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Wissen & Umwelt

Internationaler Männertag: Die Männer von sich selbst befreien

Mann muss nicht immer männlich sein. Mann kann sich auch um seine Gesundheit sorgen, Krankheiten vorbeugen - und sich öfter mal die Hände waschen. Warum? Das lesen Sie hier.

Eigentlich gehört es sich für uns Männer doch gar nicht, einen internationalen Männertag zu begehen - wo wir doch das "starke Geschlecht" sind - und es überhaupt nicht nötig haben, die Welt auf unsere eigenen Zipperlein hinzuweisen.

Oder doch? Tatsächlich ist heute die perfekte Gelegenheit, daran zu erinnern, wie lächerlich wir Männer in bestimmten Punkten sein können.

Zum Beispiel weinen wir Männer nicht, und wir Männer verletzen niemanden. Wir besuchen keine Ärzte - wir sind die Ärzte. Jedenfalls denken wir das. Und das ist leider etwas, das uns oft zum Verhängnis wird. Im Durchschnitt sterben wir jünger als Frauen - aus eigener Schuld.

"Wir brauchen ein Zeitalter, in dem wir die Psyche unserer Gesellschaft neu konstruieren. Denn viel zu häufig glauben wir, dass Männer da draußen sein sollten, um zu kämpfen. Davon müssen wir die Männer befreien - sie emanzipierter machen", sagt Jerome Teelucksingh, Geschichtsdozent an der Universität der Westindischen Inseln (UWI). Er hat den Internationalen Männertag ins Leben gerufen.

"Es ist als hätten wir 'ihn' - den Mann im Allgemeinen - in einem Käfig, und wir füttern ihn ständig mit Stereotypen - mit negativen Vorstellungen von Männlichkeit."

Das Ergebnis? Wir Männer neigen dazu, unsere Körper anders zu sehen als zum Beispiel die Frauen es tun. Tobias Engl, Urologe und Berater der Deutschen Gesellschaft für Mann und Gesundheit e.V., sagt, dass Männer ein ungesünderes Leben führen als Frauen.

"Für einen Mann muss der Körper funktionieren, und wenn er nicht funktioniert, muss er eben repariert werden. Das ist ein sehr technisches Gesundheitsverständnis", sagt Engl. "Ein Mann behandelt seinen Körper wie sein Auto."

Scheint als wäre dies die perfekte Gelegenheit, uns die Gesundheit der Männer einmal genauer anzuschauen.

Männer gegen Männer

US-Präsident Franklin D. Roosevelt sagte einmal (im übertragenen Sinne): Das Einzige, was Männer fürchten müssten, seien die Männer selbst.

Dass Männer nicht so häufig zum Arzt gehen wie Frauen, ist eine Tatsache. Aber dieser Vergleich ist gar nicht nötig. Fest steht: Wir kümmern uns einfach nicht genug um uns selbst.

Männer, so Teelucksingh und Engl, seien oft anfällig für Stress, Alkohol- und Drogenabhängigkeit sowie psychische Probleme.

Allerdings sind wir Männer uns diesen Risiken nicht wirklich bewusst - oder wir reagieren eben nicht auf die Symptome. Und das gilt für alle Männer weltweit - in entwickelten wie auch in weniger entwickelten Ländern.

Was sind die größten Gesundheitsgefahren?

Eine der größten Bedrohungen für uns ist die geschichtliche, kulturelle Einstellung, dass Männer stark sein müssen (oder zumindest so tun sollten).

Und Folgendes sind die größten medizinisch-gesundheitlichen Risiken. In keiner bestimmten Reihenfolge:

1. Stress und gefährliche Arbeitsumgebungen

2. Prostatakrebs

3. Diabetes

4. Herzinfarkte

5. Verkehrsunfälle

6. Krankheiten im Zusammenhang mit Rauchen

7. Drogen- und Alkoholsucht

8. Schlechte Ernährungsgewohnheiten

Werden diese gesundheitlichen Probleme übersehen?

Zugegeben, das ist nicht sehr wissenschaftlich oder repräsentativ, aber wir haben unsere Twitter-Follower von @dw_SciTech einfach mal gefragt, ob ihrer Meinung nach die Männer in Sachen Gesundheit übersehen werden. Das Ergebnis: Die Mehrheit sagt "Ja".

Andererseits hat aber auch ein Viertel mit "Nein" geantwortet. Interessant wäre es nun noch zu wissen, wie viele der Befragten Männer waren.

Körperpflege

Einen Tag wie diesen sollte man jedoch nicht damit verschwenden, die ganze Zeit darüber zu jammern, wie arm dran wir Männer sind - besonders nicht, wenn wir das Glück haben in einem reichen, entwickelten Land zu leben. An einem solchen Tag sollten wir auch handeln - und unser Verhalten ändern.

Und das ist wirklich nicht so schwer.

Wirklich nicht.

