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Schauspieler im Gespräch

Interview mit Helmut Qualtinger - April 1973

"Ich bin leider faul, daher habe ich zu wenig geschrieben" – Helmut Qualtinger über seine schriftstellerische Tätigkeit

Helmut Qualtinger im Jahr 1977

Helmut Qualtinger im Jahr 1977

Es war eine Karriere, die beim Wiener Publikum unvergessen bleibt. Er war ein Schauspieler, Kabarettist und Autor, der auf die Gemüter der österreichischen Hauptstadt genau und kritisch guckte. Helmut Qualtinger hinterließ ein Werk, das von einem vielseitigen Menschen zeugt.

Kabarett und Skandale

Helmut Qualtinger

Helmut Qualtinger im Jahr 1962, in dem Einakter "Der Herr Karl".

Helmut Qualtinger wurde am 8.10.28 in Wien geboren. Nach dem Abitur begann er ein Medizinstudium, das er jedoch nach vier Semestern abbrach. Anschließend betätigte sich Helmut Qualtinger als Journalist bei der österreichischen Tageszeitung "Welt am Abend" und als Autor von Kabarett-Texten und Theaterstücken. Sein erster schriftstellerischer Versuch, ein Drama mit dem Titel „Jugend vor den Schranken“ endete bei seiner Premiere in Graz mit einem Tumult und einem saftigen Theaterskandal. Und es sollte nicht der letzte gewesen sein. Danach trat Helmut Qualtinger der Kabarettgruppe "Reigen 1951" bei, in der er nicht nur spielte, sondern, meistens mit seinem Bühnenkollegen Carl Merz, für die er auch unzählige Kabarettnummern schrieb. Die Programme, die von der Gruppe gespielt wurden, erfreuten sich eines großen Erfolges und enormer Beliebtheit beim Publikum. Und es ging in ihnen manchmal so bissig zu, dass sogar der Rücktritt eines Ministers erzwungen werden konnte. Doch Anfang der 60er-Jahre nahm die Gruppe mit dem Programm "Hackl im Kreuz" Abschied von ihrem Publikum. Für Helmut Qualtinger bedeutete dies jedoch keineswegs den Ausstieg aus der Kabarettsparte. Mit seinem Einakter "Der Herr Karl", einer Satire auf den kleinbürgerlichen Wiener, sorgte er für Aufsehen und Aufregung – viele der Wiener waren empört über Qualtingers Darstellung. Fünf Jahre später kam die gleichnamige Schallplatte in die Charts.

Spielen und lesen

Für Helmut Qualtinger begann nun eine intensive Zeit: in der Bundesrepublik Deutschland ging er mit einem satirischen Programm auf Tournee, spielte Theater, übernahm auch Rollen in Fernsehproduktionen. So war er unter anderem in der Komödie "Die Hinrichtung" von Carl Merz zu sehen, die auch vom deutschen Fernsehen verfilmt wurde. Das Fernsehen bot nun Helmut Qualtinger immer neue Rollen an. Besonders gute Kritiken bekam er für die Titelrolle in der Dürrenmatt-Bearbeitung von Shakespeares "König Johann", die er Ende 1970 übernahm. Es entstanden weitere Fernsehproduktionen, wie etwa: "Das vierte Gebot", das Fernsehspiel "Geschäfte mit Plückhahn", die Fernsehsatire "Passion eines Politikers" oder auch die Filmversion von der Erzählung "Das falsche Gewicht" von Joseph Roth. Helmut Qualtinger erwies sich auch als ausgezeichneter Rezitator. So absolvierte er zahlreiche Tourneen mit eigenen und fremden Texten, unter denen sich auch Hitlers "Mein Kampf" befand. Es ist dann auch nicht verwunderlich, dass die Liste der Schallplatten, die er im Laufe der Zeit veröffentlichte, auf über 30 Produktionen ansteigen konnte.

Helmut Qualtinger

Helmut Qualtinger in seiner Rolle als Mönch in dem Film "Der Name der Rose".

Klassische Rollen und Regie

1973 siedelte Helmut Qualtinger nach Hamburg um und unternahm den Versuch einer Karriere als Buchautor und Schauspieler in klassischen Rollen zu starten. Doch es blieb nicht nur bei der Schauspielerei – Helmut Qualtinger übernahm auch die Regie. So inszenierte er am Hamburger Thalia-Theater die Stücke "Oberösterreich" von Franz Xaver Kroetz oder auch "Tod in Miami" von Gert Hofmann. Seine "Hamburger Jahre" dauerten bis 1980 an, danach zog Helmut Qualtinger wieder nach Wien zurück. Und hier setzte er seine Tätigkeit als Regisseur und Schauspieler - auch beim Film - fort. Seine letzte Filmrolle sollte er 1986 spielen: die des Kellermeisters Remigio de Varagine in Umberto Ecos "Der Name der Rose". Die Dreharbeiten an diesem Film mussten immer wieder unterbrochen werden, da Helmut Qualtinger über Schmerzen klagte. "Der Spiegel" vom 6.10.86 überliefert ein Zitat von Qualtinger: "In Wien mußt’ erst sterben, damit sie dich hochleben lassen. Aber dann lebst’ lang." Am 29.6.86 starb der Schauspieler, der von den Wienern auch "Quasi" genannt wurde, in einem Wiener Krankenhaus.

Im April 1973 sprach DW-Mitarbeiterin Elisabeth Bachtler mit Helmut Qualtinger über seine vielseitige Arbeit.

Autor: Andreas Zemke

Redaktion: Diana Redlich