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Schauspieler im Gespräch

Interview mit Harald Juhnke - März 1993

"Mein großes Vorbild ist Marlon Brando" - Harald Juhnke im Gespräch über seine schauspielerische Karriere

Harald Juhnke, im April 2000 in Hamburg

Harald Juhnke, im April 2000 in Hamburg

Er war Film- und Theaterschauspieler, Entertainer, Sänger und nicht selten der Schlagzeilenheld der Boulevard-Presse. Er spielte in über 70 Filmen, drehte Fernsehserien, parodierte, spielte aber auch Charakterrollen. Die Karriere von Harald Juhnke, dem Alleskönner, begann 1948 und verlief so turbulent wie selten eine andere.

Die "Pendeljahre"

Harry Heinz Herbert Juhnke wurde am 10.6.29 in Berlin geboren, wo er nach dem Abitur auch Schauspielunterricht nahm. Sehr schnell, denn er war damals 19 Jahre alt, kam auch sein Bühnendebüt. Das Haus der Kultur der Sowjetunion, das als Konzertsaal für die Singakademie zu Berlin errichtet wurde und ab 1952 zum Maxim-Gorki-Theater wurde, engagierte Harald Juhnke 1948 für die Rolle eines Offiziers. Noch zwei Jahre sollten verstreichen, bis er ein Engagement am Theater Neustrelitz bei Schwerin bekam, das ihm nun den Einstieg in das "Bühnengeschäft" an verschiedenen Theaterhäusern in München, Köln, Hamburg und Düsseldorf verschaffte. Noch im gleichen Jahr, 1950, kam auch die erste Filmrolle hinzu. Und es sollten über 70 Kinofilme werden, die Harald Juhnke im Laufe der Jahre drehte – die Rollen in Fernsehproduktionen nicht mitgerechnet. Und eben das Fernsehen verhalf ihm zu einer großen Popularität.

Der Schauspieler und Entertainer Harald Juhnke singt waehrend eines Konzertabends am 24. Feb. 1997 in Berlin

Der Schauspieler und Entertainer Harald Juhnke

Der Entertainer

Als Schauspieler war Harald Juhnke in den 70er Jahren vor allem in verschiedenen Serien des Fernsehens sehr gefragt: "Sergeant Berry", "Die Buschspringer", "Ein Mann für alle Fälle", "Ein Mann will nach oben", später auch "Drei Damen von Grill" – dies sind nur einige TV-Serien, mit denen er sich in die Herzen seiner Fans spielte. Die meisten von ihnen boten dem Zuschauer leichte Unterhaltung, die nicht selten zu den besten Sendezeiten ausgestrahlt wurde. In einem Interview für den "Spiegel" vom 18.1.93 sagte Harald Juhnke unter anderem: "Ich suhle mich im Applaus, das ist für mich wie 35 Liter Champagner trinken." Und den bekam er dann auch reichlich als Entertainer. 1979 übernahm er die Moderation der damals beliebten Sendung "Musik ist Trumpf", nachdem der bisheriger Moderator, Peter Frankenfeld, verstorben war. Die Gemeinschaftsproduktion von ZDF und ORF erreichte zu ihren besten Zeiten bis zu 30 Millionen Zuschauer – Harald Juhnke avancierte zum bekanntesten Entertainer Deutschlands. Im Herbst 1981 moderierte er die erfolgreiche Sendereihe zum letzten Mal. Doch dies bedeutete keineswegs das Ende seiner Karriere – Harald Juhnke spielte nach wie vor auch Theater und in Filmen und feierte Erfolge.

WDR Fernsehen Der Hauptmann von Köpenick, Fernsehfilm BRD 1997, Regie Frank Beyer, am Samstag (13.03.99) um 22:15 Uhr. Harald Juhnke als Schuster Voigt, der Hauptmann von Köpenick. © WDR/NDR - honorarfrei nur im Zusammenhang mit genannter WDR-Sendung bei Nennung Bild: WDR.

Harald Juhnke als Hauptmann von Köpenick

Großes Kino, großes Theater

Harald Juhnke war jedoch nicht nur Boulevardschauspieler und Entertainer: auch als Charakterdarsteller stellte er seine Fähigkeiten unter Beweis. So spielte er etwa solche Rollen wie die des Archie Rice in John Osbornes "Der Entertainer", auch als Molières "Tartuffe" oder auch in Bob Larbeys "Schon wieder Sonntag". Auch die Filmproduzenten waren von den schauspielerischen Leistungen von Harald Juhnke überzeugt. So übertrug Ralf Huettner Harald Juhnke die Hauptrolle in seiner Satire "Der Papagei" – eine Geschichte um einen Ex-Schauspieler, der zu einem Polit-Star stilisiert wird. Eine Paraderolle lieferte Juhnke auch in der Verfilmung des Romans von Hans Fallada "Der Trinker" ab, in der er auch seine eigene Suchtkrankheit aufarbeitete. Doch sein großer Film-Auftritt sollte noch kommen: der Regisseur Frank Beyer verfilmte den "Hauptmann von Köpenick" mit Harald Juhnke in der Hauptrolle – zuvor spielte er den Schuster Voigt am Berliner Maxim Gorki Theater. "Der Spiegel" vom 25.8.97 schrieb über diese Filmrolle: "Auch wenn Juhnke sich in den falschen Hauptmann verwandelt, schimmern bei ihm die Armseligkeit und Verzweiflung dieses Ausgestoßenen durch die Hauptmannsuniform hindurch. Der Zorn des Juhnkeschen Voigt ist gleichsam nach innen gekehrt, privatisiert. Eindrucksvoll ist seine schauspielerische Leistung allemal." Doch sein komödiantisches Talent war ebenfalls gefragt. So holte ihn Regisseur Helmut Dietl für eine Nebenrolle in den Film "Schtonk", die Verfilmung der Geschichte um die gefälschten Hitler-Tagebücher. Seine Leistung in diesem Film wurde mit dem Ernst-Lubitsch-Preis belohnt. Und es war nicht die einzige Auszeichnung, mit der Harald Juhnke geehrt wurde. So wurde er unter anderem mit der Goldenen Kamera, der Goldenen Europa, dem Bambi oder auch dem Goldenen Löwen ausgezeichnet. Er starb am 1.4.2005 in Rüdersdorf bei Berlin.

Im März 1993 sprach für die DW Jörn Freyenhagen mit Harald Juhnke über seine bisherige Karriere.

Autor: Andreas Zemke

Redaktion: Diana Redlich