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Schauspieler im Gespräch

Interview mit Marika Rökk - September 1974

"Privat bin ich sehr ruhig" – Marika Rökk über ihr Temperament

Marika Rökk bei ihrem letzten Auftritt beim Ball im Savoy, im deutschen Theater in München am 30. 11.84

Marika Rökk bei ihrem letzten Auftritt beim "Ball im Savoy", im deutschen Theater in München am 30.11.84

Zum Glück brauchte sie in den 30er-Jahren "weiter nichts, als nur Musik" und in der Tat: mit ihr ist sie auch berühmt geworden. Denn Marika Rökk verdankte ihre Karriere vor allem den Musical- und Revuefilmen, die in dieser Zeit massenhaft produziert wurden. Der Tanz und der Gesang machten sie zu einem der beliebtesten Ufa-Stars. Doch sie blieb auch bis ins hohe Alter der Bühne treu.

"Moulin Rouge" und andere Bühnen

Marie Karoline Rökk kam am 3.11.1913 in Kairo zur Welt, doch ihre Kindheit verbrachte sie in Budapest als Tochter eines ungarischen Architekten. Mit acht Jahren begann sie mit dem Tanzunterricht. Als die Familie sich in Paris niederließ, setzte sie ihre Tanzausbildung bei der russischen Tanzlehrerin Rudkowska fort. Und schon bald sollte sie ihr Talent unter Beweis stellen: als Elfjährige tritt sie bereits im Pariser "Moulin Rouge" auf – zunächst mit der Revue-Truppe "Hoffmann Girls" zwar, doch von da an sollte vor allem die Revue ihr Metier werden. Bald ging es dann weiter: am Broadway in New York und anderen Städten der USA, anschließend, nach Europa zurückgekehrt, trat sie als Tänzerin und Sängerin in Hamburg, Berlin, Monte Carlo, Cannes, London, Paris, Wien und Budapest auf. Die "Königin der Pirouette" befand sich auf dem besten Wege zum Star. Und schließlich wurde auch der Film auf sie aufmerksam: in England drehte sie 1930 ihre ersten Filme: die Komödien "Kiss Me, Sergeant" und "Why Sailors Leave Home". Doch der Durchbruch sollte erst noch kommen: der Erfolg der Revue "Stern der Manege" brachte ihr den ersten Vertrag mit der Ufa, zunächst für zwei Jahre, der sich dann aber um etliche Jahre ausdehnte.

Der erste Farbfilm

Marika Rökk mit einer Python bei einer Operettenprobe in Wien (undatiert)

Marika Rökk mit einer Python bei einer Operettenprobe in Wien (undatiert)

Der erste Film, den Marika Rökk 1935 bei der Ufa drehte, trug den Titel „Leichte Kavallerie“ und war natürlich eine Komödie um eine Liebesgeschichte im Zirkusmilieu, die zum Schluss ihr glückliches Ende findet. Nun begann der Aufstieg zum Ufa-Star. Marika Rökk drehte einen Film nach dem anderen – es waren 15 an der Zahl, die in den Jahren 1935-1944 entstanden. Die meisten waren ganz genau auf sie zugeschnitten und besaßen eine Handlung, in der sie vor allem tanzen und singen konnte. Dem Nazi-Propagandaministerium ging es dabei vor allem um Unterhaltung der breiten Massen, die es bei guter Laune zu halten galt. Und noch einen Erfolg hatte Marika Rökk in dieser Zeit zu verzeichnen: 1941 drehte sie den ersten deutschen Spielfilm in Farbe: „Frauen sind doch bessere Diplomaten“, eine simple Geschichte um ein Spielkasino in Homburg, in der sie die Rolle der Tänzerin Marie-Luise Pally übernahm.

Die Show geht weiter

"Der Spiegel" vom 22.2.47 meldete in seiner Rubrik Personalien: "Marika Rökk, die bekannte Filmschauspielerin, wurde von einem Ehrengericht des österreichischen Schauspielerverbandes rehabilitiert. Gleichzeitig wurde ihr die schauspielerische Tätigkeit wieder gestattet." Was war passiert? Nach dem Zweiten Weltkrieg mehrten sich Vermutungen, dass einige Ufa-Stars – und insbesondere die weiblichen – während der Nazi-Zeit für den Geheimdienst tätig gewesen sein sollten. Unter solchem Verdacht standen unter anderem Zarah Leander, Olga Tschechowa und nicht zuletzt Marika Rökk. Zunächst wurde sie mit einem Berufsverbot belegt. Doch diese Beschuldigungen erwiesen sich am Ende als unbegründet und Marika Rökk konnte ihre Karriere im Nachkriegsdeutschland und in Österreich fortsetzten. Bereits 1948 stand sie wieder vor der Kamera: in dem österreichischen Musik-Film "Fregola", unter der Regie von Harald Röbbeling. Und sie blieb dem Genre der Operette und der Revue treu: Marika Rökk entfaltete eine rege Tournee-Tätigkeit, war in verschiedenen Städten wie etwa Berlin, Hamburg, Wien oder München in zahlreichen Operetten zu sehen. Auch die Fernseh-Macher engagierten sie für ihre Shows. Neben zahlreichen Auftritten etwa in der erfolgreichen "Peter Alexander Show", die seit 1969 über die deutschen Bildschirme flimmerte, hatte sie auch beim ZDF ihre eigene: die Show "Eine Frau in unseren Träumen", die 1970 ausgestrahlt wurde. Zum Ende ihrer Karriere schenkte sich Maria Rökk etwas Besonderes: nach 58 Jahren war sie wieder in Budapest und trat dort über siebzigjährig in der Operette "Gräfin Mariza" auf. Sie starb am 16.5.04 in Baden bei Wien. Von den zahlreichen Auszeichnungen, mit denen Marika Rökk bedacht wurde, sei der Deutscher Filmpreis erwähnt.

Im September 1974 sprach Elisabeth Bachtler mit Marika Rökk in München.

Autor: Andreas Zemke

Redaktion: Diana Redlich

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