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Politik

Internationale Pressestimmen der vergangenen Woche

Tibet-Konflikt

Je länger der Tibet-Konflikt dauert, umso dringender stellte sich die Frage, wie der Westen auf die Niederschlagung der Proteste durch die chinesischen Behörden reagieren soll. Auch die Kommentatoren der internationalen Presse stellen sich diese Frage, nicht zuletzt im Hinblick auf einen möglichen Boykott der Olympischen Spiele in Peking.

Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG mahnt zu Standfestigkeit:

„Die weltweite Empörung über die Tibet-Krise ist zwar verständlich und richtig, aber nicht unbedingt nutzbringend. Ehrlicher und erfolgversprechender wäre es, wenn namentlich die westliche Politik sich endlich dazu durchringen könnte, gegenüber der Pekinger Führung im politischen Alltag selbstbewusster und mit der nötigen Härte im Sinne eines wirklich offenen Austausches auf Augenhöhe aufzutreten. Sporadische Empörung im Rahmen des sonstigen eilfertigen Kotaus vor den Diktatoren und deren Wünschen kann jedenfalls in China den Respekt für die Demokratie nicht fördern. Wer nicht das Rückgrat besitzt, für seine eigenen Werte und Überzeugungen einzustehen, genießt in China keinen Respekt.“

Die Zeitung LA LIBRE BELGIQUE aus Brüssel fordert ein klares Zeichen westlicher Demokraten:

„Allein die Vorstellung, dass die Demokraten die grandiosen Spiele moralisch stützen könnten, während man im Hinterhof mordet, ist unerträglich. Es geht nicht darum, einen sterilen Boykott der Olympischen Spiele zu fordern, sondern zu hoffen, dass unsere Politiker keine neue Unterdrückung legitimieren, sondern genug ethisches Bewusstsein zeigen - indem sie bei der Eröffnungszeremonie der Spiele nicht neben den chinesischen Bonzen auftreten, die diese Gewalt angeordnet haben.“

Das britische Blatt THE TIMES meint:

„Die Notwendigkeit, die Olympischen Spiele zu retten, hat Peking bereits zu mehr Zurückhaltung veranlasst, als es gewollt hätte. Noch ist es nicht zu spät, einen Gewalteinsatz wie 1989 zu vermeiden. Alle westlichen Regierungen, nicht nur die britische, müssen klar und deutlich sagen, dass es der Dalai Lama ist, der eine moralische Autorität über die Zukunft Tibets hat, und nicht Peking - und dass die Olympischen Spiele auf dem Spiel stehen, wenn China dies nicht akzeptiert.“

Dagegen lehnt der Pariser FIGARO einen Boykott ab:

"Das große Sportfest zu boykottieren macht keinen Sinn. Das wäre eine Beleidigung für all jene Chinesen, die sich von den Spielen in Peking eine Öffnung ihres Landes erhoffen. Selbst der Dalai Lama räumt dies ein. Doch wenn am 8. August die Olympischen Sommerspiele in Peking eröffnet werden, dürfen wir die Krise in Tibet (...) nicht vergessen. Diese Spiele müssen die Gelegenheit sein, um der Volksrepublik China klar zu machen, dass ihr Aufstieg zu einer Weltmacht ihr auch Verantwortung in der Welt aufbürdet. Eine der Pflichten Pekings ist es, einen Dialog mit dem Dalai Lama zu führen und ihn so als geistigen Führer der Tibeter anzuerkennen."