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Porträts Lehrerverbände

Internationaler Deutschlehrerinnen- und Deutschlehrerverband (IDV)

Der Internationale Deutschlehrerverband ist die Vertretung aller Deutschlehrerverbände weltweit. Er verbindet, koordiniert und unterstützt die 104 Verbände in 85 Ländern. Eine große Aufgabe – gerade für den Vorstand.

Marianne Hepp kommt aus Deutschland, lebt aber schon lange in der Toskana. Eigentlich war sie nach Italien gezogen, um in die italienische Sprache und Kultur einzutauchen. Doch dann bot man ihr an, Deutsch zu unterrichten. Seit 2000 hat sie einen Lehrstuhl für deutsche Sprachwissenschaft an der Universität Pisa in Italien inne. Seit August 2009 ist sie die Vorsitzende des Internationalen Deutschlehrerinnen- und Deutschlehrerverbands.

Deutsche Welle: Frau Hepp, Sie sind Teil des fünfköpfigen Vorstandes, der aus fünf verschiedenen Ländern stammt. Wie funktioniert die Zusammenarbeit über die Kontinente hinweg? Sehen Sie sich auch mal im Vorstand?

Marianne Hepp: Während des Jahres sind wir in Mailkontakt und kommunizieren elektronisch per Skypekonferenz. Aber das allein würde nicht funktionieren. Man muss sich persönlich treffen, um die Ziele zu erfüllen. Wir halten an der alten Regelung von zwei Vorstandssitzungen pro Jahr fest. Das schaffen wir finanziell.

Unsere Vorstandssitzungen finden allerdings immer, wenn es geht, im Umfeld einer Regionaltagung statt. Bei den Tagungen bringen wir uns dann auch mit Vorträgen oder mit einem verbandspolitischen Seminar ein.

Der IDV ist ja riesengroß, ich durfte schon mit unendlich vielen Vertretern sprechen, die sehr engagiert sind und in ihren eigenen Ländern schon extrem viel Einsatz zeigen. Wie schafft man es, ehrenamtlich einen so großen Dachverband zu leiten?

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Hören Sie rein: Marianne Hepp erzählt, was ihr am Deutschunterrichten so gefällt

Das haben wir uns neulich auch gefragt bei unserer Vorstandssitzung. Wir arbeiten eigentlich meistens am Wochenende. Wir schreiben immer als Scherz, dass der Sonntag der Tag des IDV ist. Da trudeln stets die Mails aus dem Vorstand ein.

Aber im Ernst, die Arbeit erledigen wir oft am Wochenende oder am Abend, also immer zwischendurch. Es ist eine ehrenamtliche Arbeit, die wir neben unserer eigentlichen Arbeit an den Schulen oder Universitäten ausüben.

Diese Vorstandsgruppe arbeitet so gut und harmonisch zusammen, dass es große Freude bereitet und immer auch über diese Stresszeiten, die wir haben, hinweghilft. Also, dieses Teamwork ist schon beeindruckend. Natürlich geht alles immer etwas langsamer, weil wir ehrenamtlich arbeiten und wir keine Techniker sind. Aber wir können immer von außen Hilfe einbeziehen. Man schafft es auf jeden Fall.

Da muss es Ihnen ja sehr am Herzen liegen. Warum ist Ihnen diese Arbeit so wichtig?

Das ist eine interessante Frage. Es gibt viele Gründe, aber bestimmt drei Hauptgründe. Der erste ist vielleicht der fachliche Aspekt. Wir sehen uns im Dienste der deutschen Sprache und im Dienste der Förderung der Sprache sowie der Vernetzung der Deutschlehrerverbände weltweit.

Die Mitglieder des IDV-Vorstands sitzen auf einer Treppe (IDV/B.Hedzic)

Der IDV-Vorstand (von links): Puneet Kaur, Benjamin Hedzic, Sonja Winklbauer, Andrea Schäfer, Marianne Hepp, Monika Janicka, Geraldo de Carvalho, Naomi Shafer

Der zweite Punkt ist ein menschlicher. Man arbeitet zwar sehr viel, aber man bekommt auch unglaublich viel zurück, an gemeinsamen Interessen, an internationalen Freundschaften, an internationalen beruflichen Kontakten.

Das alles ist schwer in Worte zu fassen. Wenn sie allein bedenken, dass sich zu den Internationalen Deutschlehrertagungen inzwischen über 3.000 Leute anmelden, die gar nicht mehr alle aufgenommenen werden können. Da sehen sie dieses riesige Interesse an der Vernetzung.

