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Schauspieler im Gespräch

Interview mit Günter Pfitzmann - März 1984

"Ich sehe Preise mit einem lächelnden Auge an" - Günter Pfitzmann über seine zahlreiche Auszeichnungen

Günter Pfitzmann, wie er Vielen in Errinerung geblieben ist

Günter Pfitzmann, wie er Vielen in Errinerung geblieben ist

Zahlreiche Preise und Ehrungen, unzählige Rollen bei Theater, Film und Fernsehen – die "Berliner Schnauze", auch "Pfitze" genannt, war im deutschen Film- und Theaterbetrieb ein vielbeschäftigter Mime. Günter Pfitzmann wuchs im Laufe der Jahre zu einer Institution in der Branche.

Schauspieler statt Sportlehrer

Günter Pfitzmann erblickte das Licht der Welt am 8.04.24 in Berlin. Sein schulischer Werdegang verlief eher unspektakulär, bis er nach dem Abitur 1942 zum Arbeitsdienst und schließlich zum Kriegdienst einberufen wurde. Doch bereits während dieser Zeit passierte etwas, was für sein späteres Leben bestimmend war: Günter Pfitzmann erlitt eine schwere Verwundung am Bein – sein Wunsch Sportlehrer zu werden, konnte sich nicht erfüllen. So nahm er in den Jahren 1945-1946 Schauspielunterricht bei Fritz Kirchhoff, der 1945 die Schauspielschule "Der Kreis" in Berlin gründete. Bald folgte auch die erste Rolle: als Pylades in "Iphigenie auf Tauris" am Potsdamer Landestheater. Doch nicht Potsdam sondern Berlin – zunächst West-Berlin - sollte für Günter Pfitzmann die "Schicksalsstadt" werden, denn vor allem hier spielte er die meisten Rollen. In Berlin betätigte sich Günter Pfitzmann auch als Kabarettist. Sein Debüt im Kabarett "Die Stachelschweine" soll Pfitzmann einem zufälligen Umstand verdanken: zwei der Gründungsmitglieder, Klaus Becker und Joachim Teege, konnten an dem ersten Auftritt in dem Jazzclub "Die Badewanne" nicht teilnehmen, und so wurden sie von zwei anderen Schauspielern ersetzt – darunter befand sich auch Günter Pfitzmann. Diesem Ensemble blieb er über Jahre verbunden. Auf den Berliner Bühnen war bis 1983 zu sehen, doch bereits Anfang der 50er-Jahre wurden auch der Film und das Fernsehen auf Günter Pfitzman aufmerksam.

Paul Cox

Günter Pfitzmann mit der Schauspielerin Brigitte Grothum (1968)

Günter Pfitzmann mit der Schauspielerin Brigitte Grothum (1968)

Der erste Film, in dem Günter Pfitzmann debütierte, hieß "Nur eine Nacht" – er spielte dort neben Marianne Hoppe und Otto Friedrich. Es folgten weitere Filme, wie etwa "Hunde, wollt ihr ewig leben?" von 1958, "Die Brücke" von 1959 oder auch einige Edgar-Wallace-Krimis. 1961 verfilmte die ARD den damals sehr erfolgreichen Roman von Rolf Becker "Gestatten, mein Name ist Cox", und die Wahl für die Besetzung der Hauptrolle fiel auf Günter Pfitzmann. 13 Folgen strahlte die ARD zunächst in ihrem Vorabendprogramm aus, doch die Serie erwies sich als ein so großer Erfolg, dass sie bald ihre Fortsetzung fand. Die nächsten 13 Folgen flimmerten dann ab 1965 über die Mattscheibe und Günter Pfitzmann konnte noch mal in die Rolle des Paul Cox schlüpfen. Es folgten nun einige weitere Serien, in denen der inzwischen populäre Günter Pfitzmann zu sehen war – wie etwa "Berliner Weiße mit Schuss" – doch die "längste Serien-Karriere" sollte noch kommen.

Günter Pfitzmann als Dr. Peter Brockmann in der ARD-Serie Praxis Bülowbogen (SWR/ARD, Gottfried Weinmann)

Günter Pfitzmann als Dr. Peter Brockmann in der ARD-Serie "Praxis Bülowbogen" (SWR/ARD, Gottfried Weinmann)

Eine Arzt-Praxis in Berlin

Im Oktober 1987 startete die ARD eine weitere Film-Serie mit Günter Pfitzmann, die sich als eine der erfolgsreichsten erweisen sollte – "Praxis Bülowbogen". Dort spielte er den Arzt Peter Brockmann, der seine Praxis im Berliner Stadtteil Schöneberg führt. Jede Episode hatte eine Länge von 50 Minuten und erzählte die Geschichte von Alltagsproblemen des Arztes, der zugleich eine Beziehung mit seiner Helferin Gabi Köhler hatte. "Der Spiegel" urteilte über diese ARD-Produktion am 18.10.99: "… ein gutes altes TV-Möbel, quotenerprobt in den kalten Räumen der Konkurrenz am Vorabend, und höchstens ein bisschen durchgesessen von der Last ziemlich ähnlich gestrickter Plots nach dem Schema: Der Doktor ist der beste Freund des Menschen." In über 100 Episoden spielte sich "Pfitze", wie Günter Pfitzmann oft genannt wurde, in die Herzen der Fernseh-Gemeinde und wuchs zu einer wahren Institution heran. Daneben spielte er in zahlreichen anderen Produktionen, wie etwa in der ZDF-Serie "Der Millionenerbe" oder auch in der dreiteiligen ARD-Familienserie "Der Havelkaiser". Immer wieder betätigte sich der Schauspieler auch als Rezitator von Texten unter anderem von Tucholsky, Kästner oder Roth. Bereits im Januar 1985 schrieb die Kölnische Rundschau über einen Rezitationsabend mit Günter Pfitzmann: "Es ist erstaunlich, mit welchem geringen Aufwand man zwei Stunden lang gut und spannend unterhalten kann: Da genügen eine Flasche Mineralwasser, einige Manuskriptseiten mit guten Texten – und die richtige Betonung." Als Synchronsprecher war Günter Pfitzmann ebenfalls oft tätig – so war er unter anderem die deutsche Stimme von Kirk Douglas. Der beliebte Schauspieler starb im Alter von 79 Jahren am 8.4.03 in Berlin.

Im März 1984 sprach DW-Mitarbeiter Klaus Goetze-Claren mit Günter Pfitzmann über seine schauspielerische Karriere.

Autor: Andreas Zemke

Redaktion: Diana Redlich