Eine einfach Lektion: Wascht eure Hände besser, und häufiger - und bitte nicht nur am Welttoilettentag (der übrigens auch heute ist).

Nehmt euch ein Beispiel an einem skeptischen Neurotiker wie mir: Sauberkeit ist neben ... die beste Sache der Welt.

Auf die Toilette gehen, sich die Hände nicht waschen, und dann im Büro die Hände in die Keksdose zu stecken, ist nicht cool. Und es ist ganz bestimmt auch nicht hygienisch - weder für sich selbst noch für andere.

Also wascht euch eure dreckigen Pfoten! Lektion Ende.

Sauberes Wasser und sanitäre Einrichtungen

Der frühere Link auf das Leben in den reichen Ländern war keine nebensächliche Bemerkung. Es gibt viele Länder, die nicht über ausreichend sauberes Wasser oder sanitäre Einrichtungen verfügen. Dabei hat Wasser einen so großen Einfluss auf die Gesundheit aller Menschen - auf die von Männer und Frauen, Jungen und Mädchen.

"Kein sauberes Trinkwasser und der Mangel an angemessenen sanitären Einrichtungen führt oft zu Krankheiten", sagt Teelucksingh.

Das müssen wir ändern! Und vielleicht können einige der härtesten Männer unter uns hier etwas in Bewegung setzen und helfen.

Weltweite Ungerechtigkeit

Der Mangel an sauberem Wasser und sanitären Einrichtung ist in Entwicklungsländern allerdings nur der Anfang. Hier geht es auch um den Zugang zur - für uns ganz selbstverständlichen - Gesundheitsversorgung. Männer und Frauen in ärmeren Ländern haben oft nur wenig oder gar keinen Zugang zu medizinischen Dienstleistungen, etwa um Vorsorgeuntersuchungen zu bekommen. Sie haben nicht die Möglichkeit, sich Rat einzuholen oder Medizin zu bekommen. In einigen Fällen besteht vielleicht die Chance, aber die Menschen können sie nicht bezahlen.

Auch Männer weinen…

… nur sind ihre Tränen unsichtbar. Grundsätzlich. Und das leuchtet ein: Stellen Sie sich zum Beispiel Soldaten vor, die auf dem Schlachtfeld stehen und weinen. Das ginge nicht - oder?

"Schauen Sie sich allein mal die Kriege im 20. Jahrhundert an - der Erste und Zweite Weltkrieg oder der Vietnamkrieg. In all diesen Kriegen waren männlichen Soldaten in der Mehrheit", sagt Teelucksingh.

Das Problem ist, mehr und mehr Soldaten - Männer oder Frauen - kehren aus dem Krieg zurück und leiden an einer Form von post-traumatischer Belastungsstörung. Selbst die "Normalen" unter uns - sofern es so jemanden überhaupt gibt - leiden psychisch. Aber als Männer wissen wir das entweder nicht oder wir besitzen nicht den Mut, das zuzugeben. Denn dazu gehört wirklich Stärke: Zugeben, dass man etwas nicht allein bewältigen kann, dass man an Depressionen leidet.

Und da vielen von uns diese Stärke fehlt, ist die Zahl der Selbstmorde unter Männern erschreckend hoch. Wir würden eher daran zerbrechen, als uns Hilfe zu holen - und das ist schlechtweg dumm. Allein aus Selbstrespekt müssten wir die Sache selbst in die Hand nehmen.

Lebenserwartung

Ein weiterer Punkt ist, dass Männer weltweit durchschnittlich früher sterben als Frauen. Aber dagegen können wir etwas tun! Und nein, damit meine ich nicht, einfach Frauen dazu zu bringen, früher zu sterben. Aber vielleicht könnten wir so länger in Harmonie mit dem anderen Geschlecht leben.

In Deutschland sterben Männer zwischen fünf und sieben Jahren früher als Frauen, im Alter von 77,7 Jahren. In einigen weniger entwickelten Ländern sterben Männer schon im Alter von 50 Jahren.

Die Lösung: Besser auf uns aufpassen, und dort den Zugang zu medizinischer Versorgung ausbauen, wo er jetzt noch fehlt.

Die (fehlgeschlagene) Emanzipation des Mannes

Wenn es um die Gesundheit geht, sind Männer weit weniger emanzipiert als Frauen. Das ist eine Tatsache. Und es ist unsere eigene Schuld. Wir hören oft, wie Frauen versuchen uns zu verändern - und auch mal einen Arzt aufzusuchen - aber wir weigern uns hartnäckig. Vielleicht ist das eine andere Form von Sexismus unsererseits? So oder so, wir verlieren dabei.

Also, was sollen wir tun?

Vielleicht können wir damit anfangen, die eigene Verwundbarkeit zu akzeptieren und in unserer Schwäche Stärke zu finden. Und vor allem: einfach mal zum Arzt zu gehen!

Ich habe gehört, dass das wirklich Spaß machen kann.

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