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Schauspieler im Gespräch

Interview mit Heinz Reincke - Juni 1978

"Ich kämpfe jeden Abend um meine Rolle" - Heinz Reincke über seine Arbeit auf der Theaterbühne

Heinz Reincke in der Peter Kreuder-Show (1975)

Heinz Reincke in der "Peter Kreuder-Show" (1975)

Gustav Gründgens hat ihn groß gemacht, er spielte unzählige Rollen auf Theaterbühnen in Landsberg, Hamburg, Stuttgart und Düsseldorf, bis er schließlich für fast 2 Jahrzehnte dem Wiener Burgtheater die Treue hielt. Heinz Reinckes schauspielerische Karriere begann noch während des Zweiten Weltkrieges: im Laufe der Jahre war er Souffleur, Inspizient, Operettenbuffo und jugendlicher Komiker bis hin zum Charakterdarsteller und Liebling der Fernsehgemeinde.

Die Anfänge

Heinz Reincke in dem Film Nasser Asphalt (1958)

Heinz Reincke in dem Film "Nasser Asphalt" (1958)

Zur Welt kam Heinz Reincke am 28.05.25 in Kiel. Neben seiner Lehre bei der Kieler Industrie- und Handelskammer nahm er auch seit 1941 Schauspielunterricht. Bereits ein Jahr später machte er seine ersten Schritte beim Theater und versuchte sich zunächst als Souffleur und Inspizient, bis er schließlich als jugendlicher Komiker am Theater in Landsberg mitwirkte. Nach dem Zweiten Weltkrieg, dessen Ende Heinz Reincke in französischer Gefangenschaft erlebte, ging er zunächst zum Renaissance-Theater Schleswig, anschließend zum Stadttheater Bonn. Bereits 1950 wurde er vom Württembergischen Staatstheater Stuttgart engagiert, wo der junge Schauspieler in den folgenden fünf Jahren mit zahlreichen Rollen betraut wurde. Doch der eigentliche Durchbruch sollte erst mit einem weiteren Engagement kommen.

Durchbruch in Hamburg

1955 wurde Heinz Reincke von Gustav Gründgens an das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg geholt. Und hier entfaltete der Schauspieler die ganze Spannbreite seines Talents. Es waren vor allem Charakterrollen, die den Ruf von Reincke als den eines äußerst flexiblen Schauspielers festigten. So war er unter anderem in dem Drama "Thomas Chatterton" von Hans Henny Jahnn, in "Draußen vor der Tür" von Wolfgang Borchert, in Anton Tschechows "Die Möwe", als August Keil in "Rose Bernd" von Gerhart Hauptmann, als der Schweizer Bluntschli in dem Stück "Helden" von George Bernhard Shaw, oder auch in "Traumspiel" von August Strindberg zu sehen. Weitere Stationen seiner schauspielerischen Karriere führten Heinz Reincke über Düsseldorf und Salzburg nach Wien, wo er von 1968 bis 1986 am Wiener Burgtheater unter Vertrag stand. Anlässlich seines 70. Geburtstages attestierte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" vom 27.05.95 dem Schauspieler ein "Spektrum von gut vierhundert" Rollen, in die er hineinschlüpfte.

Heinz Reincke in der TV-Serie Pressenkorso

Heinz Reincke in der TV-Serie "Pressenkorso"

Der Fernsehliebling

Neben dem Theater war Heinz Reincke auch in anderen Metiers zu Hause. Vor allem seine umfangreiche Filmografie zeigt die Vielseitigkeit des Schauspielers. Sein Filmdebüt gab er 1956 in dem Streifen "Ein Herz kehrt heim", den "Der Spiegel" vom 21.11.56 als "einen aalglatten ‚Gesellschaftsfilm" abgetan hatte und zugleich feststellte: "Der junge, intelligente und vorsätzlich unelegante Heinz Reincke ist so weit am Rande placiert, dass es zu keinem Kontrast-Effekt reicht." Es hat allerdings für unzählige weitere Filmrollen gereicht. Bereits ein Jahr später spielte Heinz Reincke in den "Bekenntnissen des Hochstaplers Felix Krull" – die Rolle des Stanko war es damals - die von Kurt Hoffmann verfilmt wurden und dem Film mehrere Preise einbrachte. Knapp hundert Filme, in denen er mitgewirkt hat, "gehen auf seinem Konto" und es waren nicht nur Kinofilme, die zu seiner großen Popularität beitrugen. Denn seit Mitte der 80er Jahre spielte Heinz Reincke meistens in Fernsehserien. Jedoch seine erste Serie, "Adrian der Tulpendieb", kam bereits 1966 auf die Bildschirme und war zugleich die erste deutsche Fernsehserie, die gänzlich in Farbe ausgestrahlt wurde. Weitere Serien folgten, wie "Geschichten aus der Heimat", "Die Schwarzwaldklinik", "Der Landarzt" und "Zwei Münchner in Hamburg". Noch bis 2007 spielte Heinz Reincke in der Familienserie "Oben ohne" des ORF mit. Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien in Gold, das Große Bundesverdienstkreuz oder auch die Goldene Kamera sind nur einige der Preise, mit denen der beliebte Schauspieler ausgezeichnet wurde. Heinz Reincke starb am 13.07.11 bei Wien.

Im Juni 1978 sprach DW-Mitarbeiter Robert Stauffer mit Heinz Reincke über seinen künstlerischen Werdegang.

Autor: Andreas Zemke

Redaktion: Diana Redlich

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