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Kultur

Internet-Werke für die Ewigkeit

Für Bücher hat die Deutsche Bibliothek in Frankfurt am Main genügend Platz: Auf drei Etagen stehen 30.000 Quadratmeter Regalfläche zur Verfügung. Einen ganz anderen Platzbedarf haben die Veröffentlichungen im Internet.

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Die Deutsche Bibliothek

Die Deutsche Bibliothek bewahrt jedes Buch auf, dass seit 1945 in Deutschland erschienen ist. Nun sollen zusätzlich die Veröffentlichungen im Internet möglichst umfassend archiviert werden.

"Elektronische Ressource"

"Wir sammeln nur das, was einen Informationsgehalt hat und bewusst im Netz veröffentlicht wurde", erklärt Ute Schwens, die sich in der Deutschen Bibliothek besonders um das Online-Projekt kümmert. Damit scheiden alle Websites aus, die der Selbstdarstellung von Firmen, Institutionen oder auch Personen dienen. "Wir haben früher ja auch keine Prospekte von Unternehmen aufgehoben", sagt die ständige Vertreterin von Generaldirektorin Elisabeth Niggemann. "Wir wollen nicht jede Webseite haben." Allerdings könnten künftig auch Informationsportale im Internet archiviert werden - ein Test läuft derzeit mit der Web-Site der Bundesregierung.

Bislang aber stellen die knapp 7.000 Hochschulschriften noch den größten Teil der in der Deutschen Bibliothek aufbewahrten 8.000 bis 9.000 Online-Publikationen. Bei den übrigen Veröffentlichungen handelt es sich zumeist um Aufsätze von Fachzeitschriften wissenschaftlicher Verlage, die teilweise gar nicht mehr gedruckt, sondern nur noch im Internet veröffentlicht werden. In dem von jedem Internet-Rechner aus erreichbaren Online-Katalog der Deutschen Bibliothek signalisiert der Vermerk "Elektronische Ressource" eine solche Netz Publikation. Der interessierte Nutzer kann sich die gewünschte Datei vom Archivserver der Bibliothek herunterladen.

Die Echtheit des Werks und den Schutz vor nachträglichen Änderungen garantiert ein sogenannter Authentisierungscode, der aus dem Originaldokument erzeugt wird. Wie bei den Büchern soll schließlich auch die äußere Aufmachung einer Veröffentlichung festgehalten werden. "Wir wollen schließlich auch die Erscheinungsformen dokumentieren, nicht nur die Inhalte", erklärt Ute Schwens

Neues Gesetz soll Pflichtabgabe erweitern

Derzeit hat der Server der Deutschen Bibliothek 120 Gigabyte an Online-Publikationen gespeichert. In der weiteren Planung orientiert sich die Bibliothek nach Angaben von Technik-Leiter Hans Liegmann an einem neuen Depotsystem der niederländischen Nationalbibliothek, das im Oktober dieses Jahres mit einer Anfangsausstattung von 12 Terabyte (12.000 GB) in Betrieb gehen soll.

Bisher erfolgt die Ablieferung der Netz-Publikationen bei der Deutschen Bibliothek noch auf freiwilliger Basis, während die Pflichtabgabe von Büchern und CD-ROM-Veröffentlichungen gesetzlich geregelt ist. In einer Neufassung des Gesetzes über die Deutsche Bibliothek soll die Abgabepflicht auch auf Netz-Publikationen erweitert werden - die Vorbereitungen dazu liegen beim Bundesbeauftragten für Kultur und Medien in Berlin.

Bytes statt Blätter

Bei der Planung der Internet-Bibliothek muss auch beachtet werden, mit welchem Betriebssystem die Publikationen gelesen werden können. Was jetzt noch Standard ist, kann in einigen Jahren schon hoffnungslos veraltet sein. Auch bei der Dauerhaftigkeit der Datenträger gibt es zumindest in den Zeiträumen, in denen Archivare denken, keine Erfahrungen. Deswegen ist Ute Schwens schon froh, wenn sie in Zeiträumen von 10 oder 20 Jahren planen kann. "Papier ist ein sehr stabiles Medium, aber bei elektronischen Medien kann heute niemand eine Prognose abgeben." AP/(fro)

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