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Politik

Internationale Pressestimmen der vergangenen Woche

Chaos an Finanzmärkten

Die Senkung des Diskontsatzes durch die US-Zentralbank könnte den Anlegern nur eine kurzzeitige Atempause verschafft haben. Analysten sind trotz der Aufwärtsbewegungen nach dem überraschenden Schritt der FED am Freitag nur vorsichtig optimistisch und rechnen zumeist mit weiteren Schwankungen an den Finanzmärkten. Auch die Kommentatoren der ausländischen Presse analysieren die Lage.

Die französische Tageszeitung LA CROIX schreibt:

'Die Krise der Immobilienkredite macht deutlich, was in unserer Gesellschaft falsch läuft, eine Lust an der Verschuldung und eine Risikotoleranz, die nur noch verwundern kann. Die Schwäche des Systems liegt darin, dass es auf massive Verschuldung von einzelnen und ganzen Staaten gründet. Schon beim geringsten Anlass kann alles zusammenbrechen. Es bleibt zu wünschen, dass die Angst, die derzeit umgeht, sich als gute Ratgeberin erweist.'

LES ECHOS aus Paris fragt:

'Wie kann der Brand gelöscht werden? Die Zentralbanken, die täglich auf den Märkten eingreifen, gleichen Löschflugzeugen: Eine spektakuläre Verstärkung, die aber nur für kurze Zeit zum Einsatz kommt. Es liegt tatsächlich an den Geschäftsbanken, die Hauptrolle zu übernehmen. Sie müssen die Zweifel zerstreuen und effektive Sperren errichten.'

Die belgische Zeitung LA LIBRE BELGIQUE aus Brüssel konstatiert:

'Wie immer ist es die große Frage, wie weit das Debakel gehen wird. Im Augenblick sagen die Spezialisten übereinstimmend, dass es sich um eine reine Finanzkrise handelt, die die Robustheit der Weltwirtschaft nicht in Frage stellt. Aber niemand schließt aus, dass sich die Krise ausweitet.'

Die italienische Zeitung CORRIERE DELLA SERA überlegt, ob nicht einfach zu viel Lärm um die Talfahrt der Aktien gemacht wird und fährt fort:

'Der französische Präsident Sarkozy hat sogar seinen Urlaub in Amerika unterbrochen, um einen langen Brief an die deutsche Kanzlerin Merkel zu schreiben und darin einen Punkt zu verdeutlichen: Dass es nämlich nötig ist, eine Untersuchung über die Rolle der Rating-Agenturen einzuleiten. Sarkozy hat ja nicht unrecht. Aber hier geht es nicht um Dinge, über die französische Präsidenten mit deutschen Kanzlern beraten sollten.'

Das niederländische Blatt DE VOLKSKRANT weist darauf hin:

'Die Börsen sind nicht das Wichtigste. Die Krux sind die Zinsen. Die entscheiden, ob die bis jetzt rein monetäre Krise auf die noch florierende Wirtschaft durchschlägt. Wenn unkalkulierbare Risiken dazu führen, dass die Banken mit dem Verleihen von Geld so zurückhaltend werden, dass weniger gekauft und investiert wird, dann stockt die Wirtschaft. So weit ist es aber noch nicht.'

Die römische Zeitung LA REPUBBLICA schaut in die Vergangenheit. Zitat:

'In den Tagen des schwarzen Septembers im Jahre 1989 hatte der Vertreter der amerikanischen Zentralbank in einer geschlossenen Sitzung auf die Frage, was man denn tun könne, um den Zusammenbruch des internationalen Finanzsystems zu verhindern, mit einem einzigen Wort geantwortet: 'Beten'. Der Schrecken eines finanziellen 'meltdown', einer erneuten Krise wie im Jahr 2001, eines neuen Zusammenbruchs der Finanzmärkte, ist äußerst groß.'