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Schauspieler im Gespräch

Interview mit Marianne Hoppe - September 1970

„Wir waren unangreifbar vom Propagandaministerium“ – Marianne Hoppe über ihre Zeit während des Nazi-Regimes

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Marianne Hoppe in der Titelrolle der Shakespeare-Inszenierung "König Lear" am Frankfurter Schauspielhaus am 23.05.90

"Jahrhundert-Schauspielerin" nannte sie unter anderem "Die Welt" am 21.4.01, als dort die Biographie von Marianne Hoppe besprochen wurde. Und da übertrieb das Blatt in keiner Weise, denn die Schauspielerin war "eine der besten des 20. Jahrhunderts", wie die "Süddeutsche Zeitung" am 10.11.01 urteilte. Ihre Karriere begann noch in den Zwanzigerjahren, überdauerte die Nazizeit und hielt nach dem Zweiten Weltkrieg noch Jahrzehnte an.

Fest entschlossen

Marianne Stefanie Paula Henni Gertrud Hoppe kam am 26.4.1909 in Rostock zur Welt als Tochter eines Gutsbesitzers. Erst im Alter von fünfzehn Jahren kam sie an eine richtige Schule - das Königin-Luise-Stift in Berlin – denn zuvor wurde sie zu Hause privat unterrichtet. Anschließend besuchte sie die Handelsschule in Weimar, doch bereits im Alter von siebzehn Jahren stand ihr Berufswunsch fest: Marianne Hoppe wollte Schauspielerin werden. Und das wurde sie relativ schnell. Sie nahm zunächst Unterricht an der Schauspielschule am Deutschen Theater und zusätzlich noch bei Lucie Höflich, einer Berliner Schauspielerin, die bis 1933 am Deutschen Theater spielte und zu dessen Stars zählte. Bereits 1928 kam für Marianne Hoppe das Debüt: die Bühne der Jugend in Berlin vertraute ihr eine Rolle an, und bald auch das Deutsche Theater – so spielte sie 1930 zunächst meistens Nebenrollen. Der Anfang einer Karriere, die Jahrzehnte andauern sollte, war nun getan.

"Der Führer lädt Sie zum Abendessen ein"

Deutschland Geschichte Theater Gustav Gründgens und Marianne Hoppe

1936-1946 war Marianne Hoppe mit dem umstrittenen Schauspieler, Regisseur und Intendanten Gustaf Gründgens verheiratet (hier eine Fotomontage mit Gustaf Gründgens anlässlich ihrer Eheschließung)

Für die junge Schauspielerin Marianne Hoppe kam nun die Zeit der neuen Verpflichtungen. 1930 ging sie zunächst an das "Neue Theater" in Frankfurt am Main und nach erfolgreichen zwei Jahren wurde sie an die Münchner Kammerspiele verpflichtet. Das Jahr 1933 brachte einen erneuten Wechsel: sie wurde am Staatlichen Schauspielhaus in Berlin engagiert. Rasch wurde sie zu einer der beliebtesten Schauspielerinnen Berlins und noch im selben Jahr wurde sie auch für den Film entdeckt. "Der Judas von Tirol" – ein Historienfilm über einen verräterischen Tiroler Knecht in der Zeit der französischen Besatzung - so hieß der Debütfilm, in dem Marianne Hoppe die Rolle der Magd Josefa übernahm. Bis 1945 wurden es über 20 Filme, in denen Marianne Hoppe mitwirkte und die ihre große Popularität noch steigerten. Doch diese Popularität hatte auch ihre Schattenseiten: auch unter den Nazis waren die Theaterleute begehrt. Eines Abends folgte sie mit anderen Schauspielern der Einladung Hitlers zum Essen. In dem Buch von Johannes Steinhoff, Peter Pechel und Dennis Showalter "Deutsche im Zweiten Weltkrieg. Zeitzeugen sprechen" beschreibt Marianne Hoppe diese Visite und konstatiert über Hitler: "Er hat kein Flair als Mann gehabt, jedenfalls nicht für mich. Er war wahrscheinlich auch an Kunst interessiert. Nur es war nicht unsere Kunst." Und während dieser Zeit spielte die mit Gustaf Gründgens verheiratete Marianne Hoppe eine ganze Reihe von großen Rollen.

Die unermüdliche "Grand Dame" des Theaters

Der Zusammenbruch des Dritten Reiches brachte auch für Marianne Hoppe einen Umbruch mit sich. 1946 siedelte die Schauspielerin von Berlin nach Oberbayern um und bereits 1947 spielte sie wieder Theater. Das Schauspielhaus in Düsseldorf, das zur damaligen Zeit von Gustaf Gründgens geleitet wurde, war die erste Station ihrer Rückkehr auf die Theaterbretter. Zunehmend nahm sie auch Rollen in Hamburg am Deutschen Schauspielhaus, in Bochum und in Frankfurt am Main an. Auch die Berliner Bühnen, wie etwa das Schlossparktheater oder auch das Schillertheater, ließen es sich nicht nehmen, der großen Schauspielerin Rollen anzuvertrauen. Und es waren Rollen, die ihre Stellung als eine der bedeutendsten Darstellerinnen der Nachkriegszeit festigten. So konnte man sie etwa als Prinzessin in dem Stück "Torquato Tasso" von Johann Wolfgang von Goethe, als Celia in der Komödie "Cocktail Party" von T.S. Eliot, oder auch in dem Dreiakter "Candida" von George Bernard Shaw bewundern – um nur einige ihrer Figuren zu nennen. Hinzu kamen im Laufe der Jahre zahlreiche andere Rollen - sowohl an verschiedenen Theaterbühnen als auch im Fernsehen, seltener war sie dagegen im Film zu sehen. Der Schwerpunkt ihres Rollenspektrums lag zunehmend auf den so genannten Charakterrollen. Noch im Alter von 87 Jahren stand Marianne Hoppe am Berliner Ensemble auf der Bühne. Sie starb am 23.10.02 in Oberbayern.

Im September 1970 sprach Harald von Troschke für die Deutsche Welle mit Marianne Hoppe über ihre Karriere.

Autor: Andreas Zemke

Redaktion: Diana Redlich

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