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Schauspieler im Gespräch

Interview mit Karlheinz Böhm - April 1983

"Ich habe bewusst nicht zum Opfern aufgefordert" - Karlheinz Böhm über seinen ersten Spendenaufruf

Karlheinz Böhm

Karlheinz Böhm

In seiner berühmten Wette am 16.05.81 in der ZDF-Sendung "Wetten, dass...?" wettete er, dass "nicht jeder dritte Zuschauer eine Mark, einen Schweizer Franken oder sieben österreichische Schilling für Menschen in der Sahelzone spendet". Karlheinz Böhm gewann zwar die Wette, zugleich war sie aber die Geburtsstunde seiner Hilfsorganisation "Menschen für Menschen", die sich bis heute in Äthiopien engagiert. Und dies war unter anderem auch seiner großen Popularität zu verdanken, die er im Laufe der Jahre als Schauspieler gewann. Schauspieler wurde er immer  weniger, Helfer wurde er zunehmend mehr. Der Kaiser an der Seite von Sissi wurde zum "weißen Kaiser von Äthiopien", wie die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" am 10.02.08 titelte.

 

Die ersten Rollen  

Szene aus Sissi - Die junge Kaiserin Romy Schneider und Karlheinz Böhm

Szene aus "Sissi - Die junge Kaiserin" Romy Schneider und Karlheinz Böhm

 

Das Licht der Welt erblickte Karlheinz Böhm am 16.03.28 in Darmstadt in einer musikalischen Familie: sein Vater war der Dirigent Karl Böhm, seine Mutter war eine Sopranistin. Es verwundert also nicht, dass auch Karlheinz Böhm schon früh eine  musikalische Ausbildung genoss. Nach dem Abitur studierte er zunächst zwei Semester an den Universitäten in Graz und Rom. Fühlte sich jedoch zur Bühne hingezogen und erhielt nach der Schauspielausbildung am Burgtheater 1949 seine erste Theaterrolle. Anschließend blieb Karlheinz Böhm vier Jahre lang, von 1949 bis 1953, beim Theater in der Josefstadt Wien. Immer wieder gastierte er auf verschiedenen deutschsprachigen Bühnen, es sollte jedoch der Film sein, der ihm zu einer internationalen Karriere verhalf. Seine erste Filmrolle – wenn auch eine kleine - erhielt der damals einundzwanzigjährige Schauspieler in dem Film "Der Engel mit der Posaune" von Karl Hart aus dem Jahr 1949. Der Startschuss war gefallen, doch die erste "große Filmrolle" sollte noch einige Jahre auf sich warten lassen.

 

Karlheinz Böhm in der Rolle des Kaisers Franz Joseph (1956)

Karlheinz Böhm in der Rolle des Kaisers Franz Joseph (1956)

Der Kaiser

 

Nun kam der Film, mit dem Karlheinz Böhm zu großer Popularität gelangen sollte: die "Sissi"-Trilogie aus den Jahren 1955-1957, in der er die Rolle des österreichischen Kaisers Franz Joseph übernahm. Der Film hatte jedoch auch seinen Nebeneffekt: sowohl Karlheinz Böhm wie auch seine Partnerin Romy Schneider wurden für Jahre auf den Rollentyp festgelegt, den sie in den drei "Sissi"-Filmen verkörperten. Um diesen Ruf los zu werden, begab sich Karlheinz Böhm ins Ausland und blieb auch einige Jahre in Hollywood, jedoch ohne nennenswerten Erfolg. So kehrte er Anfang der 60er-Jahre ans Theater zurück. Doch es sollte nicht sein letztes Betätigungsfeld sein. Rainer Werner Fassbinder, der wohl wichtigste Vertreter des Neuen Deutschen Films, verpflichtete Karlheinz Böhm 1974 für seinen Film "Martha", einem Psychothriller, in dem er die Rolle des Helmut Salomon übernahm. Es sollten noch zwei weitere Filme mit dem Meisterregisseur folgen: "Faustrecht der Freiheit" und "Mutter Küsters Fahrt zum Himmel". Weitere Rollen folgten noch am Theater und im Fernsehen – insgesamt umfasst die Filmographie von ihm über 70 Filme - bis sich Karlheinz Böhm schließlich 1981 völlig neuen Aufgaben widmete.

 

Eine schicksalhafte Wette

Menschen für Menschen - der Helfer Karlheinz Böhm

"Menschen für Menschen" - der Helfer Karlheinz Böhm

 

Die Wette, die Karl Böhm am 16. Mai 1981 bei Frank Elstner schloss, behauptete, dass "nicht jeder dritte Zuschauer eine Mark, einen Schweizer Franken oder sieben österreichische Schilling für Menschen in der Sahelzone spendet". Dank dieser Wette konnte der Schauspieler über 1,2 Millionen DM einsammeln – die Wette war damit zwar gewonnen, sie erlaubte ihm aber den Start eines Hilfsprojekts, das er bis heute führt. Denn: vier Monate später gründete Karlheinz Böhm die Hilfsorganisation "Menschen für Menschen", die sich seit diesem Zeitpunkt in Äthiopien engagiert. Seit dreißig Jahren arbeitet nun der Schauspieler als Helfer und ist immer auf der Suche nach Spenden für die Stiftung, die bisher Beachtliches geleistet hat. Eine spektakuläre Spendenaktion fand 2002 statt: während einer Gala, mit der das ZDF und das ORF sein 20-jähriges Engagement würdigten, spendeten die Zuschauer über 5,8 Millionen Euro. Diese Summe wurde dennoch 6 Jahre später überboten. Bei der großen ZDF-Gala "Alles Gute Karlheinz Böhm – ein Leben für Afrika" spendeten die Zuschauer insgesamt knapp 7,5 Millionen Euro für die Äthiopienhilfe. Doch dieses große Engagement wurde nicht nur durch Spenden gewürdigt. Karlheinz Böhm wurde auch mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt. Neben dem Filmband in Gold und dem Bambi finden sich in der langen Reihe der Ehrungen auch das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern, der Humanitäre Preis deutscher Freimaurer oder auch die Ehrenstaatsbürgerschaft von Äthiopien, um nur einige zu nennen.

 

DW-Mitarbeiterin Rosemary Callmann sprach im April 1983 mit Karlheinz Böhm über seine schauspielerische Karriere und sein Engagement in Äthiopien.

 

Autor: Andreas Zemke

Redaktion: Diana Redlich

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