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Schauspieler im Gespräch

Interview mit O. E. Hasse - Juli 1973

"Ich habe mich im Theater bestens gelangweilt" – O.E. Hasse über seine erste Begegnung mit dem Theater

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O.E.Hasse bei der Preisverleihung während der Filmfestspiele in Berlin (3.7.55)

Es umwitterten ihn keine Skandale, bis auf einen kleinen: 1969, im Hamburger Thalia-Theater bei einer Aufführung von "Rameaus Neffe", schlug er einem Zuschauer, der nach seiner Ansicht eingeschlafen war, mit dem Geigenbogen auf den Kopf und handelte sich damit eine Strafanzeige wegen Körperverletzung ein. Das war der einzige „Ausrutscher“ während seiner grandiosen Karriere.

Jurist oder Schauspieler?

Otto Eduard Hasse wurde am 11.7.1903 in Obersitzko, Provinz Posen, als Sohn eines Geschäftsmannes geboren. Seine schulische Ausbildung verlief reibungslos: Realschule in Colmar und schließlich Gymnasium in Posen. Danach begann O.E. Hasse in Berlin Jura zu studieren, doch zugleich besuchte er auch die Schauspielschule von Max Reinhardt. Das Jurastudium gab er nach drei Semestern auf und ging schließlich nach München, wo er an den Kammerspielen zunächst seine Ausbildung fortsetze und bald das erste Engagement bekam. Bis 1940 spielte O.E. Hasse auch auf Theaterbühnen in Berlin, Breslau und in Prag. Doch es drängte den jungen Schauspieler auch zum Film.

Die ersten Filmrollen

Eine richtige Filmkarriere sollte für O.E. Hasse erst nach 1945 starten, doch vor der Kamera stand er bereits 1924, als Statist in dem Film "Der letzte Mann" von Friedrich Wilhelm Murnau. Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges wirkte O.E. Hasse in über 30 Filmen mit. So spielte er in einigen Filmen von Karl Valentin und war unter anderem in solchen Filmen zu sehen wie "Peter Voß, der Millionendieb", "Fräulein Hoffmanns Erzählungen", "Peer Gynt", "Der Gefangene des Königs" oder auch in "Philharmoniker". Noch 1944 wurde O.E. Hasse zur Wehrmacht eingezogen und zur Hauptfilmstelle der Reichsluftwaffe abkommandiert. Dort sollte er in einem Dokumentarfilm als Sprecher mitwirken.

Theater, Film, Hollywood und das Fernsehen

Schauspieler O.E. Hasse

O. E. Hasse als Chefreporter Peter Hansen in dem Film "Alibi" aus dem Jahr 1955. Der profilierte Bühnenschauspieler überzeugte mit seinem darstellerischen Können auch in Filmen wie "Der Arzt von Stalingrad" und "Canaris"

Nach dem Ende des Zweiten Weltrieges kehrte O.E Hasse nach Berlin zurück und setzte seine schauspielerische Karriere fort. Er trat an verschiedenen Bühnen der Stadt auf und feierte dort seine ganz großen Erfolge. So etwa als Mephisto, als Mr. Antrobus in Wilders "Wir sind noch einmal davongekommen" oder als General Harras in "Des Teufels General". Eine seiner ganz großen Rollen spielte O.E. Hasse in der Komödie "Geliebter Lügner", die den Briefwechsel zwischen George Bernard Shaw und seiner langjährigen Freundin, der Schauspielerin Stella Patrick Campbell verarbeitete. Mit diesem Stück absolvierte O.E. Hasse auch eine Tournee durch die BRD, Österreich und die Schweiz. Auch der deutsche Film, der nach dem Krieg wieder seinen Betrieb aufnahm, besetzte mit O.E Hasse seine Rollen. Bereits 1948 spielte er in dem Film "Berliner Ballade" mit, einer satirischen Parabel der deutschen Nachkriegsrealität, mit Gerd Fröbe in der Rolle des "Otto Normalverbraucher". Es folgten weitere Filme, die die Popularität von O.E. Hasse festigten, und auch Hollywood wurde auf ihn aufmerksam. 1952 erhielt er von dort ein Angebot der Warner Brothers Pictures, in einem Film unter der Regie von Alfred Hitchcock mitzuwirken – in diesem Film spielte O.E. Hasse einen Mörder. Die Theaterbühne und die Leinwand wurden abwechselnd jahrelang sein Wirkungskreis, doch das Fernseh-Debüt kam für O.E. Hasse relativ spät. Erst im Alter von 71 Jahren drehte er seinen ersten Fernsehfilm: die Verfilmung des Theaterstückes "Eiszeit" von Tankred Dorst. O.E. Hasse wurde für seine schauspielerische Leistung mehrfach ausgezeichnet und mit verschiedenen Preisen und Titeln bedacht. 1974 erhielt er auch das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik. In seinem Porträt von O.E. Hasse schrieb Hans Knudsen 1960: "In welches Gebiet des Schaffens wir bei O.E Hasse Einblick suchen für sein Wesen und seine Ausdruckmittel – wir begegnen immer wieder dankbar dem großen Schauspieler, für den das Schauspieler-Sein nicht ein Beruf geblieben ist, sondern eine Lebens- und Daseinsform, die alle seine Kräfte und Möglichkeiten vollauf in Anspruch nimmt, ihm zur Freude, zur Erfüllung, uns zu allem Dank." Diese Lebens- und Daseinsform ging am 12.9.78 in Berlin zu Ende.

Anlässlich des 70. Geburtstages von O.E. Hasse sprach im Juli 1973 DW-Redakteur Egon Matzerath mit dem Schauspieler, der ihm einiges aus seinem Schauspielerleben erzählte.

Autor: Andreas Zemke

Redaktion: Diana Redlich

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