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Schauspieler im Gespräch

Interview mit Käte Haack - August 1967

„Ich war immer sehr glücklich, wenn ich Charakterrollen bekam“ - Käthe Haack spricht über ihre Rollen

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Kaethe Haack mit ihrer Tochter im Jahr 1935

Im September 1955 hatte sie in ihrer Garderobe einen Besuch vom Gerichtsvollzieher. Der Grund dafür war eine ausstehende Geldstrafe in Höhe von 14 DM, die man ihr wegen Autofahrens durch den Englischen Garten während der Sperrstunde auferlegte ("Der Spiegel", 14.9.55). Es war vermutlich das einzige Mal, dass sie in "Konflikt" mit dem Gesetzt geriet, denn es ließ sich kein Hinweis auf das Gegenteil finden. Es war eine der schönsten und fruchtbarsten Schauspielerkarrieren des deutschen Theaters und Films.

Früher Anfang – mit achtzehn Jahren auf die Bühne

Käthe Haack wurde am 11.8.1897 als Tochter eines wohlhabenden Berliner Kaufmanns geboren. Bis zu ihrem 15. Lebensjahr besuchte sie ein Privatlyzeum in Berlin-Charlottenburg. Danach erhielt sie Schauspielunterricht bei Seraphine Détschy und Hans Kaufmann. Ihre erste Rolle bekam sie als 2. Naive beim Göttinger Stadttheater, doch bereits nach einem halben Jahr wechselte sie nach Berlin, wo sie 1915 in der musikalischen Komödie "Der Jüngling mit den Ellenbogen" tatsächlich debütierte. Das Theater sollte zunächst ihre künstlerische Heimat werden: so spielte sie unter anderem am Lessing-Theater, in dem sie auch später die meisten Rollen übernahm, sie war aber auch am Residenztheater, dem Trianon-Theater und dem Kleinen Theater zu sehen. Schließlich kamen dann Engagements am Deutschen Theater und 1934 wurde sie an das Staatstheater verpflichtet. Dort blieb sie bis 1944 und ihre Popularität wuchs von Rolle zu Rolle. Für ihre Interpretation bei der Uraufführung von "Der Hauptmann von Köpenick" 1931 lobte sie sogar der sonst mit Komplimenten sparsam umgehender Kritiker Alfred Kerr. Für ihn war Käthe Haack von nun an "die holdeste von allen Bürgermeisterinnen, so je dagewesen sind" ("Frankfurter Allgemeine Zeitung", 7.5.86).

Der Film ruft

Schnell wurde auch die Filmbranche auf Käthe Haack aufmerksam. Noch im selben Jahr ihres Bühnendebüts in Berlin trat sie in einem Stummfilm auf. Es war der Film "Der Katzensteg", den der Regisseur Max Mack drehte. Für diese Rolle erntete sie sehr viel Lob und entwickelte nun auch eine rege Tätigkeit in diesem Metier. Die Rollen, die man ihr beim Film anfangs anvertraute, variierten zunächst noch – auch negative Charakterrollen waren dabei. Doch schließlich wurden Käthe Haack in erster Linie die Rollen einer biederen Kleinbürgerin und warmherzigen Hausfrau angeboten. Der Segen des Tonfilms, der ab 1926 auch in den europäischen Filmstudios Einzug hielt, steigerte noch die Popularität von Käthe Haack. Erfolgreiche Filme wie "Emil und die Detektive" (1931), "Der Hauptmann von Köpenick" (1931) und "Fridericus" (1936) machten sie zu einer der beliebtesten Schauspielerinnen des deutschen Films. Auch während des Krieges blieb Käthe Haack nicht untätig. So spielte sie etwa in so großen Produktionen wie "Münchhausen" und "Bismarck“ mit.

Die Nachkriegsjahre

Auch nach dem Krieg 1945 war Käthe Haacks Liebe zu Berlin nicht erloschen. Rasch kehrte sie wieder auf die Berliner Bühnen zurück – zunächst in Viktor de Kowas Theater "Tribüne". Weitere Erfolge feierte sie im Hebbeltheater, später im Renaissance-Theater. Und es waren nur einige der Verpflichtungen, die sie an den Berliner Bühnen einging. Rekordverdächtig ist eine ihrer Rollen, die sie ab 1964 immer wieder spielte: als Mrs. Higgins in "My Fair Lady" war sie in über 1000 Aufführungen zu sehen. 1967 wurde sie zur Berliner Staatsschauspielerin ernannt. Die deutsche Filmindustrie griff nach dem Krieg ebenfalls auf Käthe Haack zurück, als eine der "Großen Damen" des deutschen Kinos. So spielte sie in unzähligen Produktionen und auch Fernsehfilmen, wie etwa "Der letzte Fußgänger", "Der große Mandarin" oder "Der trojanische Sessel" – um nur einige zu nennen. Insgesamt hat Käthe Haack in über 200 Filmen mitgewirkt. Zu ihrem 75. Geburtstag beglückwünschte sie auch der damalige Bundespräsident Gustav Heinemann. So schrieb er ihr unter anderem: "Neben der Kunst der Darstellung sind es vor allem die Kraft Ihrer Persönlichkeit und die Ausstrahlung fraulicher Anmut, die Ihr Publikum begeistern" ("Tagesspiegel", 11.8.72). Käthe Haack starb im Alter von 88 Jahren am 5.5.1986 in Berlin.

Im August 1967 sprach Christine Kaiser mit Käthe Haack und befragte sie unter anderem über ihre Lieblingsrollen im Theater und Film.

Autor: Andreas Zemke

Redaktion: Diana Redlich

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