1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Schauspieler im Gespräch

Interview mit Heinz Erhardt - 1964

"Ich gehe im Wald hin und her" – Heinz Erhardt über die Entstehung eines Textes

Schauspieler, Kabarettist, Schriftsteller, Komponist und Filmproduzent: Heinz Erhardt (undatiertes Foto)

Schauspieler, Kabarettist, Schriftsteller, Komponist und Filmproduzent: Heinz Erhardt (undatiertes Foto)

"Viele Bemerkungen sind nicht aus der besten Luft gegriffen…“, "So lange es Haare gibt, liegen sich die Menschen in denselben…" und so weiter, und so weiter: unzählig und für viele unvergessen sind die Zitate und "kleinen Weisheiten", die er im Laufe seiner Karriere zum Besten gab. Heinz Erhardt, der populärste Komödiant des deutschen Fernsehens und Wort-Virtuose war wie kein anderer der Spaßvogel des deutschen Wirtschaftswunders schlechthin.

Lieber Musiker als Musikalienhändler

Heinz Erhardt wurde am 20.2.1909 in Riga, in Lettland, geboren. Im "Das große Heinz Erhardt Buch" beschreibt er seine Jungenjahre auf folgende Weise: "Früheste Kindheit. Die Überschrift verbrachte ich in Riga, wo ich quasi zweimal zur Welt kam: am 7. Februar russischer und am 20. Februar hiesiger Zeitrechnung. Im Datum, das muß man den Russen lassen, waren sie uns entschieden voraus." Nach der Schule studierte Erhardt anschließend von 1926 bis 1928 Musik am Leipziger Konservatorium. Zugleich machte er eine Lehre im Musikalienhandel. Nach Riga zurückgekehrt, arbeitete er in der Musikhandlung seines Großvaters, die er später mal erben sollte. Doch der Drang zur Musik und auf die Bühne sollte sich als stärker erweisen – sein Debüt als Komponist fand noch in Riga statt, wo er 1932 zu einem Abend im Deutschen Theater drei Kompositionen beisteuerte. Den Dirigentenstock nahm sein Vater, der Kapellmeister Gustav Erhardt, in die Hand.

Danzig – Breslau - Berlin

Heinz Erhardt in einer Szene aus dem Film Das kann doch unseren Willi nicht erschüttern von 1970 - im Bild mit Ruth Stephan und Irina von Bentheim (ganz links)

Heinz Erhardt in einer Szene aus dem Film "Das kann doch unseren Willi nicht erschüttern" von 1970 - im Bild mit Ruth Stephan und Irina von Bentheim (ganz links)

Heinz Erhardt fasste nun den endgültigen Entschluss: er wollte eine Karriere als Künstler, als Humorist und Komponist starten. Zwar konnte er zunächst für das Deutsche Schauspiel in Riga noch mal als Komponist tätig werden, doch als eine Einnahmequelle für den inzwischen verheirateten Erhardt war es zu wenig. So beschloss er zunächst nach Danzig zu gehen. Reiner Berg und Norbert Klugmann beschreiben in Erhardts Biographie diesen Versuch auf folgende Weise: "Der Vorstoß ins ‚Ausland’ gelang wieder nicht im erhofften Ausmaß. Zwar kam es zu einer Rundfunkaufnahme, doch mehr hatte Danzig 'Rigas bestem Humoristen' nicht zu bieten." Zunächst nicht. Denn nach diesem Danziger Fiasko kehrte Erhardt nach Riga zurück, fuhr aber bald nach Berlin, da ihm der Leiter des Danziger Rundfunks eine Kuriermission nach Berlin anvertraute. Es bot sich nun die Gelegenheit an, auch dort vorstellig zu werden. Wie nicht selten bei Kleinkünstlern, scheiterten zunächst auch Erhardts Versuche, bei einer Agentur ein Engagement zu ergattern. Doch im Mai 1938 spielte ein Zufall für ihn die "Glücksfee": er bekam von der "Sperlich Künstleragentur" ein Vertretungsangebot in Breslau. Daraus wurde schließlich ein dreimonatiges Engagement. Nun wurde man auch auf Heinz Erhardt in Berlin aufmerksam – das bereits seit 1924 bestehende "Kabarett der Komiker" nahm ihn in sein Programm auf. Die ersten Schritte zu seiner späteren Karriere waren nun – wenn auch anfangs etwas mühsam – getan.

Heinz Erhardt mit der Schauspielerin Sabine Sinjen vor den nach den Prominenten benannten Rosen am 08.09.61 in Elmshorn während der Rosen-Taufe

Heinz Erhardt mit der Schauspielerin Sabine Sinjen vor den nach den Prominenten benannten Rosen am 08.09.61 in Elmshorn während der Rosen-Taufe

" Spaßvogel der Nation" im Nachkriegsdeutschland

Während des Zweiten Weltkrieges ging Heinz Erhardt zunächst mit der damals berühmten Tänzerin La Jana und anderen Größen des Showgeschäfts auf eine Wehrmachtstournee und wurde schließlich 1941 auch selbst bei seiner dritten Musterung einberufen. So verbrachte er den restlichen Krieg bei der Marine. Bei Kriegsende war Erhardt kurz in Kiel interniert, und bald machte er sich auf den Weg nach Hamburg. Hier sollte seine Karriere im Nachkriegsdeutschland nun endgültig besiegelt werden. Der Nordwestdeutsche Rundfunk bot sich als Sprungbrett in den Strudel der Popularität hervorragend an. Zusammen mit Will Meyen, einem Conferencier, produzierte Heinz Erhardt die Sendereihe "So was Dummes", die sich bald großer Popularität erfreute. Daneben spielte er auch Theater, ging unermüdlich auf Tourneen. "Der Spiegel" vom 21.2.48 urteilte über Heinz Erhardt: "Erhardts spaßig-witzige Einfälle…haben etwas von der Originalität skurriler Kakteen. Kakteen sind unter Umständen nicht jedermanns Sache." Jedoch für das Gros des Publikums, wie es sich im Verlauf seiner weiteren Karriere herausstellen sollte. Im Theater wurde Heinz Erhardt auch für den Film entdeckt, und das – wie er selbst sagte – "im zarten Alter von 46" Jahren. Es entstanden nun zahlreiche Filme, vorwiegend Komödien, mit ihm meistens in den Hauptrollen. Das Fernsehen holte ihn ebenfalls auf die Mattscheibe, was seine Popularität noch steigerte. Im Laufe der Jahre erschienen mehrere Gedichtsbände von Heinz Erhardt – den meisten Erfolg hatte "Das große Heinz-Erhardt-Buch", das zu einem Bestseller wurde. Doch diese grandiose Karriere wurde 1971 plötzlich beendet: ein Schlaganfall, den der "Sprachakrobat" erlitt, führte zu schweren Lähmungserscheinungen und zu Sprechschwierigkeiten. Nach acht Jahren, die er meistens im Rollstuhl verbrachte, starb Heinz Erhardt am 5.6.79 in Hamburg. Sein berühmtes "Noch’n Gedicht" verstummte für immer.

1964 sprach Dieter Broer für die Deutsche Welle mit Heinz Erhardt und entlockte ihm nicht nur einiges über seine Arbeit, sondern auch Witziges.

Autor: Andreas Zemke

Redaktion: Diana Redlich

Audio und Video zum Thema