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Schauspieler im Gespräch

Interview mit Gisela May - Mai 1994

"Mein tiefster Theatererlebnis war die 'Mutter Courage'" - Gisela May über ihre Begegnung mit Bert Brecht

Gisela May in Köln 1999.

Gisela May in Köln 1999.

„Neues Deutschland“ vom 15.02.84 meldete: „Gisela May vom Publikum in Düsseldorf gefeiert“, die gleiche Zeitung am 16.03.85: „Gisela May sang Brecht-Lieder in Den Haag“, im Juli des gleichen Jahres titelte sie: „Stürmischer Beifall für Gisela May in den USA“, eine Woche später: „Gisela May in London gefeiert“ - die Liste solcher Meldungen ließe sich beliebig fortsetzten. Denn: die wohl bekannteste deutsche Brecht-Interpretin vertrat wie keine andere das Chanson und das politische Lied. Ein Weltstar eben.

 

Erste Engagements

Gisela May in ihrer eigenen Fernsehsendung Pfundgrube im DDR-Fernsehen (1984).

Gisela May in ihrer eigenen Fernsehsendung "Pfundgrube" im DDR-Fernsehen (1984).

 

Das Licht der Welt erblickte Gisela May am 31.05.24 in Wetzlar an der Lahn. Nach ihrer Schulzeit in Leipzig absolvierte sie eine Schauspielausbildung an der dortigen Theaterschule. Ihre ersten schauspielerischen Schritte tat sie auf den Bühnen in Dresden, Danzig, Görlitz und Leipzig. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm Gisela May Verpflichtungen am Mecklenburgischen Staatstheater, von 1950 bis 1951 war sie am Landestheater Halle, anschließend arbeitete sie am   Deutschen Theater. Das Jahr 1962 sollte sich für die Schauspielerin als das Jahr erwiesen, in dem sie ein Engagement für die nächsten 30 Jahre angenommen hatte: Gisela May wurde Mitglied des berühmten, von Bert Brecht gegründeten Berliner Ensembles. Hier spielte sie verschiedene Rollen – unter anderem  die Madame Cabet in Brechts "Die Tage der Commune" oder auch Frau Kopecka in "Schweyk im Zweiten Weltkrieg", doch vor allem wurde sie als Mutter Courage gefeiert. Und dies 13 Jahre lang. Jedoch weit über die DDR-Grenzen hinaus berühmt sollte Gisela May vor allem als Diseuse werden. Ihr Spezialgebiet: die Brecht-Songs.

 

Die Brecht-Interpretin

 

„Der Spiegel“ vom 23.05.66 hat bereits über die Interpretation der Brecht-Lieder durch Gisela May geurteilt: „…singt Gisela May sie auf ihrer ersten West-Platte mit fester Stimme und engagiert wie politische Songs.“ In enger Zusammenarbeit mit den Komponisten Hanns Eisler und Paul Dessau entwickelte die Schauspielerin ihren eigenen Gesangsstil, der sie zur "First Lady des politischen Songs" machte. So gastierte sie mit ihrem Programm auf Bühnen in ganz Europa, in den  USA, Kanada und Australien. Sie gehörte zu der Gruppe jener priviligierten DDR-Bürger, die das Arbeiter- und Bauernland immer wieder verlassen durften – war sie doch eine DDR-konforme überzeugte Linke. Als „singende Schauspielerin“ trat sie auch in Musicals auf – unter anderem war sie am Berliner Metropoltheater in der Titelrolle des Musicals "Hello Dolly" von Jerry Herman, oder auch im Berliner Theater des Westens als  Fräulein Schneider in dem Musical "Cabaret" von John Kander zu sehen. Ihre Diskographie umfasst bis jetzt knapp zwei Dutzend Schallplatten, die sie im Laufe der Zeit herausgebracht hat. Doch wesentlich umfangreicher ist die Liste der Filme, in denen Gisela May mitwirkte. Denn neben der Theater- und der Gesangskarriere wurde sie sehr schnell für den Film entdeckt.

 

Gisela May auf der Premierenparty vom Stück Der Raub der Sabinerinnen in der Komödie in Berlin (2011) .

Gisela May auf der Premierenparty vom Stück "Der Raub der Sabinerinnen" in der Komödie in Berlin (2011) .

Filme und Serien

 

Über 40 Filme zählt die Online-Filmdatenbank filmportal.de auf, in denen Gisela May zu sehen war. Ihre Filmkarriere startete sie 1951 mit dem Drama „Das Beil von Wandsbek“ von Arnold Zweig, in dem sie die Rolle einer Arbeiterfrau übernahm. Nach nur einem Monat Laufzeit in den Kinos wurde der Film verboten. Schnell kamen weitere Angebote, unter anderem auch von dem Kollektiv „Das Stacheltier“, einer Produktionsgruppe der DEFA, deren Filme – meist waren es Kurzfilme – vor der Wochenschau gezeigt wurden. Die Schauspielerin wirkte auch in verschiedenen DDR-Serien mit, unter andrem in der Serie „Der Augezuheuge“ oder auch an der TV-Reihe „Schauspielereien“. Gisela May hatte auch ihre DFF-Sendereihe „Die Pfundgrube“, in der sie nicht nur als Gastgeberin, sondern auch als Chansoninterpretin auftrat. Mit großem Erfolg spielte sie in der TV-Serie „Adelheid und ihre Mörder“. Die „Berliner Zeitung“ vom 01.11.05 titelte in diesem Zusammenhang: „Die große Gisela May spielt in ‚Adelheid und ihre Mörder’ nur eine kleine Rolle. Das stört sie nicht.“ Kein Wunder, denn wie die erfahrene Schauspielerin dem Blatt verriet: „Die Szenen haben großen Spaß gemacht.“ In ihrer langen Karriere wurde Gisela May mehrfach ausgezeichnet. Unter anderem wurde sie mit dem Verdienstorden des Landes Berlin und dem Bundesverdienstkreuz Erster Klasse geehrt.

 

Im Mai 1994 sprach DW-Mitarbeiter Peter Zimmermann mit Gisela May über ihr Leben und ihre Karriere.

Autor: Andreas Zemke

Redaktion: Diana Redlich

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