Der dritte Aspekt ist, dass wir bildungspolitische Forderungen stellen - übrigens viel mehr als früher. Die politische Arbeit macht mir großen Spaß, und gemeinsam können wir viel erreichen. 

Die Internationale Deutschlehrertagung findet ja auch nur alle vier Jahre statt. Das muss dann ja auch für Sie sicherlich ein Höhepunkt sein. Wie aufgeregt sind Sie vor so einer Tagung?

Ja, natürlich, da ist sehr viel Aufregung und Engagement auf allen Seiten. Die IDT werden allerdings seit Jahren nicht mehr vom IDV selber ausgerichtet. Das wäre gar nicht möglich. Das macht stets eine ausrichtende Universität oder Institution.

Und dann organisiert der Verband vor Ort die Tagung?

Ja, genau, der oder die Verbände. Viele Länder haben ja zwei oder mehr Verbände. Die beantragen die Tagung und arbeiten in der Vorbereitung mit. Dann gibt es eine Vorbereitungsgruppe, die sehr groß ist und bis zu 100 Leute umfassen kann. Da ist dann auch der IDV dabei.

Da arbeiten dann sehr viele Leute zusammen, wie auch die Mittlerorganisationen wie das Goethe-Institut oder auch die Deutsche Welle. Nur durch ehrenamtliche Arbeit wäre eine solche Aufgabe nebenbei nicht mehr zu stemmen.

Zuletzt habe ich noch eine allgemeine Frage. Warum ist der IDV Ihrer Meinung nach so wichtig?

In den wenigsten Ländern auf dem Globus gibt es eine richtige Deutschlehrerausbildung. Es gibt Deutschlehrerfortbildungen und das Fremdsprachenstudium an den Universitäten, und dann gibt es oft nichts mehr. Dann werden die Absolventen einfach in die Schule geschickt. Das heißt, ganz viele Deutschlehrende weltweit brauchen unbedingt etwas, das diese Lücke ausfüllt. Sie benötigen Fortbildung, sie müssen über den neuesten Stand der Dinge informiert werden, über die Forschung, über Anwendungsmöglichkeiten und Möglichkeiten, mit den Neuen Medien zu arbeiten.

Und da läuft unglaublich viel über die Verbände. Man ahnt gar nicht, wie viel die einzelnen Verbände in den einzelnen Ländern weiterhin für die Fortbildungen leisten.


Die wichtigsten Infos in Kürze:
Der Internationale Deutschlehrerverband (IDV) hat 104 Mitgliedsverbände in 85 Ländern. Alle Kontinente sind vertreten. Der IDV wurde 1968 gegründet, um das Fach Deutsch als Fremdsprache (DaF) zu fördern und die Lehrenden in diesem Gebiet zu unterstützen.

Der Verband tritt für Deutsch als Teil eines Mehrsprachigkeitskonzeptes ein. Deutsch soll also nicht gegen andere Sprachen ausgespielt werden, es soll eine von vielen Sprachen sein, die weltweit gepflegt werden soll.

Der Vorstand besteht aus insgesamt acht Mitgliedern: fünf Personen aus allen Teilen der Welt sowie drei Expertinnen und Experten, jeweils aus einem deutschsprachigen Land. Der Vorstand hält zweimal im Jahr eine ca. dreitägige Vorstandssitzung ab und realisiert die Zielvorgaben aus der Vertreterversammlung. Er initiiert und koordiniert die eigentliche Vereinsarbeit.

Wichtige Aktivitäten:
• Tagungen wie etwa die Internationale Deutschlehrertagung und Regionaltagungen
• Symposien und Seminare (z. B. Fachsprachensymposien, DACH-Landeskundeseminare, Lehrbuchautorenseminare)
• Delegiertenseminare und Vertreterversammlungen, um die Verbandsgeschäfte abzuwickeln und die Verbände zu professionalisieren
• Publikationen, sprachenpolitische Stellungnahmen, Kontakte zu relevanten Institutionen und Organisationen usw.

Vorstandsgremium:
• Marianne Hepp, Italien (Präsidentin)
• Monika Janicka, Polen (Vizepräsidentin)
• Puneet Kaur, Indien (Generalsekretärin)
• Benjamin Hedzic, Bosnien-Herzegowina (Schatzmeister)
• Geraldo de Carvalho, Brasilien (Schriftleiter)
• Sonja Winklbauer (Expertin Österreich)
• Andrea Schäfer (Expertin Deutschland)
• Naomi Shafer (Expertin Schweiz)

Kontakt:
Über die Webseite: http://idvnetz.org/kontakt

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