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Politik

Internationale Pressestimmen der vergangenen Woche

Krieg gegen Teheran

Nach seinen Äußerungen zu einem möglichen Krieg des Westens gegen den Iran ist der französische Außenminister Bernard Kouchner in die Kritik geraten. Auch in den Kommentaren der internationalen Presse stieß die Haltung des Sozialisten und Gründers der Organisation 'Ärzte ohne Grenzen' nicht nur auf Zustimmung.

So schreibt die Wiener Zeitung DER STANDARD:

'In den europäischen Hauptstädten schüttelt man in diesen Tagen nur den Kopf über die außenpolitischen Kraftmeier, die seit den Präsidentschaftswahlen im vergangenen Mai in Paris am Ruder sind. Auch nach mehr als 100 Tagen im Amt sind Staatspräsident Nicolas Sarkozy und seine Ministerriege noch in der Sturm-und-Drang-Phase. Schlimmer: Politischer Übereifer und eine Sucht nach Medienpräsenz mischen sich (...) mit schlichtem Amateurismus.'

Auch die Zeitung LA REPUBBLICA aus Rom beurteilt das Vorpreschen Kouchners eher skeptisch:

'Der französische Außenminister (...) hat also beschlossen, die Rolle der Kassandra auf sich zu nehmen, vor allem, um Alarm in Europa zu schlagen, aber auch, um den iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad zu warnen. Reichte die Drohung der USA nicht aus? Ist es für US-Präsident George W. Bush wirklich notwendig, dass die Europäer die Dosis erhöhen? Das Problem besteht darin, dass die aufkommende Strömung, die mehr Härte gegen Teheran will, ausschließlich in jenem Umfeld gedeiht, das auch die Intervention gegen den Irak empfohlen hatte. In der Tat tauchen jene Argumente wieder auf, die eine Präventivintervention unterstützen, und dabei vor allem die Vorstellung, man dürfe keine Zeit verlieren und dem Gegner nicht zu viele Chancen geben, das Chaos zu vermeiden.'

Für die Pariser Zeitung LE FIGARO ist das Kriegsszenario keine unrealistische Option:

'Da die Europäer zögern, neue Sanktionen zu verabschieden, ist es nützlich, daran zu erinnern, dass dies die einzigen Mittel sind, um die diplomatischen Bemühungen zu unterstützen und den Iran zu bewegen, seine Haltung zu ändern. Was die von Kouchner angesprochene Möglichkeit eines Krieges angeht, sollten wir uns keine Illusionen machen. Es ist eine reale Möglichkeit. Das irakische Debakel könnte die USA dazu bringen, den Iran anzugreifen, um zu beweisen, dass ihre strategischen Reserven nicht erschöpft sind. Anstatt die Realität zu verkennen, sollte man sich besser darauf vorbereiten, um sie besser zu verhindern.'

Die dänische Tageszeitung POLITIKEN aus Kopenhagen nimmt Kouchner ebenfalls in Schutz:

'Alle stürzen sich nun auf die französische Kriegsrhetorik und übersehen, weil es bequem ist, dass die eigentliche Botschaft die Einführung schärferer Sanktionen war. Frankreichs Regierung versucht, eine Entwicklung in in Gang zu bringen, während die westliche Geduld gegenüber dem Spiel auf Zeit aus Teheran aufs Äußerste angespannt ist.'