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Schauspieler im Gespräch

Interview mit Carl Heinz Schroth - Juni 1972

„Als ich ganz jung im Theater war, habe ich die ganz Alten gespielt“ – Carl Heinz Schroth über die Anfänge seiner Schauspielerkarriere

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Arbeitete bis ins hohe Alter - der Schauspieler Carl-Heinz Schroth (1989)

Der "Kölner Stadt-Anzeiger" hat ihn anlässlich seines 80. Geburtstages am 29.6.82 so beschrieben: "Alles, was er je tat, hat ihm Spaß gemacht, ob Theaterspielen und –inszenieren oder der Umgang mit Frauen. Jetzt, da Carl Heinz Schroth 80 wird, am 29. Juni, scheint ihm auch der Ruhestand Spaß zu machen." Doch dieser Ruhestand dauerte oft nur sechs Monate im Jahre, denn Carl Heinz Schroth, der bereits auf eine lange Film- und Theaterkarriere zurück blicken konnte, arbeitete bis ins hohe Alter.

Lehrjahre auf Wanderbühnen

Carl Heinz Schroth wurde am 29.6.1902 in Innsbruck geboren. Die Schauspielerei wurde ihm bereits in die Wiege gelegt: seine Mutter war Schauspielerin in Wien, sein Vater gehörte dieser Zunft in Berlin an. Da die Eltern sich relativ früh trennten, verbrachte Schroth die Jugend bei seiner Tante in Bozen. Nach dem Abitur studierte er an der Universität München Rechtswissenschaften, Literatur- und Theaterwissenschaften und nahm zugleich Schauspielunterricht bei Arnold Marlé. Bereits mit 20 Jahren bekam Carl Heinz Schroth sein erstes Engagement in Frankfurt an der Oder und spielte später noch an verschiedenen Wanderbühnen. Sechs Jahre sollten noch verstreichen, bis nun der Durchbruch kam: 1928 wurde er an den Hamburger Kammerspielen engagiert. Über Wien kam er schließlich 1942 nach Berlin und wurde Mitglied des Ensembles des Deutschen Theaters. Inzwischen war auch der Film auf ihn aufmerksam geworden und Schroth spielte seine erste Filmrolle: die des Geheimsekretärs von Fürst Metternich in der Komödie "Der Kongress tanzt" von 1931.

Der Boulevard-König

Carl-Heinz Schroth

Carl-Heinz Schroth in "Geld macht nicht glücklich" (TV-Film, BRD, 1989)

Die ersten Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg waren für den Schauspieler alles andere als angenehm. Um seine Familie in den schwierigen Zeiten durch zu bringen, ging Carl Heinz Schroth zunächst unter die Berliner Schwarzmarkthändler. Erst 1948 kam er an das Thalia-Theater in Hamburg. Dort konnte er nun jene Theaterkunst entfalten, die ihm am meisten lag: das Boulevard-Spiel. Hier betätigte er sich sowohl als Schauspieler als auch als Regisseur. Seine Inszenierungen wie zum Beispiel "Ball der Diebe", "Ja mein Liebling" oder auch "Meine Nichte Susanne" – um nur einige zu nennen – erfreuten sich großer Beliebtheit. Zahlreiche Gastspielreisen, die er mit seiner bereits dritten Frau und ebenfalls Schauspielerin Karin Jacobsen unternahm, führten Carl Heinz Schroth auf die Theaterbühnen unter anderem in München, Berlin oder auch in Köln.

Die wachsende Popularität

Zwar spielte Carl Heinz Schroth immer wieder in einigen Kinofilmen mit, doch es waren vor allem die Fernsehproduktionen, die stets seine Popularität steigerten. Bereits schon in den 50er-Jahren übernahm er Rollen in Fernsehfilmen, doch insbesondere durch einige Serien wurde Carl Heinz Schroth zum Publikumsliebling. In den Jahren 1969-1970 drehte er die Serie "Alle Hunde lieben Theobald", in der er einen Menschenfreund und Hundeliebhaber spielt, der nicht selten in heikle und komplizierte Situationen gerät. Und diese 13 Folgen waren erst der Anfang von zahlreichen Rollen, die man Carl Heinz Schroth auf den Leib schrieb. Es folgten nun unter anderem die Sechsteiler "Alexander Zwo" und "Karschunke und Sohn", die dreizehnteilige Familienserie "Einfach Lamprecht" und nicht zuletzt die wohl bekannteste mit dem alternden Schauspieler: "Jakob und Adele". Es war zugleich eine der erfolgreichsten deutschen Fernsehserien des Zweiten Deutschen Fernsehens, die in den 80er-Jahren produziert wurde. Carl Heinz Schroth wurde auch mehrfach ausgezeichnet, unter anderem auch mit dem Tele-Star-Fernsehpreis, den er 1987 erhielt. Der Schauspieler soll einmal über den Tod gesagt haben: "Die Welt ist ein gedeckter Tisch, von dem man nicht zu früh aufstehen sollte." Diesen „Tisch“ hat Carl Heinz Schroth am 19.7.1989 verlassen.

Im Juni 1972 sprach DW-Mitarbeiterin Elisabeth Bachtler mit Carl Heinz Schroth und befragte ihn zu Beruflichem und Privatem.

Autor: Andreas Zemke

Redaktion: Diana Redlich

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