Internationaler Strafgerichtshof verspricht Geld für Ex-Kindersoldaten aus dem Kongo | Aktuell Welt | DW | 15.12.2017
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Geraubte Kindheit

Internationaler Strafgerichtshof verspricht Geld für Ex-Kindersoldaten aus dem Kongo

Jahrelang verbreiteten die Milizionäre von Thomas Lubanga in der Demokratischen Republik Kongo Angst und begingen Gräueltaten. Den zwangsrekrutierten Kindersoldaten wurde nun eine kollektive Entschädigung zugestanden.

Kindersoldaten - zum Töten missbraucht (Foto: picture-alliance/dpa/M. Gambarini)

Dieser zehn Jahre alter Junge musste 2003 der sogenannten Union Kongolesischer Patrioten (UPC) dienen

Erstmals erhalten ehemalige Kindersoldaten aus der Demokratischen Republik Kongo eine kollektive Entschädigung. Das hat der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag verkündet. Die Kinder wurden vor Jahren Opfer der Miliz von Thomas Lubanga, dessen Milizionäre die Kinder zwangsrekrutiert hatten. Die Ex-Kindersoldaten sollen nun 8,5 Millionen Euro als Wiedergutmachung erhalten, erklärte der Vorsitzende Richter Marc Perrin de Brichambaut.

Geraubte Kindheit

Bisher wurden mindestens 425 Kinder als Opfer des Kriegsverbrechens anerkannt. Für sie veranschlagt das Gericht je rund 5600 Euro und damit 2,8 Millionen Euro. "Hunderte oder tausende" Kindersoldaten aber hätten unter Lubangas Miliz gelitten, sagte Perrin de Brichambaut. Für sie setzte das Gericht weitere 5,6 Millionen Euro fest. Der ehemalige Milizen-Führer Lubanga ist demnach für die Zahlung persönlich verantwortlich.

Haftstrafe für Kriegsverbrecher

Im Juli 2012 hatte der IStGH Lubanga für den Einsatz von Kindersoldaten zu 14 Jahren Haft verurteilt.Der frühere Chef der Union Kongolesischer Patrioten hatte während des Bürgerkriegs im Bezirk Ituri im Nordosten des Kongo 2002 und 2003 tausende Kindersoldaten zwangsrekrutieren, an Waffen ausbilden und mit Drogen gefügig machen lassen. Derzeit sitzt er seine Strafe in einem kongolesischen Gefängnis ab.

Da Lubanga selbst kein Geld besitzt, soll ein 2008 eingerichteter Opferfonds nach dem Willen des Gerichts für das Geld aufkommen. Es wird nicht persönlich an die Opfer ausgezahlt, sondern fließt in Projekte zu ihrer Wiedereingliederung in die Gesellschaft, etwa in Ausbildungsprojekte. Hilfsorganisationen schätzen, dass in dem Bürgerkrieg von 1998 bis 2007 rund 5,4 Millionen Menschen in der Demokratischen Republik Kongo getötet wurden.

sam/jj (AFP, rtr)