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Schauspieler im Gespräch

Interview mit Helmut Käutner - Dezember 1971

"Damals waren wir eine Truppe, die überall hingefahren ist" – Helmut Käutner über das Kabarett "Die vier Nachrichter"

Regisseur und Schauspieler Helmut Käutner (1978). Gilt neben Wolfgang Staudte als wichtigster deutscher Regisseur der Nachkriegsjahre

Regisseur und Schauspieler Helmut Käutner (1978). Gilt neben Wolfgang Staudte als wichtigster deutscher Regisseur der Nachkriegsjahre

Die Nächte des Sommers 1943 verbrachte er mit seinem Team in einem Hamburger Luftschutzkeller, am Tag wurde gedreht. Helmut Käutner arbeitete zu diesem Zeitpunkt an einem seiner größten Filmerfolge: "Große Freiheit Nr. 7", einem Film, der in Deutschland erst nach dem Krieg gezeigt werden konnte, weil er dem Propagandaministerium zu deprimierend und zu wenig aufmunternd mit seiner "melancholischen Tristesse" erschien. Doch auch schon zuvor lieferte der Regisseur Filme ab, die für die Verhältnisse im Dritten Reich recht ungewöhnlich waren.

Jahre am Theater

Helmut Käutner, Sohn eines Düsseldorfer Kaufmanns, kam am 25.3.1908 zur Welt. Schon als Schüler wirkte er an den Schultheater-Aufführungen des Helmholtz-Realgymnasiums in Essen mit. Nach dem Abitur folgte nun die Zeit der Berufsfindung: zuerst studierte Käutner an der Kunstgewerbeschule in Düsseldorf Reklame, Graphik und Innenarchitektur, dann in München Germanistik, Philosophie, Psychologie, Kunstgeschichte und Theaterwissenschaft. Bis 1935 spielte er im Münchner Kabarett "Die vier Nachrichter" mit, wo er auch Texte beisteuerte und die Regie übernahm. Doch zwei Jahre nach der Machtergreifung durch die Nazis wurde die Gruppe verboten. Helmut Käutner schlug zunächst den Karriereweg beim Theater ein: er übernahm Rollen am Schauspielhaus in Leipzig, an den Münchner Kammerspielen und an verschiedenen Bühnen Berlins. Doch erst beim Film sollte er eine wahre Meisterschaft als Regisseur entwickeln.

Die ersten großen Filmerfolge

Filmszene aus dem Film Unter den Brücken von 1944/45, bei dem Helmut Käutner die Regie führte. Im Bild: Carl Raddatz und Hannelore Schroth

Filmszene aus dem Film "Unter den Brücken" von 1944/45, bei dem Helmut Käutner die Regie führte. Im Bild: Carl Raddatz und Hannelore Schroth

Helmut Käutner, auf den die Nazis immer mehr Druck ausübten, beschäftigte sich zunächst unter anderem mit Drehbüchern, doch bald präsentierte er seinen ersten Film auch als Regisseur: "Kitty und die Weltkonferenz" von 1939, zu dem er ebenfalls das Drehbuch schrieb. Noch im selben Jahr wurde der Film von den Nazis verboten. Der Film enthalte "pro-britische Tendenzen", hieß es aus dem Propagandaministerium. In seinen weiteren Filmen sah sich Käutner nun gezwungen, ständig die Filmkunst mit den Kunst-Vorstellungen der Nazis in Einklang zu bringen. Es entstand nun eine Reihe von Filmen, die die Politik weitestgehend mieden. Seinen internationalen Ruf als Regisseur errang Helmut Käutner 1943 mit dem Film "Romanze in Moll", der Geschichte um eine Frau, die ihrem Mann zuliebe ein Doppelleben führt. Der Film wurde von den Nazis als "ehe- und sittenzerstörend" beurteilt. Mit den beiden darauf folgenden Filmen "Große Freiheit Nr. 7" und „Unter den Brücken“ festigte Käutner sein internationales Renommee. "Große Freiheit Nr. 7", eine Erzählung über die Erlebnisse des Seemanns Hannes, durfte nur außerhalb des Reichsgebietes gezeigt werden, so dass seine Uraufführung in Prag stattfand.

(von links): Victor de Kowa als SS-Gruppenführer Schmidt -Lausitz, Curd Jürgens als General Harras und Regisseur Helmut Käutner bei den Dreharbeiten zu dem Film Des Teufels General nach der Vorlage von Carl Zuckmayer im November 1954 in Hamburg.

(von links): Victor de Kowa als SS-Gruppenführer Schmidt -Lausitz, Curd Jürgens als General Harras und Regisseur Helmut Käutner bei den Dreharbeiten zu dem Film "Des Teufels General" nach der Vorlage von Carl Zuckmayer im November 1954 in Hamburg.

Auch in Cannes ein Preis

Nach dem Krieg brauchte Helmut Käutner etwa acht Jahre, bis ihm ein Comeback in die Riege der besten Regisseure gelang. Zuvor hatte er sich am Deutschen Schauspielhaus und an den Kammerspielen in Hamburg betätigt und auch einige Filme gedreht, die teilweise zwar als gelungen galten, zugleich jedoch nur eine Art Vorstufe zu seinem nächsten großen Film waren. Der Streifen "Die letzte Brücke" – eine Geschichte der deutschen Ärztin Helga Reinbeck, die während des Zweiten Weltkrieges auch den jugoslawischen Partisanen hilft, wurde für Käutner nun zum Triumph. Der Film wurde 1954 unter anderem mit dem Bundesfilmpreis und dem Selznick-Goldlorbeerpreis ausgezeichnet. Ebenfalls in diesem Jahr erhielt er den 1. Preis der Filmfestspiele in Cannes. Es folgten nun weitere Filme, die sowohl in Deutschland wie auch im Ausland zu einem großen Erfolg wurden und mehrfach ausgezeichnet wurden: "Ludwig II.", "Des Teufels General", "Ein Mädchen aus Flandern", "Der Hauptmann von Köpenick", "Die Zürcher Verlobung". Nun wurde man auch in Hollywood auf Helmut Käutner aufmerksam. 1956 unterzeichnete er schließlich einen Vertrag mit der Universal und drehte dort lediglich zwei Filme, die sich jedoch zugleich als unbedeutend erwiesen. Nun wandte sich Helmut Käutner dem Fernsehen zu, drehte dort einige Filme und inszenierte auch Theaterstücke. In manchen der Stücke übernahm er nicht nur die Regie, sondern auch einige Rollen. Gesundheitlich stark angeschlagen, zog sich Helmut Käutner 1977 in die Toscana zurück. Dort starb er am 20.4.80.

Im Dezember 1971 sprach für die Deutsche Welle der Theaterkritiker Friedrich Luft mit Helmut Käutner und befragte ihn unter anderem zum Verlauf seiner Karriere.

Autor: Andreas Zemke

Redaktion: Diana Redlich

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