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Politik

Internationale Pressestimmen der vergangenen Woche

US-Vorwahlen bleiben spannend

Die internationale Presse hat in der zurückliegenden Woche wieder mal auf das spannende Rennen um die Präsidentschaftskandidatur bei den US-Demokraten geschaut. Dort konnte Senatorin Clinton die Siegesserie ihres Kontrahenten Obama stoppen. Sie gewann die Vorwahlen in Texas, Ohio und Rhode Island – und bot Obama die Zusammenarbeit an.

Dazu schreibt DIE PRESSE aus Wien:

"Wenn Clinton nun von einem 'Dream-Team' zusammen mit Obama spricht und davon, dass es eigentlich nur noch darum gehe, wer als Präsident und wer als Vizepräsident kandidiert, dann zeigt das ihre Verzweiflung. ... Obama wäre schlecht beraten, auf das Team-Angebot einzugehen. Alleine hat er, das zeigen alle Umfragen, eine Chance, gegen den Republikaner McCain zu gewinnen. Clinton auf dem Ticket würde diese Chancen dramatisch mindern. Die einstige First Lady könnte jetzt wahre Größe zeigen und von sich aus auf ihre Kandidatur verzichten."

Die dänische Zeitung BERLINGSKE TIDENE vergleicht die Clinton-Erfolge mit einem Mord am Weihnachtsmann. Das Blatt schreibt:

"Sollte es Hillary Clinton gelingen, ihren demokratischen Konkurrenten tatsächlich noch zu schlagen, wird ein Teil der Wähler stark enttäuscht sein. Nicht ganz überraschend meinten Beobachter nach Clintons Vorwahlsieg in Texas, sie habe hier etwas getan, was der Ermordung des Weihnachtsmannes am Tag der Bescherung und vor den Augen der Kinder gleichkomme. Die Enttäuschung neuer Wähler, und darunter vor allem der jungen, bei einer Niederlage für Obama kann das neu erwachte Wählerinteresse vielleicht wieder zerstören."

Auch die niederländische Zeitung DE VOLKSKRANT sieht zunehmende Probleme bei den Demokraten. Dort heißt es:

"Für die Spannung im langen amerikanischen Wahlkampf ist diese jüngste Wendung ein Geschenk. Aber für die Demokraten werden die Dinge besorgniserregend. Denn je länger das Duell zwischen Clinton und Obama dauert, umso geschundener wird der Gewinner bald in den Kampf gegen den Republikaner John McCain ziehen, der am Dienstag mit vier Siegen die Nominierung durch seine Partei sicherstellte. Er kann sich wirklich in Ruhe zurücklehnen, während die beiden Demokraten aufeinander einschlagen."

Der Schweizer TAGES-ANZEIGER aus Genf weist auf die Schwächen des Republikaners McCain hin:

"Falls der Wahlkampf im Herbst auf dem Terrain der Bürgersorgen über die wirtschaftliche Zukunft und obendrein mit einem Blick auf die bedenkliche soziale Ungleichheit der amerikanischen Gesellschaft geführt wird, dürfte John McCain auf der Verliererstraße landen. Deshalb ist die demokratische Nominierung wahrscheinlich wertvoller als vielfach in der Vergangenheit, und deshalb werden Barack Obama wie Hillary Clinton in den Wochen bis zur vielleicht vorentscheidenden Vorwahl im Staat Pennsylvania am 22. April schweres Geschütz auffahren. Gehen beide im Kanonendonner unter, könnte John McCain im Herbst ein Preis zufallen, der ihm ansonsten wahrscheinlich verwehrt bliebe."

Zum Schluss der Kommentar der Zeitung SUD-OUEST aus Bordeaux:

"Obama hat eine magische Seite, die die Verschwommenheit seines Programms verdeckt. Die Europäer ... begeistern sich für den neuen demokratischen Tabellenführer, obwohl es Frau Clinton ist, die eine sozialere Politik vorschlägt, vor allem im Gesundheitsbereich. Von einem Phänomen Obama zu reden, ist deshalb keine Übertreibung. Aber man muss auch das Risiko einschätzen, die Fähigkeiten eines Menschen zu überschätzen, sei er auch brillant und charmant."