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Kultur

Internet-Oscar für Such-Imperium

Die Suchmaschine Google bekommt heute den Oscar des Internets - den "Webby Award". Kategorie - welch Wunder - beste Suchmethode. Die User sehen das ähnlich und googeln das Untenehmen zum Monopol. Eine Gefahr?

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Die Gründer des Google-Imperiums Larry Page und Sergey Brin

Yahoooen, altavistaen - das kennt keiner, das macht auch fast keiner mehr. Googeln hat es dagegen bereits in den Duden geschafft. " goo|geln : Internetrecherchen mithilfe einer Suchmaschine durchführen." Der Name des Suchmaschinenimperiums ist Metapher geworden. 82 Prozent Marktanteil hat die Firma in Deutschland, die Konkurrenz von MSN oder Yahoo wird immer unbedeutender. Heute bekommt die kalifornische Firma für ihre erfolgreiche Technologie den Webby Award. Eine Auszeichnung, die ein 500-köpfiges Team aus amerikanischen Internetexperten, Journalisten und auch Popstars zum neunten Mal vergibt. Trotz allen Auszeichnungen - Medienwissenschaftler und Informatiker kritisieren die zunehmende Marktmacht von Google.

Auf dem Weg zur Supermacht?

USA Google Börsengang Hauptgebäude

Das Unternehmen betont zwar seine Unabhängigkeit und bestreitet, politisch zu sein. Doch die Gefahr, dass bestimmte Informationen unterschlagen werden, steigt, je zentraler der Zugang zu diesen Informationen ist. "Wenn Wissen Macht ist, dann sind Suchmaschinen die Supermächte", sagt Wolfgang Sander-Beuermann. "Wir müssen verhindern, dass Google zur absoluten Supermacht wird." Sander-Beuermann leitet das Suchmaschinen-Labor an der Uni Hannover und bastelt dort seit Jahren an Alternativen zu Google.

Der Suchmaschinenexperte unterstellt Google nicht, Informationen und Suchergebnisse bewusst zu manipulieren. "Doch selbst wenn die mathematischen Algorithmen ehrlich und korrekt sind, machen sie bestimmte Wertungen. Wenn ich politisch relevante Begriffe eingebe, dann bekomme ich auch ein Ergebnis, bei dem die Aussagen allein durch die Reihenfolge gewichtet werden."

Der Sprecher von Google Deutschland hält dagegen, dass die Suchmaschine so erfolgreich ist, weil sie einfach die zuverlässigsten Ergebnisse liefert. "Keiner wird gezwungen, Google zu nutzen", sagt Stefan Keuchel. Nur weil die Suchmethode zu unabhängigeren und objektiveren Ergebnissen führe, sei der Dienst so beliebt. "Wenn wir nicht unabhängig wären, würde der User das merken und auf eine andere Suchmaschine umsteigen."

Selbstzensur statt Fremdblockade

Google in China Internet

Die Grenzen der Informationsfreiheit sind bei Google die gesetzlichen Bestimmungen im jeweiligen Land. Seiten, die gegen das deutsche Jugendschutzgesetz verstoßen, werden nicht angezeigt. In Ländern wie China kann diese Unternehmenspolitik andere Blüten tragen. Wie andere große Internetanbieter auch, übt Google dort entgegen eigener Versprechungen Selbstzensur. Tausende Seiten, die von der chinesischen Führung als subversiv angesehen werden, zeigt Google in seinem News-Angebot einfach nicht an.

"Man kann einer kommerziellen Firma so etwas gar nicht zum Vorwurf machen. Es ist unternehmerisch absolut nachvollziehbar", sagt Wolfgang Sander-Beuermann. Für ihn zeigt das China-Engagement von Google den Vorzug einer dezentralen Versorgung an. Viele kleine Suchmaschinen lassen sich viel schlechter kontrollieren - oder blockieren - als eine große.

Im Rechenzentrum in Hannover entwickelt er die Alternative -ein dezentrales Suchmaschinensystem. 400 regionale Suchmaschinen sollen nach seiner Vorstellung Deutschland versorgen. Betrieben von Bibliotheken, Unis, Rechenzentren oder privaten Anbietern. Die Ergebnisse sollen in einem gemeinsamen Portal erfasst werden. Er selbst hat in Hannover einen Anfang gemacht. "Ich kann hier auch besser erkennen wo die schwarzen Schafe sitzen, die nur Werbemüll schicken." Auf der anderen Seite hat er Server gefunden, die es bei Google nicht gibt, aber interessante Informationen bieten.

Eine solche Google-Alternative für ganz Deutschland ist derzeit noch Zukunftsmusik. Mit einer Anschubfinanzierung, so der Informatiker, könnte das System in drei Jahren bessere Ergebnisse liefern, als Google. Doch auch wenn es dazu kommen sollte, den Namen ihres Erfinders würde man auch mit seiner neuen Suchmaschine "googeln".

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