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Politik

Internationale Pressestimmen der vergangenen Woche

Unabhängigkeitserklärung des Kosovo

Zentrales Kommentarthema - auch in der Auslandspresse - war in dieser Woche die Unabhängigkeitserklärung des Kosovo und deren Auswirkungen:

Die niederländische Tageszeitung TROUW meint:

"Den Kosovaren sei das Feiern vergönnt. Aber der Kater wird nicht lange auf sich warten lassen. Das bettelarme Kosovo ist bei weitem noch nicht lebensfähig. Die bisherige serbische Provinz keine bedeutenden Investitionen anziehen, solange Organisationen wie die UNO es nicht anerkennen. Und das werden Russland und China vorerst verhindern."

Die Zeitung MLADA FRONTA DNES aus Tschechien fragt sich:

"Kann man einen Staat als unabhängig bezeichnen, der gerade einmal so groß ist wie ein tschechischer Landkreis, und auf dessen Territorium rund 18.000 NATO-Soldaten stationiert sind? In der einstigen Provinz Kosovo wird sich nicht viel verändern. Eine am Boden liegende Wirtschaft lässt sich durch die Unabhängigkeit allein kaum beheben, auch wenn albanische Politiker dies ihren Wählern versprochen haben. Und eine multiethnische Gesellschaft existiert im Kosovo gegenwärtig nur dank der internationalen Streitkräfte."

Auch das spanische Blatt EL PAIS glaubt:


"Das Kosovo wird noch viele Jahre benötigen, bis es ein überlebensfähiger Staat wird. Die Europäische Union wird dabei eine Schlüsselrolle spielen. Die größte Herausforderung liegt jedoch bei den Kosovaren selbst. Sie müssen beweisen, dass sie in der Lage sind, einen multiethnischen und demokratischen Staat aufzubauen. Bereits die kommenden Monate werden zeigen, ob die Kosovaren die Chance nutzen, die die Geschichte ihnen bietet."

Die bosnische Zeitung OSLOBODJENJE kritisiert das Verhalten Serbiens:


"Serbien tut in diesen Tagen alles, von dem es naiverweise glaubt, es mache die Unabhängigkeit des Kosovo ungeschehen. Dazu gehört auch der vorläufige Abzug der Botschafter aus Staaten, die das Kosovo anerkennen. Das ist zwar eine legitime, aber völlig wirkungslose Maßnahme. Die gewaltsamen Demonstrationen hingegen sind keineswegs rechtmäßig. Vor allem, weil sie aus falschen Hoffnungen geboren sind. Hoffnungen, die Serbiens Premier Kostunica anfachte, indem er der Menge versprach, das Kosovo zurückzuholen."

Die Krawalle in Serbien beschäftigen auch das norwegische DAGBLADET:

"Was wir da mit ansehen mussten, war eine von den Behörden initiierte oder sogar angeleitete Raserei, ein staatlich autorisierter Zorn, fast wie die Demonstrationen in der muslimischen Welt gegen die Mohammed-Karikaturen. Die Unabhängigkeit des Kosovo ist völkerrechtlich zweifelhaft und könnte unvorhersehbare politische Folgen haben. Aber sie ist das unvermeidliche Ergebnis des von Serbien geführten Krieges vor knapp zehn Jahren. Das Kosovo war bereits 1999 verloren, als Serbien mit seinen ethnischen Säuberungen begann."

Die Zeitung NEPSZAVA aus Ungarn vermutet:


"Das Ziel Serbiens ist nicht das Kosovo, sondern vielmehr die Eingliederung des serbisch bevölkerten Nord-Kosovo und der Serbischen Republik innerhalb Bosniens. Jüngst hat das Parlament der Serbischen Republik eine Resolution verabschiedet, derzufolge die bosnischen Serben das Recht hätten, selbst über ihr Schicksal zu bestimmen. Von einem Referendum wird man sie nur schwer abbringen können. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis die bosnischen Kroaten ihrem Beispiel folgen werden. Der Geist des Kosovos wird noch lange über den Balkan wandern."

Die russische Blatt NOWYJE IZWESTIA warnt vor dem 'Präzedenzfall Kosovo':

"Auf die EU kommen schwere Zeiten zu. Denn in vielen Ländern gibt es Volksgruppen, die sich nach einer eigenen nationalen Identität und nach Unabhängigkeit sehnen. Dort wollen die Menschen nun das erreichen, was die Albaner bereits errungen haben: Eigenständigkeit."

Abschließend der Kommentar der schwedischen Zeitung DAGENS NYHETER, die einen Blick in die Zukunft wagt:

"Irgendwann wird die Geografie siegen: Albaner und Serben leben, wo sie nun einmal leben, nebeneinander und am Rand der großen EU-Gemeinschaft. Und wenn eines Tages alle Beteiligten zu Mitgliedern der EU geworden sind, wird auch der lange Streit über Grenzen und Nationalität überwunden sein."