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Deutschland

Internetvideo soll Attentäter motiviert haben

Der Attentäter vom Frankfurter Flughafen war ein islamistisch geprägter Einzeltäter. Er wurde laut Bundesanwaltschaft durch islamistische Propaganda im Internet zu der Bluttat angestachelt.

Blumen und ein Holzschild mit der Aufschrift 'Wut, Trauer + Warum?' liegen vor dem Terminal 2 des Flughafens in Frankfurt (Foto: dapd)

Trauer um erschossene US-Soldaten Flughafen in Frankfurt am Main

Der in Deutschland aufgewachsene Arid U. wird sich zweifachen Mord und dreifachen Mordversuch verantworten müssen, teilte der Bundesgerichtshof in Karlsruhe mit. Arid U. hatte am Mitttwoch am Frankfurter Flughafen zwei US-Soldaten mit gezielten Kopfschüssen getötet und zwei weitere schwer verletzt. Komplizen hatte der Täter bei dem Terroranschlag offenbar nicht.

Die Leichen der beiden Todesopfer wurden am Samstag (05.03.2011) vom US-Stützpunkt Ramstein aus in die USA zu einer Luftwaffenbasis im Bundesstaat Delaware geflogen.

Den Sicherheitsbehörden war der gebürtige Kosovare nicht als potenziell gefährlicher Islamist bekannt. Es gebe derzeit keine Hinweise darauf, dass hinter dem Todesschützen ein terroristisches Netzwerk stehe oder dass der Attentäter einer terroristischen Organisation angehöre, erklärte die Bundesanwaltschaft am Freitag (04.03.2011). Der in Frankfurt am Main lebende Mann habe sich wohl binnen weniger Wochen im Internet radikalisiert. Auf Antrag der Bundesanwaltschaft war Haftbefehl gegen Arid U. erlassen worden.

Terrorgefahr durch islamistische Internet-Propaganda

Wohnhaus des Attentäters (Foto: dapd)

Hier wohnte Arid U. - bei seinen Eltern in Frankfurt-Sossenheim

"Er ist geständig", hatte zuvor bereits der hessische Innenminister Boris Rhein berichtet. Der 21-Jährige habe erst vor wenigen Tagen den Kampfnamen "Abu Reyyan" angenommen und zumindest über "Facebook" Kontakt zu dem mutmaßlichen Hassprediger Sheik Abdellatif und anderen Islamisten gehabt. Abdellatif wird von der Polizei beobachtet. Er predigte zuletzt in einer Frankfurter Moschee.

Nach Erkenntnis der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe ist die Sicherheitslage in Deutschland unverändert. Es gebe "kein Indiz für einen bevorstehenden Anschlag einer planmäßig vorgehenden Terrorgruppe", betonte Bundesanwalt Rainer Griesbaum. Er forderte eine stärkere Bekämpfung islamistischer Propaganda im Internet. Der aktuelle Fall zeige, dass Internetseiten potenzielle Attentäter anstacheln könnten.

Das Motiv des Attentäters...

...war offenbar Hass auf US-Soldaten. Nach einem Lagebericht des Landeskriminalamts (LKA) Hessen gab er in einer Vernehmung an, im Internet auf ein Video gestoßen zu sein, das zeige, wie US-Soldaten ein Haus in Afghanistan plünderten und ein Mädchen vergewaltigten. Danach habe er "die ganze Nacht nicht schlafen können". Zudem will er beobachtet haben, wie US-Soldaten sich am Frankfurter Flughafen verächtlich über die Afghanen äußerten. Das seien Impulse "für ihn gewesen, insbesondere nach Afghanistan ausreisende US-Soldaten zu töten". US-Präsident Barack Obama erklärte in Washington, er sei empört über den Anschlag.

Der Bus, in dem die US-Soldaten saßen, ist genauestens untersucht worden (Foto: dapd)

Der Bus, in dem die US-Soldaten saßen, ist genauestens untersucht worden

Der Attentäter hatte sich am Mittwoch vor Terminal 2 des Frankfurter Flughafens einem US-Militärbus mit 15 amerikanischen Soldaten genähert und zwei von ihnen durch Kopfschüsse aus unmittelbarerer Nähe getötet. Zwei weitere Soldaten wurden schwer verletzt. Beim Versuch, innerhalb des Busses einen dritten Soldaten zu erschiessen, versagte die Waffe des Terroristen. Nur diese Ladehemmung verhinderte ein noch größeres Blutbad.

Die Soldaten hatten zwar Waffen im Gepäck, diese waren aber nicht einsatzbereit. Die Tatwaffe und 24 Schuss Munition kaufte der Attentäter nach eigener Darstellung vor einigen Monaten für 1000 Euro. Seit Januar war er als Zeitarbeiter im Internationalen Postzentrum am Flughafen beschäftigt.

Keine verschärfte Sicherheitslage

Der neue Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich versicherte, die deutschen Behörden würden in Zusammenarbeit mit US-Dienststellen alles dafür tun, die Tat vollständig aufzuklären. Auch Friedrich geht von einem Einzeltäter aus. "Nach dem jetzigen Erkenntnisstand liegen keine Anhaltspunkte dafür vor, dass eine bundesweite flächendeckende Erhöhung der polizeilichen Präsenz anzuordnen wäre", sagte Friedrich.

Autoren: Ursula Kissel / Christian Walz (dpa, afp, rtr)
Redaktion: Reinhard Kleber

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