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Amerika

Internetpionier Paul Baran gestorben

Mit seiner Idee, große Datenmengen in Paketen durchs Netz zu transportieren, hat Paul Baran die Internet-Kommunikation revolutioniert. Jetzt ist der amerikanische Informatiker im Alter von 84 Jahren gestorben.

Internetpionier Paul Baran (Foto: AP)

Paul Baran

Egal ob Fotos, Texte oder Videos - jeden Tag werden riesige Datenmengen durchs World Wide Web gejagt. Dabei werden die Informationen in Pakete zerlegt und am ihrem Bestimmungsort wieder zusammengesetzt. Die Idee dazu hatte Paul Baran vor mehr als 45 Jahren. Am Montag (28.03.2011) ist der Informatiker, der als einer der Internet-Pioniere gilt, in seinem Haus im kalifornischen Palo Alto in den USA an Lungenkrebs gestorben. Baran wurde 84 Jahre alt.

Erfinder für die US-Regierung im Kalten Krieg

Schon früh hatte sich der studierte Elektrotechniker Baran mit der Frage beschäftigt, wie man Kommunikationsstrukturen schützen kann, zum Beispiel gegen Atomangriffe. 1959 begann Baran für die RAND Corporation zu arbeiten, eine Denkfabrik, die während des Kalten Krieges die US-Streitkräfte beriet. Zu dieser Zeit entwickelte Baran die Idee der Dezentralisierug von Kommunikationsnetzen: Daten sollten nicht in großen Einheiten, sondern überall verteilt und gespeichert abrufbar sein. Ein solches Informationsnetz wäre weniger anfällig für Angriffe oder Störungen.

Schema des Internet-Vorgängers 'ARPANet' (Foto: AP)

Komplexes Netz: Baran hat am ARPANet mitgewirkt, dem Vorläufer des Internet

Zwischen 1963 und 1964 präsentierte Baran dann erstmals seine Idee der "Nachrichtenblöcke". Informationen wie E-Mails oder Fotos sollten nicht tröpfchenweise, sondern zerlegt in Datenpakete durchs Internet transportiert werden. Am Bestimmungsort werden sie wieder zusammengesetzt und der Empfänger bekommt seine E-Mail oder sein Foto.

Diese sogenannte Paketvermittlung hat Baran später umgesetzt, als er für das US-Verteidigungsministerium an der Entwicklung des ARPANet, einem Vorläufer des Internet, arbeitete. Die USA wollten während des Kalten Krieges sicherstellen, dass die digitale Kommunikation auch dann funktioniert, wenn bereits große Teile des Netzwerks zerstört wurden. Mit Barons Idee wurde auch verhindert, dass es wegen riesiger Datenmengen zu "Staus" im Netz kommt.

Baran konnte die Idee der Paketvermittlung jedoch nie für sich allein beanspruchen. Der Engländer Donald Watts Davies hatte zur gleichen Zeit die gleiche Idee. Weil er, unterstützt von den Behörden, mehr veröffentlichte, gilt er heute oft als Vater des "packet switching".

Autorin: Julia Hahn (mit dapd, dpa, afp)
Redaktion: Ursula Kissel