1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Schauspieler im Gespräch

Interview mit Olga Tschechowa - April 1972

"Stummfilm ist weit schwerer als der Tonfilm" – Olga Tschechowa über ihre Filmkarriere

default

Olga Tschechowa (hier im Bild von 1979) wurde eine erfolgreiche Unternehmerin

"Was heißt schon für uns Frauen, mit Anstand alt zu werden? Lieber unanständig jung bleiben" – soll sie einmal gesagt haben. Und in der Tat: jung geblieben ist sie bis ins hohe Alter. Vital, sportlich und immer noch schön – dies bescheinigte ihr die Presse noch zum 70. Geburtstag im Jahre 1967. Doch ihre Schönheit war bereits schon in den 1920er-Jahren gefragt.

Eine Nichte Anton Tschechows in Berlin

Olga Konstantinowna Tschechowa wurde am 26.4.1897 im kaukasischen Alexandropol als Tochter eines bekannten Brückenbau-Ingenieurs geboren. Ursprünglich stammte die Familie aus Westfalen. In St. Petersburg und Moskau aufgewachsen, wo sie nach eigenen Angaben auch mit den Kindern des Zaren gespielt haben soll, fing sie zunächst ein Studium der Bildhauerei und Holzschneidekunst an der Kunstakademie in Petersburg an. Bald jedoch wechselte Olga Tschechowa das Fach und studierte Schauspielkunst bei Stanislawsky in Moskau. Nicht ohne Einfluss auf diese Entscheidung waren die großen Bühnenerfolge ihrer Tante, die den gleichen Namen trug. Verwandt mit dem großen russischen Dichter war sie über zwei Wege: ihre Tante, die ebenfalls Olga hieß, war die Ehegattin des Dichters und auch sie selbst heiratete mit sechzehn Jahren einen Tschechow: den Neffen des Dramatikers Michail Tschechow. Die Ehe wurde nach drei Jahren geschieden. Die Wirren der Russischen Revolution brachten Olga Tschechowa 1921 nach Berlin, wo sie sich zunächst als Presse- und Plakatzeichnerin durchschlug, denn sie kam fast mittellos in Deutschland an. Doch bald sollte sich ihre Lage gänzlich ändern.

Die Schauspielerin

Deutschland Russland Schauspielerin Olga Tschechowa

Olga Tschechowa (hier im Bild aus den 50er Jahren) machte schon 1917/18 in Russland ihre ersten Schritte beim Film

Friedrich Wilhelm Murnau, der als einer der bedeutendsten deutschen Filmregisseure des Stummfilms angesehen wird, entdeckte Olga Tschechowa 1922 für den Film: in seinem Film "Schloß Vogelöd" spielte sie nun ihre erste Rolle. Somit war - trotz eher verhaltener Kritiken – der Grundstein zu einer großen Filmkarriere gelegt. Bald folgten die nächsten Rollenangebote, die sie immer populärer und zu einem Filmstar machten, der zur damaligen Zeit noch kaum Deutsch sprach. Dies sollte jedoch der Einzug des Tons beim Film ändern. Die "Kölnische Rundschau" vom 25.4.77 beschreibt diese Wandlung auf folgende Weise: "Rechtzeitig zur Geburt des Tonfilms hatte sie die Sprache jedoch so perfekt gelernt, dass nur ein interessanter Akzent zurückblieb, der ihre aparte Erscheinung noch 'geheimnisvoller' wirken ließ." Die Mitwirkung in dem Erfolgsfilm "Die Drei von der Tankstelle" von 1930 festigte nun ihre Position als "Grande Dame" des deutschen Films, der zugleich auch ein großer Verehrerverschleiß nachgesagt wurde. Verehrt wurde Olga Tschechowa ebenfalls von den Nazi-Bonzen, die sie auch tatkräftig förderten. In diese Zeit fallen dann auch sehr viele ihrer über 250 Filme. Bereits 1936 wurde sie auch zur Staatsschauspielerin ernannt. Auf der Theaterbühne war Olga Tschechowa ebenfalls zu sehen - 1925 debütierte sie im Renaissance-Theater in Berlin, doch ihr Hauptmetier blieb der Film. 1955 zog sie sich vom Film weitgehend zurück, war jedoch immer wieder auch im Fernsehen zu sehen.

Die Unternehmerin

Den Geldsegen in der Zeit ihres größten Ruhmes wusste Olga Tschechowa auch anderweitig zu nutzen. Bereits 1937 machte sie in Paris ein Diplom als Kosmetikerin. Später sollte sich das als sehr nützlich erweisen. Die guten Beziehungen zu den Nazis schadeten ihr nach dem Krieg wenig und so versuchte sie an die großen Erfolge der früheren Jahre anzuknüpfen. Bereits im November 1945 spielte sie wieder Theater in Berlin. Auch der Film rief nach ihr. Zugleich versuchte sie sich ein zweites Standbein aufzubauen. So gründete Olga Tschechowa ein eigenes Theater und eine Filmgesellschaft, die letztendlich scheiterten. Doch bereits am 23.1.52 berichtete "Der Spiegel": "Jetzt will sie eine kosmetische Fabrik gründen. Ihre unter chemischer Aufsicht zusammengesetzte Creme probierte sie bereits an ihrem Schwiegersohn, dem Boxer Conny Rux aus, der zur Beobachtung des Effekts seinen ganzen Körper einsalben musste" – und die Creme scheint keinen großen Schaden angerichtet zu haben, denn Conny Rux lebte noch weitere 43 Jahre. Die Firma erwies sich als ein gut gehendes Geschäft und so eröffnete sie einen Kosmetiksalon in München und wenig später weitere Salons in Berlin und Mailand.

Die Geheimdienstagentin

Nahezu legendär ist ein Gerücht, das bis heute nicht verstummen will: Olga Tschechowa soll eine Agentin des sowjetischen Geheimdienstes gewesen sein. Dieses Gerücht kursierte in den Jahren 1945-48 und beschäftigt noch heute einige Historiker. So etwa den Militärhistoriker Antony Beevor, der in seinem Buch "Die Akte Olga Tschechowa. Das Geheimnis von Hitlers Lieblingsschauspielerin" diese These zu belegen sucht. So glaubt Beevor Beweise dafür gefunden zu haben, dass Olga Tschechowa von dem sowjetischen Geheimdienst tatsächlich angeworben worden sei, zugleich aber keine nennenswerten Dienste leistete. Beevors Urteil zufolge wurde ihre Stellung unter den Nazi-Größen einfach überschätzt. Olga Tschechowa hat sich zwar im Mai 1945 in Moskau aufgehalten und dies auf Einladung des sowjetischen Geheimdienstes, doch als Agentin – so Beevors Fazit – war sie ziemlich unbedeutend. Mit dem Großen Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet, starb Olga Tschechowa am 9.3.80 in München.

Im April 1972 sprach Elisabeth Bachtler mit Olga Tschechowa über ihren künstlerischen Werdegang und die Filmkarriere.

Autor: Andreas Zemke

Redaktion: Diana Redlich

Audio und Video zum Thema