Wien. Doch nicht das Theater, sondern der Film sollte ihr Hauptmetier werden und zu internationalen Ruhm verhelfen. Zunächst waren es kleinere Rollen, die sie in einigen Filmen übernahm, bis schließlich 1961 der Durchbruch kam. In der Verfilmung des Romans "Es muss nicht immer Kaviar sein" von Johannes Mario Simmel übernahm Senta Berger mit großem Erfolg die Rolle der Juwelendiebin Françoise – der Anfang einer internationalen Karriere war nun gekommen.

Senta Berger bei der Preisverleihung Goldene Kamera Berlin (30.01.10)

Senta Berger bei der Preisverleihung Goldene Kamera Berlin (30.01.10)

Hollywood ruft

Nun kamen weitere Rollenangebote für die Schauspielerin und es sollte nicht ohne Folgen bleiben. Nach einer gelungenen Rolle in der Walt-Disney-Produktion "The Waltz King" kam 1963 auch ein Angebot aus Hollywood: ein 5-Jahres-Vertrag von den Columbia-Studios. Es folgten nun zahlreiche Auftritte in US-Produktionen, in denen Senta Berger an der Seite solcher damaligen Filmgrößen wie Kirk Douglas, Yul Brynner, Richard Widmark oder auch John Huston spielte. "Major Dundee", "Cast a Giant Shadow" oder auch "Marquis de Sade" sind nur einige der Produktionen, an denen sie mitwirkte. Doch die weitere Karriere der Schauspielerin sollte nicht in den USA ihre Fortsetzung finden – Senta Berger zog es wieder nach Europa. Die "Kölnische Rundschau" vom 02.06.70 zitiert sie mit folgenden Worten: "Je länger ich in Amerika lebte, desto mehr sehnte ich mich nach Europa zurück. Ich bin politisch so enttäuscht von diesem Land." Dennoch: es waren Jahre einer internationalen Karriere, die sie zu einem Weltstar machte.

Ein Weltstar wieder in Europa

Senta Berger im Gespräch mit Jochen Kürten

Senta Berger im Gespräch mit Jochen Kürten

Zurückgekehrt nach Europa, begann Senta Berger zunächst in italienischen und französischen Produktionen mitzuwirken. Meist waren es Komödien und Agentenfilme, doch Senta Berger spielte auch Charakterrollen. In solchen Streifen wie "Wer im Glashaus liebt", "MitGift", "Die weiße Rose" oder "Das schreckliche Mädchen" bewies sie immer wieder ihr großes darstellerisches Talent. Auch Wim Wenders und Volker Schlöndorff holten sie vor die Kamera. Zudem war sie immer mehr gefragt im deutschen Fernsehen. Neben verschiedenen Klassikerverfilmungen flimmerten nun unter anderem solche populären Serien über die Bildschirme wie "Kir Royal", in der sie die Freundin des Münchner Klatschreporters Baby Schimmerlos, Mona, spielte, die Serie "Die schnelle Gerdi" über eine Münchner Taxifahrerin, oder auch "Dr. Schwarz und Dr. Martin". Zahlreiche weitere Filmrollen steigerten die Popularität von Senta Berger ins Unendliche. Heute gehört sie zu den populärsten Schauspielerinnen Deutschlands. Ihre Bekanntheit wusste die Schauspielerin immer wieder auch politisch einzusetzen: 1972 unterstützte sie unter anderem Willy Brandt im Wahlkampf und engagierte sich für Abrüstung, Umweltschutz, oder auch die für Abschaffung des § 218. Unter den verschiedenen Funktionen, die sie wahrnimmt, ist Senta Berger Mitglied im Stiftungsrat der Kulturstiftung des Bundes. Sie veröffentlichte auch mehrere Bücher. Die Filmografie von Senta Berger umfasst derzeit nach Angaben der Online-Filmdatenbank über 160 Streifen, an denen sie mitwirkte. So verwundert es auch nicht, dass bei solcher Anzahl von Rollen auch entsprechend groß die Zahl der Auszeichnungen und Preise ist, mit denen sie geehrt wurde. Weit über zwei Dutzend solcher kamen im Laufe der Zeit zusammen. Zuletzt wurde sie im April 2011 mit dem Stern auf dem Berliner "Boulevard der Stars" geehrt.

Im Februar 2008 sprach DW-Redakteur Jochen Kürten mit Senta Berger unter anderem über deutsche und US-amerikanische Spielfilmproduktionen, sowie ihr Engagement für die deutsche Kultur.

Autor: Andreas Zemke

Redaktion: Diana Redlich

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