1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Politik

Internationale Pressestimmen der vergangenen Woche

Vorwahlen in den USA

Im amerikanischen Vorwahlkampf bleibt es spannend. Bei den Demokraten liefern sich Hillary Clinton und Barack Obama ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Bei den Republikanern rückte John McCain in die Favoritenrolle. In der vergangenen Woche ist die internationale Presse bei dem Thema eingestiegen wie bei einem spektakulären Sportereignis:

So schreibt die italienische Zeitung LA REPUBBLICA:

„Im 21. Jahrhundert sind die amerikanischen Präsidentschaftswahlen zum politischen Gegenstück der Fußballweltmeisterschaft geworden. Der halbe Planet verfolgt sie im Fernsehen. ... Wenn man irgendjemanden in irgendeinem Café in irgendeiner Stadt der Welt auf irgendeinem Kontinent anspricht, dann kann man sicher sein, dass das Gespräch darauf hinausläuft. 'Bist du für Hillary oder für Obama?'. Diese Frage ist derzeit, zumindest bei den Europäern, der Hauptschlüssel, um das Eis zu brechen ... .“

Das niederländische Blatt DE VOLKSKRANT sieht die besseren Chancen nicht bei Hillary Clinton. Dort heißt es:

„Obama stand vor zwei Monaten in den Umfragen noch weit hinter der früheren First Lady. Nun ist er ein vollwertiger Kandidat für die Nominierung. ... Sein Auftreten schafft erkennbar die größte Begeisterung. Aber die Wahlergebnisse zeigen auch, dass Obama sich noch stärker bemühen muss, eine Brücke zu Wählergruppen zu bauen, die vorerst noch mehrheitlich ihr Heil in Clintons Lager suchen: weniger gut Ausgebildete, Latinos, Frauen. Und das wird sicher umso stärker gelten, je mehr sozial-ökonomische Fragen in den Vordergrund rücken. Auf diesem Gebiet flößt die erfahrene Clinton mehr Vertrauen ein. Sie wiederum muss aber auch einen Weg finden, den Ruch des Abgestandenen loszuwerden, der an ihrer Kandidatur haftet.“

Die Pariser Zeitung LE FIGARO spricht von einer Spaltung der US-Gesellschaft:

„Dieser erste Akt der Vorwahlen hat die tiefe Spaltung offengelegt, die die Amerikaner voneinander trennt. Das wird besonders bei den Demokraten deutlich, wo Farbige, die junge Generation und Selbstständige in großer Zahl für Barack Obama gestimmt haben, während Frauen, Latinos und ärmere Schichten sich für Hillary Clinton entschieden haben. … Bei den Republikanern sieht es nicht viel besser aus. Der Durchbruch von Mike Huckabee in den Südstaaten zeigt die Beständigkeit des Votums der gläubigen Konservativen. John McCain wird diese Wählerschaft ansprechen müssen, was ihn zu einer Koalition mit dem ehemaligen Baptisten-Prediger führen könnte. In beiden Lagern ist Zusammenführung und Einigung das Gebot der Stunde.“

DER STANDARD aus Wien vermutet, dass bei den Demokraten eine Entscheidung erst auf dem Wahlparteitag Ende August fallen könnte:

„Ist bei den Republikanern der Vorsprung McCains bei den entscheidenden Delegiertenstimmen deutlich, so hat Obama trotz Clintons Sieg im delegiertenreichen Kalifornien sein Ziel erreicht, bis auf wenige Dutzend Stimmen an der Senatorin dranzubleiben. Das bringt bei den Demokraten die 'Superdelegierten' ins Spiel, jene 20 Prozent der Stimmberechtigten am Parteitag, die nicht gewählt werden, sondern aus dem Partei-Establishment kommen. ... Viel hängt auch von der Empfehlung der Gewerkschaften ab, die ein Drittel der Superdelegierten stellen. Hier könnte der ausgeschiedene John Edwards, der Mann der Gewerkschaften, das Pendel auf die eine oder andere Seite ausschlagen lassen.“

Zum Schluss die dänische Tageszeitung BERLINGSKE TIDENE:

„Die USA erleben die interessantesten Präsidentschaftswahlen seit Ewigkeiten. Selten hat man ein solches Engagement der Wähler erlebt, die durch Stilbrüche sowohl bei Demokraten wie bei Republikanern aktiviert worden sind. Bei den Republikanern gibt es eine Reihe von Kandidaten, die einzelne Gruppen ansprechen, ohne dass einer von ihnen Brücken über die ganze Partei schlagen könnte. Und die Demokraten fordern den Traditionalismus der Wähler mit einem schwarzen Mann und einer weißen Frau als Spitzenkandidaten in beispielloser Weise heraus. ... Gut ist in jedem Fall, dass Europa sowohl mit John McCain, Barack Obama oder Hillary Clinton im Weißen Haus eine wesentlich mehr auf Zusammenarbeit eingestellte USA erleben wird.“