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Made in Germany

Interview mit Max Schön, Arbeitsgemeinschaft Selbständiger Unternehmer

zur Situation mittelständischer Unternehmen in Deutschland

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Max Schön

Fragen heute an Max Schön, den Präsidenten der Arbeitsgemeinschaft Selbständiger Unternehmer. Er ist auch selbst Unternehmer u. a. in der Stahlbranche. Herr Schön, also gute Nachrichten aus dem Schiffbau, die Frage ist, ist es also Zufall und sozusagen überhaupt nur im Schlepptau des chinesischen Booms möglich?

Der chinesische Boom spielt schon eine Rolle, aber es ist insgesamt das Weltwirtschaftswachstum. Die eine Komponente ist, daß der Welthandel deutlich höher wächst, als die Wirtschaft insgesamt und davon profitieren jetzt auch viele deutsche Firmen.

Vor allen Dingen eben die Branche Schiffbau. Ansonsten ist die Stimmung im deutschen Mittelstand überhaupt nicht gut. Wir haben eine Grafik, da sehen wir gut beurteilen ihre Lage momentan nur 3 % der befragten mittelständischen Unternehmen, 33 % sagen mittelgut und 64 % sagen schlecht. Was ist das Problem?

Die Hauptprobleme sind eigentlich, die Frage, die jeder Unternehmer zu beantworten hat, wo investiere ich in die Zukunft meiner Firma und da sind die Aussichten für Deutschland einfach unheimlich viel schlechter, als in andere Länder zu gehen. Wir haben ja auch die lustige Situation, daß wir im Moment, wenn wir kurzfristig die Firmen betrachten, viele jetzt sagen, mein Auftragseingang ist besser geworden, das sind aber vor allen Dingen Firmen, die irgendwie am Export dranhängen, daß wenn man aber fragt, welche Zukunftsaussichten hast du für Deutschland, fast alle dieses Bild abgeben, keine guten, die Stimmung ist schlecht.

Warum ist Deutschland so schlecht in den Augen der Unternehmer?

Wir scheinen es im Moment in Deutschland nicht zu schaffen, wirklich große Reformen auf den Weg zu bringen, wir reformieren an vielen, vielen Stellen, machen aber unheimlich kleine Schritte und dabei übersehen wir, daß andere Länder sowohl im Westen von Europa, aber auch gerade die neuen EU-Staaten oder wenn wir nach Asien schauen, eine sehr sehr schnelle Entwicklung machen, und das bedeutet, daß Deutschland im Wettbewerb dann doch unterliegt und wir weiter zurückfallen, obwohl wir überall am Reformieren sind.

Trotzdem gibt es ja durchaus viele Unternehmer, die am Standort Deutschland sehr erfolgreich sind, große wie Porsche, aber auch die Nordseewerke in Emden mit ihrer Spezialisierung, d. h., es geht in Deutschland. Muß man nicht einmal aufhören, immer den Schwarzen Peter an die Politik und an die Rahmenbedingungen weiterzuschieben?

Ja, es sind ja immer zwei Dinge zu sehen, das Eine ist, was kann ich als Unternehmer in meiner eigenen Firma machen und wenn ich das positiv angehe, dann habe ich immer eine Chance zu überlegen, die Frage ist nur, mache ich das in Deutschland oder stelle ich mir die Unternehmenszukunft im Ausland vor und das ist eigentlich etwas Bedauerliches, was wir bei den Management geführten Konzernen früher schon gesehen haben, jetzt aber auch in zunehmendem Maße bei den Familienunternehmen sehen, daß die Familien ins Ausland gehen oder die Kinder studieren im Ausland, machen sich dort selbständig und damit geht auch der Kern für neue Leistungen in Deutschland leider auch außer Haus.

Sie selbst haben ja auch Tochterunternehmen in Osteuropa, warum?

Ich selber habe Mitte der neunziger Jahre fusioniert mit einer Familienaktiengesellschaft in Dänemark, wir hatten vorher Gründungen im Baltikum und in Polen und es ist eben heute auch so, daß unsere erfolgreichsten Gesellschaften im Baltikum und in Dänemark sind und die am wenigsten erfolgreichen Gesellschaften leider die in Deutschland. Bei der Frage, wo investieren wir unsere Gewinne, stellt sich eben auch wieder die Frage, wo gehen wir hin, dann gehen wir dahin, wo die besten Zukunftsaussichten sind und das ist dann leider wieder kaum Deutschland.

Aber ich verstehe noch nicht, warum nicht einfach mal ein Ruck durch die Unternehmerschaft geht, und sie sagen wir solidarisieren uns, zum einen miteinander aber auch mit dem Standort Deutschland. Es gibt so viele hoffnungsvolle Ansätze. Das muß doch möglich sein?

Ich glaube, daß sich da etwas getan hat, daß also das Gejammer von Vielen doch langsam aufhört und sie sagen, wir müssen einfach machen und wenn die Regierung es nicht macht, dann müssen wir es halt selber machen und das glaube ich, ist auch das ureigenste eines Unternehmers, daß er dann irgendwann aufhört, zu hoffen, der Segen käme von oben. Dann muß er es halt selber richten, schade eben nur und da wiederhole ich mich jetzt ein bißchen, ja gut, dann mache ich es leider nicht in meinem eigenen Land und dazu müßte man uns einfach befreien von vielen Dingen, die uns heute daran hindern, aktiv zu sein.

Ganz herzlichen Dank, Herr Schön!

  • Datum 18.06.2004
  • Autorin/Autor Interview: Katrin Prüfig
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  • Permalink http://p.dw.com/p/1VCT
  • Datum 18.06.2004
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