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Deutschland

Internetbetrug - ein Massenphänomen

Das Internet mit seinen fast grenzenlosen Möglichkeiten erfreut nicht nur eine wachsende Zahl von Usern, es begeistert auch Kriminelle, Ganoven und Terroristen. Sie nutzen Sicherheitslücken und Sorglosigkeit.

Ein maskierter Hacker am Computer (Foto: bilderbox.com/Erwin Wodicka)

Sicherheitslücken und die Sorglosigkeit oder Gutgläubigkeit der User bedeuten für Kriminelle viel bares Geld. Denn es sind mitunter nur minimale Kenntnisse nötig, um an sensible Informationen oder an größere Geldbeträge zu kommen.

Symbolbild Computersicherheit: Tastatur mit Vorhängeschloß


Mit ihrer Fantasie und ihrer Energie sind Kriminelle und Ganoven der Usergemeinde und den Strafverfolgern meist um eine oder zwei Nasenlängen voraus. Wo so viel Geld winkt, wurde und wird spezielle Schadsoftware entwickelt, um Daten auszuspähen und User zu prellen. So gesehen sind denn auch der Datenklau auf der einen und der Betrug bei Internetgeschäften auf der anderen Seite nur scheinbar unterschiedliche Formen moderner Kriminalität. Denn gleichzeitig sind sie eng miteinander verbunden.

Der konkrete Schaden ist kaum bekannt

Im Umlauf: CD mit sensiblen Kundendaten und dem Vermerk: Unter Verschluß halten. (Foto: AP)

Immerhin ist nach Angaben des Hightech-Verbandes Bitcom bereits jeder zweite deutsche Internetuser Opfer von Kriminalität im Netz geworden. Dabei gehören gezielte Viren-Attacken auf private Computer ebenso zum Vorgehen der Kriminellen, wie die gezielte Nutzung zuvor ausgespähter oder abgefischter Daten.

Doch nicht nur die Ausspähung von Daten oder Kinderpornografie-Ringe beschäftigen Sicherheitsexperten und Gesetzeshüter. Das Internet bietet Raum für dreiste Abzocke und diverse Betrügereien ebenso wie für die Vorbereitung krimineller oder terroristischer Aktionen. Bei der deutschen Polizei gibt es vielerorts inzwischen spezielle Internet-Kommissariate mit eigens dafür ausgebildetem Personal.

Bekannte Tricks

Einmal nichts - für einen Euro bei Ebay

Relativ sicher: Ebay


Neben seriösen Online-Händlern, die selbst darauf achten, dass es möglichst mit rechten Dingen zugeht, gibt es viele schwarze Schafe. Immer wieder haben es Verbraucherschützer und Strafverfolgungsbehörden mit Firmen zu tun, deren scheinbare Gratis-Angebote mit immensen - und durch die Firmen legal einklagbaren - Kosten verbunden sind. Mehrere tausend User werden Tag für Tag Opfer derartiger Abzocker. So warnten hessische Verbraucherschützer vor einer Firma, die 1200 Adressen für Outlet- oder Fabrikverkäufe mit Rabatten von bis zu 80 Prozent anbietet. Bei der Registrierung schließt man allerdings unbemerkt ein Zwei-Jahres-Abo für fast 200 Euro mit ab.

Ermuntern Verbrauchschützer geprellte Kunden zum Widerstand oder legen die Strafverfolger derartigen Firmen das Handwerk, dann ist das Angebot kurze Zeit später an anderer Stelle oder unter anderem Namen im Netz wieder aktiv. Juristisch ist Übeltätern im Netz nicht immer beizukommen, denn sie operieren ganz gezielt in Grauzonen oder nutzen Gesetzeslücken.

Teure Schnäppchen

Ein Weihnachtsmann kauft am Computer ein (Foto: AP)


Ebenfalls bei Gaunern beliebt und in der Vorweihnachtszeit besonders profitabel sind Online-Schnäppchen-Shops, die eigens für die Abzocke eingerichtet und an seriösen Stellen verlinkt werden. Von etablierten Internet-Händlern sind sie kaum zu unterscheiden, denn Gütesiegel haben die Ganoven natürlich, nur dass die simpel abgekupfert sind. Mit professionellem Auftritt bieten derlei Abzocker-Shops beliebte Markenprodukte zu verführerisch günstigen Preisen.

Der Trick: Vorkasse. Das deutsche Bankkonto gibt es wirklich, aber meist nicht lange. Zumindest eines ist dann aber sicher: Seine bezahlte War erhält der Kunde nie. Da die Firmen meist im Ausland sitzen, sind sie nachträglich kaum zu belangen.

Grenzenloser Handel

Egal, ob es sich um gefälschte Markenuhren oder um nachgemachte Potenzpillen handelt - das Angebot im weltweiten Netz ist schier grenzenlos, und die Kriminellen sind meist schneller als wachsame Verbraucherschützer. Natürlich werden auch Daten gehandelt. Einen Sonderfall stellte jene Disc mit den Einzelheiten zu deutschen Top-Steuersündern dar, die Ermittler für gutes Steuergeld auf dem Schwarzmarkt erworben hatten. Denn im Gefolge wurden prominente deutsche Zechpreller medienwirksam vor den Kadi und zur Kasse gebeten.

Einen solchen Erfolg hätte die deutsche Telekom sicher auch gerne. Aber die sensiblen Daten von Millionen Kunden geistern weiter in der virtuellen und der realen Welt herum. Also wird das Unternehmen seinen Kunden neue Nummern geben müssen. Eine Riesenaktion, aber zumindest würden die Datensätze auf dem Schwarzmarkt damit wertlos.

Banking und Kreditkarten

Kreditkarte unter einer Lupe (Foto: dpa)


Kundendaten der Banken - und vor allem Geheimzahlen - sind bei Kriminellen hoch begehrt. Aus gutem Grund erfordert es doch mehr als nur kriminelle Energie, wenn der Weg zum schnellen Geld nicht über die den Umweg Scheinfirmen, Schnäppchen mit Abo-Falle oder andere Formen dreister Abzocke führen soll. Sind aber Kundendaten und vor allem Geheimzahlen zugänglich, liegt der Gewinn nur noch ein paar Klicks entfernt.

Sicher, die Banken und Kreditkartenunternehmen bauen vor und beschäftigen mittlerweile selbst Hacker, um die eigenen Sicherheitssysteme sicherer zu machen. Aber auch hier finden die Ganoven Abhilfe. Sie arbeiten dann multimedial: Ein Anruf und etwas Sorglosigkeit beim Opfer, und mit etwas "Glück" ist das ansonsten gut abgesicherte Zahlenpuzzle komplett.

Datenschutz und Vorsicht

Geldbörde mit Bargeld und Kreditkarten (Foto: dpa)


Sicherheitslücken im Netz und auch Datenmissbrauch gab und gibt es immer wieder. Hier sind IT-Experten, Datenschützer und auch der Gesetzgeber aktiv. Verbraucher - und Internetnutzer allgemein - sind aber ebenfalls gefordert. Es sind schließlich ihre Daten, die weltweit kursieren, und der Gedanke daran sollte manchmal zu etwas mehr Vorsicht beim Klicken mahnen.

Die gute Nachricht: Die Spezialisten arbeiten daran, dass Netz für uns alle besser und sicherer zu machen. Und die schlechte: Auch Kriminelle, Ganoven, Terroristen sind nicht untätig, und sie sind oft schneller, als ihre Verfolger.

Das ist die richtig schlechte Nachricht.

Autor: Hartmut Lüning (ap,dpa)

Redaktion: Kay-Alexander Scholz

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