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Kultur

Internetpiraterie schadet der Literatur

Alle Jahre wieder trifft sich die internationale Literaturbranche in Frankfurt zur weltweit größten Buchmesse. Und alle Jahre wieder bestimmt ein Thema die Diskussion: der digitale Wandel des Buchmarktes.

Fahnen der Frankfurter Buchmesse (Foto: Frankfurter Buchmesse)

Fahnen zur Eröffnung der Frankfurter Buchmesse

"Wir stehen 2011 vor gewaltigen Veränderungen", sagte Jürgen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse, und verkündete damit nicht gerade eine überraschende Neuigkeit auf der Eröffnungspressekonferenz.

"Mit den Buchmenschen muss jetzt etwas passieren", sagte Boos und meint damit, dass konventionelles Verlegen von Büchern heute nicht mehr ausreiche. Die Digitalisierung der Literatur breche die gewohnten Strukturen auf, ermögliche aber auch neue Vertriebswege. Auf diesen Umbruch reagiere die Buchmesse daher mit der neuen Veranstaltungsreihe "StoryDrive", auf der sich Experten aus Film, Musik, Computerspielen und Buch über neue Formen des Erzählens austauschen.

Illegale Downloads von E-Books


Auf die Kehrseite der Digitalisierung wies Gottfried Honnefelder, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, hin. So sollen derzeit in Deutschland 60 Prozent aller E-Books illegal heruntergeladen werden. Auch wenn die Umsatzzahlen von elektronischen Büchern weiterhin marginal sind, geht die Buchbranche zukünftig von starken Zuwächsen aus. Daher sei es ungemein wichtig, die Internetpiraterie bereits jetzt zu bekämpfen. Honnefelder beklagte, "dass die Politik bemerkenswerterweise nichts tue", bezeichnete diese Einstellung als "katastrophal" und forderte mehr politisches Engagement.

Umso engagierter zeigt sich hingegen die Wirtschaft. Ein deutscher Automobilkonzern überließ der Buchmessenleitung ein futuristisches Veranstaltungsgebäude, das er eigens für die kurz zuvor stattfindende Automobilmesse ins Zentrum des Frankfurter Messekomplexes gesetzt hatte und somit einfach stehen lassen konnte. Man wolle hier keine Autos präsentieren, sagte ein Vertreter des Konzerns, sondern die Literatur fördern. Umso mehr wundert man sich über die ausgestellten Fahrzeuge, die dann doch im Eingang des Gebäudes stehen. Und über die Tatsache, dass ein Vertreter eines Autoherstellers auf der Eröffnungspressekonferenz der Buchmesse über Visionen der Mobilität spricht.

Isländische Bücherliebe


Isländischer Pavillon - Island ist Ehrengast der 63. Frankfurter Buchmesse (Foto: Nadine Wojcik, DW)

Isländischer Pavillon bei der Frankfurter Buchmesse

Stil- und liebevoll feiert dafür der isländische Pavillon das gedruckte Buch. Island ist der diesjährige Ehrengast der 63. Frankfurter Buchmesse und damit das kleinste Land, das sich bislang hier präsentierte. In einer abgedunkelten Halle trifft der Messebesucher auf übergroße Leser vor ihren heimischen Bücherregalen – auf Videoleinwänden lesen stellvertretend 30 Isländer abwechselnd aus ihren Lieblingsbüchern vor.

Island ist in der Tat eines der lesefreudigsten Länder der Welt, acht Bücher kaufen die Isländer durchschnittlich im Jahr. "Ohne Literatur wären wir vielleicht nie eine eigene Nation geworden", sagte der isländische Staatspräsident Olafur Ragnar Grimsson auf der offiziellen Eröffnungsfeier und bezog sich damit auf den enorm hohen Stellenwert, den die Literatur für die isländische Identität seit dem Mittelalter hat. "Ein kleines Land, aber in der Literatur ein Gigant", würdigte auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle den Ehrengast und ein Land, das er gerne als neues Mitglied in der Europäischen Union sähe, für die es sich gerade jetzt zu kämpfen lohne.

In den kommenden Tagen werden rund 1000 Autoren aus der ganzen Welt auf der Frankfurter Buchmesse zu Gast sein, darunter auch internationale Literaturgrößen wie Umberto Eco oder Nobelpreisträger Mario Vargas Llosa. Traditioneller Abschluss und Höhepunkt der Frankfurter Buchmesse wird am letzten Messetag die Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels sein, der dieses Jahr an den algerischen Schriftsteller Boualem Sansal geht. "Ein leidenschaftlicher Erzähler", heißt es dazu in der Begründung der Jury, ein Autor, der "die Begegnung der Kulturen in Respekt und wechselseitigem Verstehen befördert".

Autorin: Nadine Wojcik
Redaktion: Gabriela Schaaf

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