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Schauspieler im Gespräch

Interview mit Berta Drews - Januar 1967

„Ich wurde eigentlich aus Verlegenheit Schauspielerin“ – Berta Drews über ihren Beruf

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Berta Drews in dem Film "Schleppzug M17" als Marie, die Frau des Schiffers Henner (1933)

Der "Kölner Stadt Anzeiger" hatte sie am 29.6.85 unter anderem so beschrieben: "Für die aktiven Theaterbesucher ist sie die Berta Drews, für ältere Jahrgänge die Witwe Heinrich Georges, für die Jungen‚ die Mutter von Schimanski." Und dennoch: auch sie machte eine große Schauspielkarriere, obwohl diese im Schatten einer anderen Schauspielkarriere begann und sich im Grunde in drei Etappen vollzog.

Schauspielerin statt Sängerin

Berta Helene Drews wurde am 19.11.1901 als Tochter des Professors Karl Drews in Berlin geboren. Doch Berlin war für sie zunächst nur eine Zwischenstation. Denn bald zog die Familie nach Stettin und später nach Posen, wo Berta Drews aufwuchs. Zurück in Berlin beschloss sie zunächst Opernsängerin zu werden. Und so – nach anfänglichen Widerständen ihres Vaters – studierte sie in den Jahren 1922-24 an der Berliner Hochschule für Musik. Doch der Berufswunsch sollte nicht in Erfüllung gehen: ihre Stimme versagte. So entdeckte Berta Drews ihr zweites Talent: die Schauspielerei. Sie bewarb sich an der Max Reinhardt Schauspielschule am Deutschen Theater und wurde prompt angenommen. Bereits 1925 war die Zeit des Bühnendebüts gekommen: Berta Drews übernahm in Stuttgart die Rolle der Lady Mortimer in Shakespeares "Heinrich IV". 1926 wurde sie an die Münchner Kammerspiele berufen, wo sie bis 1930 blieb. 1931 war nun die Berlinabstinenz beendet: Berta Drews wurde an der Berliner Volksbühne engagiert. An der Seite von Hans Albers trat sie in dem Stück "Liliom" von Ferenc Molnár auf – nach der Machtergreifung durch die Nazis wurde das Stück vom Spielplan genommen, denn sein Verfasser war Jude.

Der große Schatten

"Der große Schatten" hieß einer der Filme, in denen Berta Drews bis 1945 mitwirkte – zum Film kam sie bereits 1932 – aber eben auch seit 1932 stand sie zunächst im Schatten ihres Ehegatten, des damals als einem der größten deutschen Schauspieler bekannten und beliebten Heinrich George. Kennengelernt haben sich die beiden auf der Bühne. 1938 wurde George zum Intendanten des Berliner Schiller-Theaters, und Berta Drews trat nun seinem Ensemble bei. Doch ihre "schauspielerische Motivation" litt einerseits unter dem Druck der großen Popularität von Heinrich George und andererseits auch unter dem Patriarchat zu Hause. In einem Interview für den "Spiegel" vom 13.11.95 schildert ihr Sohn, Götz George, die damalige Lage der Schauspielerin: "… weil sie natürlich eine unterdrückte Frau war. Sie war für ihn unsere Mutter, und immer wenn sie Theater spielen wollte, sagte er: 'Kind, Kind, kümmer dich um die Kinder!'" Doch jene Zeit seiner großen Popularität während der Nazi-Zeit sollte dem übermächtigen Ehemann zum Verhängnis werden. Noch im Sommer 1945 wurde George von der sowjetischen Geheimpolizei wegen seiner nicht unumstrittenen Rolle im Dritten Reich verhaftet und starb schließlich im September 1946 im NKWD-Lager Sachsenhausen.

Das "dritte Leben"

Szene aus Die Blechtrommel

Berta Drews als Oma Anna in der Verfilmung des Romans von Günter Grass "Die Blechtrommel" von Volker Schlöndorff aus dem Jahr 1979. Es ist der erste deutsche Film, der als Bester fremdsprachiger Film mit einem Oscar ausgezeichnet worden ist

Die nun verwitwete Berta Drews, die auch noch zwei Söhne durchzubringen hatte, stürzte sich in die Arbeit. Ab 1948 stand sie erneut auf der Bühne – zunächst am Hebbel-Theater, dann wechselte sie nach drei Jahren zum Schiller- und Schloßparktheater in Westberlin. "Das große Personenlexikon des Films" von Kay Weniger beschreibt Berta Drews aus dieser Zeit mit folgenden Worten: "Nach dem Krieg legte Berta Drews erheblich an Gewicht zu und spielte fast nur noch mehr oder wenige große Chargenrollen; mütterliche, handfeste und einfache Frauen aus dem Volke mit Herz und Schnauze." Doch nicht nur im Theater, sondern auch beim Film übernahm die Schauspielerin einige Rollen. Unvergessen bleibt so auch ihre Rolle der Oma Anna in der Verfilmung von Grass’ "Blechtrommel" von Volker Schlöndorff. Berta Drews wurde 1963 unter anderem mit dem Titel der Staatsschauspielerin ausgezeichnet. Sie starb am 10.4.87 in Berlin.

Im Januar 1967 sprach die Deutsche Welle mit Berta Drews unter anderem über ihre Arbeit beim Theater und beim Film.

Autor: Andreas Zemke

Redaktion: Diana Redlich

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