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Schauspieler im Gespräch

Interview mit Boy Gobert

"Besonders geliebt habe ich sicher die beiden Heinriche in Shakespeares Königsdramenzyklus" - Boy Gobert über seine frühere Zeit als Schauspieler

Boy Gobert am Wiener Burgtheater in dem Shakespeare-Stück Viel Lärm um nichts (1975)

Boy Gobert am Wiener Burgtheater in dem Shakespeare-Stück "Viel Lärm um nichts" (1975)

Er war Vieles: Theaterintendant, Theaterleiter, Theatermanager, Schauspieler, Theaterregisseur, der aber auch für das Kinopublikum kein unbekanntes Gesicht war. Boy Gobert konnte auf eine ansehnliche Zahl von Theater- und Filmrollen zurückblicken, die im Laufe der Jahre vor allem als Dandy, Bonvivant oder Snob seine Popularität stets steigerten.

Debüt am Theater

Boy Gobert am Wiener Burgtheater in dem Shakespeare-Stück Viel Lärm um nichts (1975)

Schauspieler Boy Gobert

Das Licht der Welt erblickte Boy Gobert am 5.6.25 in Hamburg. Seine schauspielerische Ausbildung absolvierte er nach dem Krieg bei Helmuth Gmelin am Hamburger "Theater im Zimmer", an dem er auch debütierte. Es war auch der Beginn einer Wanderschaft durch die deutschsprachige Theaterlandschaft, die ihn unter anderem nach Karlsruhe, Frankfurt am Main, Stuttgart, Berlin, München und Wien führte. Dort spielte er anfangs die Rollen eines Bonvivants und Dandy, was ihm für längere Zeit den Ruf einbrachte, sich auf dieses Fach festgelegt zu haben. Dieser Ruf haftete ihm noch an, als Boy Gobert schon längst seine Stärke als Charakterdarsteller unter Beweis gestellt hatte. In den 50er-Jahren erwog er sogar eine Schönheitsoperation, verwarf jedoch wenig später diesen Plan. Boy Gobert betätigte sich auch als Regisseur – so etwa inszenierte er unter anderem in Berlin "Der Hauptmann von Köpenick" von Carl Zuckmayer. Doch einem breiten Publikum wurde Boy Gobert auf einem anderen Gebiet bekannt.

Boy Gobert in dem Stück von Victor Hugo 1000 Franc Belohnung (1963)

Schauspieler Boy Gobert

Reiche Filmografie

Die Filmkarriere von Boy Gobert begann 1954 mit zwei unbedeutenden Nebenrollen: in den Filmen "Ingeborg" (fürs Fernsehen) von Werner Völger und "Meine Kinder und ich" von Wolfgang Schleif. Eine weitere Rolle übernahm er 1955 in dem Drama "Die Toteninsel" von Viktor Tourjansky, einer rührenden Geschichte um Leprakranke, die auf einer Insel in Isolation leben. Noch im gleichen Jahr kam auch ein anderer Streifen mit dem Schauspieler in die Kinos: "Ein Herz voll Musik" von Robert A. Stemmle mit Vico Torriani in der Hauptrolle. Boy Gobert spielte dort den Part des Baron Karl-Heinz von Schlankenhalten. Dieser Film erfreute sich großer Popularität und steigerte auch den Bekanntheitsgrad des Schauspielers. Es folgten zahlreiche weitere Filme, in denen Boy Gobert mitwirkte. So etwa "Der Mustergatte" mit Theo Lingen und Harald Juhnke, "Monpti" mit Romy Schneider und Horst Buchholz, "Alle lieben Peter" mit Peter Kraus oder auch der Fernsehfilm "Der Tod des Handlungsreisenden" mit Heinz Rühmann. Insgesamt konnte Boy Gobert auf eine Filmografie von über vier Dutzend Rollen zurückblicken. Zum letzten Mal stand er 1986 vor der Kamera in "Kir Royal", Folge 3 "Das Volk sieht nichts" an der Seite von Senta Berger und Franz Xaver Kroetz.

Der Intendant

Sein kaufmännisches Talent stellte Boy Gobert – der Sohn eines Versicherungskaufmanns - ab 1969 unter Beweis. Denn in diesem Jahr wurde er zum Intendanten des Hamburger Thalia-Theaters berufen. Elf Jahre leitete er nun dieses Haus, und das mit großem Erfolg. "Der Spiegel" vom 24.7.78 kommentierte das - nicht ohne ironischen Unterton -  auf folgende Weise: "… Zum Zweiten am Thalia Theater, das unter der dreifaltigen Leitung eines Bühnenstars, eines Regisseurs und eines Theatermanagers, die alle auf den Namen Boy Gobert hören, in Hamburg vor allem eine Daueraufführung auf dem Spielplan hat – die, everybody's darling zu sein." Gemeint waren die große Popularität des Theaters beim Publikum einerseits und das wohlwollende Ansehen bei den städtischen Geldgebern, dank der guten finanziellen Ergebnisse dieser Bühne. 1980 ging Boy Gobert nach Berlin, wo er zum General-Intendanten der Staatlichen Schauspielbühnen Berlin berufen wurde. Nach einem gelungenen Start verschlimmerte sich jedoch mit der Zeit die Atmosphäre in der Zusammenarbeit so sehr, dass er 1985 das Handtuch warf. Ab September 1986 sollte er das Wiener Theater in der Josefstadt leiten, doch Boy Gobert verstarb am 30.5.1986 in Wien an Herzversagen. Die Körber-Stiftung benannte nach ihm einen Preis für junge Schauspieler.

Im Juni 1975 sprach DW-Mitarbeiter Herbert Fricke mit Boy Gobert über seine vielfältige Arbeit.

Autor: Andreas Zemke

Redaktion: Diana Redlich

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